„Ein Bett im Kornfeld...“

Ackerwildkräuter und Artenvielfalt in der Rhön

Michael Krämer (Untere Naturschutzbehörde) und Theresia Dietz (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt) freuen sich über die Vielfalt an Ackerwildkräutern in der Nähe von Unterweißenbrunn.
Fotos: Marion Eckert

08.07.2019 / BISCHOFSHEIM (RHÖN) - „Ein Bett im Kornfeld...“, schon 1976 wusste Jürgen Drews offenbar, dass ein Kornfeld eine einmalige Faszination ausübt. In der Rhön und im Grabfeld fallen in diesem Jahr besonders die Unmengen an blauen Kornblumen auf. Die Kornblumen wie auch der rote Klatschmohn war einige Jahre nahezu komplett von den Äckern verschwunden, doch immer mehr Landwirte besinnen sich die Bedeutung dieser sogenannten „Ackerwildkräuter“ und geben Kornblume und Co. eine echte Chance auf ihren Feldern.



Möglich wird dies durch ein entsprechendes Förderprogramm des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde, die die Flächen für diese naturschutzfachliche Maßnahme festlegt und natürlich den Landwirten, die sich hierfür bereit erklären.

Michael Krämer (Untere Naturschutzbehörde) und Theresia Dietz (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt) überzeugten sich in Unterweißenbrunn über den Erfolg des Projektes. 143 Landwirte waren es im vorigen Jahr im Landkreis Rhön-Grabfeld im Rahme des Bayerischen Vertragsnaturschutzes in Sachen Extensive Ackernutzung für Feldbrüter und Ackerwildkräuter tätig. „Aktuelle können wir von mehr als 150 Landwirten ausgehen“, sind sich beide sicher und würde sich freuen, wenn noch mehr Landwirte die Notwendigkeit und Bedeutung erkennen und sich dem Programm anschließen würden.

Was muss der Landwirt tun? Bei der extensiven Bewirtschaftung der Ackerfläche wird auf Intensivkulturen wie Mais und Zuckerrüben sowie auf Dauerkulturen wie Klee-Gras oder Luzerne verzichtet. Innerhalb von fünf Jahren müsse mindestens zweimal ein Winteranbau vorgenommen werden, da viele der Ackerwildkräuter Kaltkeimer sind. Höchstens ein Brachjahr sei innerhalb dieses Zeitraums sinnvoll. Verzichtet werden müsse selbstverständlich auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und Düngung sowie einer Untersaat, die das Keimen und Wachsen der Ackerwildkräuter unterdrücken würde. Auch müsse die Saatbreite beachtet werden. „Es wird im doppelten Reihenabstand ausgesät“, erklärte Krämer, was natürlich auch nur die Hälfte des Ertrages zur Folge habe. „Wenn zu dicht ausgesät wird, werden die Ackerwildkräuter unterdrückt.“ Die Förderung von 420 Euro pro Hektar gleiche den Ernteausfall des Landwirts aus.

Mehr Arbeit kommt auf den Landwirt nicht zu. Im Gegenteil, das Düngen und Spritzen entfällt sowie die Investitionen für diese Mittel. Diese Art der Bewirtschaftung ist für Krämer und Dietz eine Rückbesinnung auf die traditionelle Landwirtschaft und das Wissen um Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Erntezeitpunkt. „Zum Glück haben wir noch viele Landwirte, die sich auf das Alte besinnen und das Wissen noch haben“, meint Krämer.

Doch es kann auch Schwierigkeiten geben. Vor allem in den ersten Jahren können aufgrund der noch hohen Nährstoffgehalte im Boden die sogenannten Problemwildkräuter wie der Ackerfuchsschwanz auftreten. „Da wir in der Regel aber die eher ertragsschwachen Flächen ins Programm  nehmen, löst sich dieses Problem überwiegend ziemlich schnell auf“, erklärte Krämer. Interessant ist, dass die Ackerwildkräuter nicht eigens eingesät werden müssen, sondern im Boden vorhanden sind. Auf kaum einer Fläche, die in den vergangene Jahren in das Programm auf genommen wurde, sei es deshalb zu Problemen gekommen. „Die Ackerwildkräuter breiten sich meist zunächst am Rande aus und erobern Jahr für Jahr mehr Fläche. Wir haben da ein gutes Potential im Boden“, so Krämer. Er ist von den blühenden Flächen aber auch den kleinen, beinahe unscheinbaren Pflanzen am Boden unter dem Getreide und den Kornblumen so begeistert, dass er schwärmt. „Es ist der schönste Landkreis der Welt. Der Genpol ist Deutschlandweit einmalig, das sein ein Kapital das es zu pflegen und erhalten gilt.“

Dass Landwirtschaft und Naturschutz so vorbildlich Hand in Hand gehen, freut Theresia Dietz. Diese Ackerwildkräuterkonzept sei eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen den Ämtern und den Landwirten. Die Anfänge der aktiven Beratung und Förderung der Ackerwildkräuter reichen bis Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre zurück. Damals entwickelte das Umweltministerium die ersten Vorläufer der heutigen Förderprogramm wie den Erschwernisausgleich, das Wiesenbrüterprogramm und das Pfufferzonen-Programm, das für die extensive Bewirtschaftung von Ackerflächen zur Verfügung stand. Und warum so ein Engagement? Ackerwildkräuter zählen zu den meist gefährdetsten Arten in Deutschland. Viele von ihnen haben für Insekten attraktive Blüten oder bieten anderweitig Futter und Lebensraum für Wildtiere. Zudem sind Ackerwildkräuter eine Zierde der Landschaft, bieten Genmaterial für künftige Züchtungen, festigen den Boden und werden als essbare Wild- oder Heilkräuter geschätzt. (me) +++

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