"Diese Regel ist absoluter Irrsinn"

Irre Spielordnung des HFV: Am Ende bleibts beim Konjunktiv

Während Neuhof im Hintergrund jubeln darf, haben Hanau um Trainer Michael Fink (r.) keinen Grund zum Feiern.
Fotos: Bernd Vogt

11.06.2019 / NEUHOF - "Hätten wir 2:0 geführt, hätte mich interessiert, wie Neuhof reagiert hätte." Diesen, an Konjunktiven reichen Satz sagte Michael Fink, Trainer des FC Hanau 93 auf der Pressekonferenz nach dem verlorenen Aufstiegsspiel zur Fußball-Hessenliga. Der Ex-Profi sprach sich für eine Änderung des Modus in den Aufstiegsrunden zur nächsthöheren Liga aus.

Denn bekanntermaßen hatte die Begegnung zwischen dem SV Neuhof und Hanau 93 ein aberwitziges, dem Außenstehenden kaum verständlich zu machendes Szenario parat: mit jedem Ergebnis außer einem 0:2 würde Neuhof aufsteigen. Das lag an der Konstellation, dass Dietkirchen, Hanau und eben Neuhof in der Endabrechnung auf drei Punkte kommen konnten, vor allem aber an der Spielordnung des Hessischen Fußballverbandes (HFV).

"Diese Regel ist absoluter Irrsinn", nahm Fink kein Blatt vor dem Mund, als er auf die Regularien des HFV angesprochen wurde. Während bei gleichem Punktestand aller drei Mannshaften über Platz eins das Torverhältnis entscheidet, wird für den zweiten Platz allerdings der direkte Vergleich herangezogen. Möglichen Absprachen ist bei Szenarien dieser Art Tür und Tor geöffnet.

"Im Vorfeld wurde sehr viel geschrieben und diskutiert, dass man mit einer hohen Niederlage hier zwei Aufstiegsfeiern feiern könnte. Ich denke, wir haben uns sportlich korrekt und fair verhalten", kommentierte SVN-Trainer Alexander Bär die kuriose Ausgangslage. In der Tat war von Verständigungen hinsichtlich des Ergebnisses zwischen beiden Parteien aber nichs zu erkennen. 

Fink fordert Umdenken

"Sich "abschlachten" zu lassen war für mich und uns nie ein Thema. Man hätte sich in den Bereich der Unsportlichkeit hinein bewegt und das ganze Jahr, für das man hart gearbeitet hat, mit diesem Resultat kaputt gemacht", machte Bär klar. Denn während ein 0:2 Hanau und Dietkirchen gereicht hätte, wäre bei jeder höheren SVN-Niederlage Hanau und Neuhof nach oben gegangen. Irre, oder?

Erst vor einem Jahr hatte der osthessische Fußball in der Aufstiegsrunde zur Gruppenliga ein ähnliches, kompliziertes Szenario. Bebra, Lütter und Schlitzerland drohte der gleiche Punktestand und die Verwirrung, ob nun direkter Vergleich oder Torverhältnis entscheide, war groß. Die daraufhin angeblich durch den HFV geänderte Spielordnung, wie zunächst vermeldet wurde, hat jedenfalls nicht stattgefunden. 

"Es geht im Fußball um Fair Play und das ist absolute Wettbewerbsverzerrung. Man muss auf jeden Fall überdenken, ob man so weitermachen möchte oder nicht", legte Ex-Profi Fink den Funktionären eine Änderung der Bestimmungen nahe. Um den Irrsinn der eigenen Spielordnung vor Augen zu führen, wäre ein 2:0 für Hanau in der Schlussphase und Neuhofs Reaktion darauf vielleicht nicht verkehrt gewesen. Für den Fußball war es hingegen gut, dass nach dem Spiel lediglich der Konjunktiv bemüht werden musste. (Tobias Herrling) +++

Auf der Pressekonferenz nahm Fink (r.) kein Blatt vor den Mund und kritisierte die Spielordnung des Verbandes.

Wollte sich nicht mit Szenarien beschäftigen und betonte das Fair Play: Neuhofs Trainer Alexander Bär.
Archivfoto: Carina Jirsch