Tote Schafe - Fotonachweise

Mehrere Wölfe in der Region bestätigt: Ein Jäger berichtet

Im Landkreis Bad Kissingen wurde dieser Wolf im April fotografiert
Screenshot: LfU

16.05.2019 / REGION - Mittelkalbach, Alheim-Licherode, Ulrichstein, Bad Kissingen, Unterelsbach: An allen fünf Orten wurden in den vergangenen Tagen und Wochen einzelne Wölfe, teilweise durch getötete Weidetiere, nachgewiesen. Ein weiterer Verdacht: Zwei Schafe, die am 6. Mai 2019 in Bebra- Iba gerissen wurden, könnten ebenfalls auf das Konto eines der scheuen Raubtiere gehen.

Aktuell warnt der Vogelsbergkreis Weidetierhalter vor Ort um erhöhte Sorgfalt bei der Herdensicherung. Bei Ulrichstein Bobenhausen wurde ein Wolf gesichtet und auch fotografiert, was von offizieller Stelle nun bestätigt wurde. Einer, der Isegrim selbst gesehen hat, ist Jäger Klaus Schwab. „Bei uns im Revier gab es bereits seit letztem Winter Hinweise auf einen Wolf“, erzählt er im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. „Ich bin froh, dass sein Vorkommen nun auch offiziell bestätigt wurde.“ Ein offenerer Umgang mit der Thematik Wolf, so meint der passionierte Jäger, würde zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung führen. „Am 12. Mai saß ich auf dem Hochsitz, als ich plötzlich dieses schöne Tier sah.“

Rund sieben Minuten lang, schwärmt er, habe er den Wolf beobachten können. „Erst war er rund 400 Meter von mir entfernt. Da es an dem Abend absolut windstill war, hat er meinen Geruch nicht wahrgenommen. Langsam kam er auf mich zu und näherte sich schlussendlich auf etwa 30 Meter.“ Als das Raubtier den Mann auf der Kanzel bemerkte, sei es gestoppt. „Er blickte mich an, machte plötzlich einen Satz von drei oder vier Schritten in meine Richtung. Dann drehte er ab.“ Schwab ist davon überzeugt, etwas Wunderbares erlebt zu haben. „Ich gehe seit vielen Jahrzehnten auf die Jagd und bin ziemlich davon überzeugt, ein Wolf würde, wenn man ihn nicht bedrängt, niemals einen Menschen angreifen.“ Er sei zwar überrascht ob der Größe des Tieres gewesen „ein Deutscher Schäferhund war klein dagegen“,

Angst habe er allerdings nicht verspürt. „Nur Freude darüber, dieses Tier gesehen zu haben“, sagt er. Hundehalter müsse man jedoch warnen: „Meine Erfahrung sagt mir, ein Raubtier wie der Wolf greift jeden Vierbeiner, den er als Reviereindringling sieht, an.“ Aus diesem Grund solle man seinen Hund in den kommenden Tagen besser angeleint lassen und offenes Gelände bevorzugen.

Im Winter sei bereits eine Wolfsfährte in Eckmannshain gefunden worden, Sichtungen von einzelnen Wölfen habe es Ende Februar zwischen Mücke und Ruppertenrod und Ende März bei Eckmannshain gegeben. Ein weiterer Fotonachweis sei am 14.Mai 2019 zwischen Ober- und Unter- Seibertenrod erfolgt. „Die Tiere“, sagt er, „sind längst bei uns angekommen.“

Schwab hofft nun darauf, dass die Behörden in Zukunft mehr über das Vorkommen der Wölfe in der Region informieren. „Wir müssten auch endlich in das Risikogebiet aufgenommen werden, damit Weidetierhalter bei einem Wolfsriss entschädigt werden.“

Schießen wollte er das Raubtier nicht. „Wildernde Hunde verursachen hier viel mehr Schaden, als es die Wölfe tun. Außerdem bin ich der Meinung, wenn uns die Natur so schöne Geschöpfe schenkt, müssen wir sie auch schützen.“

Weitere Erkenntnisse zum Wolf in Ulrichstein lägen aktuell noch nicht vor, teilte das Hessische Ministerium für Umwelt am Mittwochnachmittag mit. In Hessen, so heißt es, hätten sich bislang keine Wölfe niedergelassen und Reviere gegründet. Dennoch müssten Weidetierhalter grundsätzlich jederzeit und fast überall mit einzelnen, durchstreifenden Raubtieren rechnen. Der gesetzliche Grundschutz der Weidetiere würde nach bisherigen Erfahrungen in den meisten Fällen ausreichen, um Wölfe sicher fernzuhalten. „Bei den in Hessen eingetretenen Verlusten von Nutztieren war dieser Grundschutz oft nicht gegeben, diese Schäden wären vermeidbar gewesen“, so Klaus- Ulrich Battefeld vom Ministerium abschließend. (mr) +++