100 Tage neuer IHK-Präsident

Christian Gebhardt: "Wir brauchen ein besseres Bild vom Unternehmer"

Hendrik Urbin, Stefan Schunck, Dr. Christian Gebhardt, Christian Stadtfeld und Julius Böhm
Fotos: Marius Auth

12.07.2019 / FULDA - "Aufregend, interessant und anstrengend." So nennt Dr. Christian Gebhardt (59) seine ersten 100 Tage im Amt des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda. "Jedenfalls kenne ich den Begriff Langeweile nicht mehr", schmunzelt der Diplom-Kaufmann. Dennoch hätten die Dutzenden Antrittstermine bei Betrieben, Organisationen und anderen IHKs sowie die Zusammenarbeit im Präsidium Spaß gemacht. Bereits seit 1995 engagiert sich Gebhardt in der IHK, zunächst als Mitglied der Vollversammlung, seit 1999 auch als Vizepräsident. Für fünf Jahre ist er gewählt. Im April 2019 löste er Bernhard Juchheim an der Spitze der Fuldaer IHK, die 14.000 regionale Unternehmen vertritt, ab.

Für ein erstes Resümee der nun 100-tägigen Amtszeit war Gebhardt zu Gast in der Redaktion von OSTHESSEN|NEWS. Er sprach über die Herausforderung der Nachwuchsgewinnung, die Besonderheiten der IHK Fulda und das Unternehmerbild, das in seinen Augen eine Aufpolierung nötig hat.



"Mehr Engel, als man glauben möchte"

"Ohne den Unternehmer, der ein Risiko in Kauf nimmt und die Rahmenbedingungen schafft, damit die Mitarbeiter ihre Arbeit verrichten können, funktioniert unser System nicht. Das sollten wir erkennen und den Unternehmer nicht unter Generalverdacht stellen", meint Gebhardt. Dabei ginge es nicht um Beschönigungen, sondern um die Realität. "Es gibt Missstände, nicht alle Unternehmer sind Engel", sagt der 59-jährige Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, "aber es gibt deutlich mehr Engel, als man bei der derzeitigen öffentlichen Meinung glauben möchte."

Dabei zeichne einen erfolgreichen Unternehmer immer aus, den Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen. Engagierte und motivierte Mitarbeiter seien im Betrieb ein Wert an sich, den es zu pflegen gelte. "Gute Mitarbeiter finden und binden", benennt Gebhardt Ziel und Problem zugleich. In Fulda kommen auf eine Ausbildungsstelle 2,3 Bewerber - in manchen Branchen liegt die Quote bei fünf.

Deshalb versucht die IHK in Fulda, Anreize für junge Talente zu schaffen, die nicht aus der Domstadt kommen. So werden kostengünstige Azubi-Wohnungen bereitgestellt und mögliche Bewerber aus Regionen, in denen das Jobangebot nicht so groß ist, direkt via Social Media angeworben. Langfristig wohl auch aus dem Ausland.

Wissens-Kampagne geplant

Die IHK will näher an die Menschen, mehr von sich berichten und auch Wirtschaftswissen verbreiten. Dabei sollen Fragen wie "Woher kommt unser Wohlstand?" oder "Was bewirken Wettbewerbsbeschränkungen?" beantwortet werden. Solche Grundlagen fehlten vielen Menschen, wie die wochenlangen von Jusos-Chef Kevin Kühnert losgetretenen Enteignungsdebatten bewiesen hätten. Gebhardt sieht da Nachholbedarf: "Wer enteignet, schafft keine einzige Wohnung mehr. So lässt sich das Thema ganz einfach entkräften und das sollte auch jeder verstehen." Gerade in einer wirtschaftsstarken und von mittelständischen Unternehmern geprägten Region wie Fulda.

"Wir sprechen eben die Sprache der Wirtschaft", beschreibt Gebhardt die IHK, "wir sind kein Verband, der Partialinteressen vertritt. Durch die Pflichtmitgliedschaft vertreten wir alle Betriebe und können sachbezogen arbeiten - das ist der Vorteil und die im Grundgesetz verankerte Aufgabe der IHK."

Dass die relativ kleine Fuldaer Kammer noch zu den Aushängeschildern der Republik gehört (höchste Wahlbeteiligung, zufriedene Unternehmer), führt Gebhardt auf die persönliche Präsenz der Verantwortlichen zurück: "Dieses persönliche, die Nähe und die gute Zusammenarbeit machen uns in der Region so stark. Alle haben die gleichen Ziele, nämlich die Wirtschaft der Region stärken." (Julius Böhm / Christian P. Stadtfeld). +++