Chef-Wechsel in der Radiologie

Prof. Dr. Hofmann, Löser des "Bobbes"-Falls, geht in Ruhestand

Sie rollten einen Fall von Hofmann (zweiter von rechts) auf: Prof. Dr. Robert Behr, Prof. Dr. Konrad Schwager, Priv.-Doz. Andreas Hertel und Prof. Dr. Tobias Neumann-Haefelin (v.l.n.r.)
Fotos: Julius Böhm

11.07.2019 / FULDA - "Wer erfahren möchte, wie hoch das fachliche Ansehen von Prof. Dr. Erich Hofmann ist, darf ihn auf gar keinen Fall selbst Fragen", sagt Klinik-Vorstand Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel bei der Verabschiedung seines Klinikdirektors am Mittwoch, "wer aber seine Kollegen fragt, merkt, mit welcher Hochachtung sie von der Lebensleistung von Prof. Dr. Hofmann sprechen."

Über 19 Jahre lang war Hofmann Klinikdirektor der Diagnostischen und Interventionellen Neuralradiologie am Klinikum Fulda. Zahlreiche Gäste, Weggefährten und Kollegen nahmen im vollbesetzten Hörsaal des Klinikums feierlich Abschied. All seine Kollegen beschreiben Hofmann als exzellenten Mediziner, der mit seinem subtilen Humor viel zur interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb des 2006 gegründeten Kopf- und Schädelbasiszentrums beigetragen hat.

Schwieriger Fall: Lösung war am "Bobbes"

Inzwischen besteht die Radiologie am Klinikum Fulda nämlich aus fünf Teilkliniken. Prof. Dr. Hofmann zu Ehren führten seine vier Kollegen, der Neurochirurg Prof. Dr. Robert Behr, Hals-, Nasen-, Ohrenarzt Prof. Dr. Konrad Schwager, der Nuklearmediziner Priv.-Doz. Andreas Hertel und der Neurologe Prof. Dr. Tobias Neumann-Haefelin, einen Fall vor, den Hofmann in Detektiv-Manier zu lösen vermochte.

Bei dem Patienten handelt es ich um einen 47-Jährigen, der nach einer Mittelohrentzündung mit einer schweren Hirnhautentzündung eingeliefert wird. Trotz der schweren Erkrankungen kann der Mann nach drei Wochen "in einem ordentlichen Zustand", wie es Neumann-Haefelin nennt, in die Reha überwiesen werden. Doch der Patient kommt Monate später ein zweites Mal mit einer Hirnhautentzündung in die Klinik, später ein drittes Mal.

In Zusammenarbeit verschiedenster Disziplinen entdecken die Mediziner, dass Keime durch den ganzen Körper des Patienten verlaufen. "Erich Hofmann durchfährt ein Geistesblitz, er sprintet auf Station und untersucht den Patienten am Bobbes", berichtet Neumann-Haefelin. Dort, nahe dem Steißbein, findet er einen Dermalsinus, eine kleine, meist angeborene Hautöffnung, die in tiefere Körperregionen führt. Von dort aus gelangten immer wieder Keime ins Rückenmark und lösten so im Gehirn Entzündungen aus. Nun, mit der Diagnose, kann der Dermalsinus operativ entfernt werden - der Patient ist geheilt.

"Verlieren Kollegen, behalten Freund"

Neumann Haefelin fährt fort: "Einen hervorragenden Mediziner zeichnet es aus, über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinwegzusehen. So einer bist du. Wir verlieren zwar einen geschätzten Kollegen, behalten dich aber als Freund." Deshalb wird Hofmann auch symbolisch zum lebenslangen Ehrenmitglied des Kopf- und Schädelbasiszentrums ernannt.

Hofmann selbst, dessen Markenzeichen die Fliege am Revers und der pfälzische Akzent sind, ist sichtlich gerührt. Prof. Dr. Christoph Manke wird die Leitung der Klinik für Neuroradiologie kommissarisch übernehmen, bis im Herbst dieses Jahres der neue Direktor, Priv.-Doz. Dr. Kai Kallenberg, antreten wird. (Julius Böhm) +++