Kommentar von Hans-Hubertus Braune

Schülerdemos: Gebt der Jugend mehr Vertrauen, sie hat es verdient


Foto: Jonas Wenzel (Yowe)

16.03.2019 / REGION - Nun sind die Schülerdemos auch in Osthessen angekommen. Mehrere hundert junge Menschen sind am Freitag in Fulda und Bad Hersfeld auf die Straßen gegangen. Sie folgen damit einer weltweiten Jugendbewegung, die ihren Ursprung in Schweden hat. Die damals 15 Jahre junge Greta Thunberg hielt erstmals am 20. August 2018 ein Schild mit dem Titel "Skolstrejk för klimatet" (Schulstreik fürs Klima) in die Höhe - daraus entstanden die Klimaschutzdemos.

Seitdem wird intensiv diskutiert: Meinen es die jungen Leute ernst oder ist das Ganze nur eine willkommene Abwechslung, den schnöden Schulunterricht zu schwänzen? Behörden und Schulen pochen - aus ihrer Sicht sicher nachvollziehbar - auf die Schulpflicht ihrer Schützlinge.

Meiner Meinung nach ist es ein gutes Zeichen, dass sich junge Leute immer mehr für die Probleme und Herausforderungen interessieren und engagieren. "Die heutige Jugend ist doch eh nur faul und dumm" - diese These kann ich nicht mehr hören. Die Jugend heute ist sicher nicht schlechter als früher, ob sie besser ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Sie lebt in einer anderen Zeit, Vergleiche sind Schwachsinn.

Seien wir froh, dass es ihnen eben nicht egal ist, was auf unserer zarten Welt passiert. Ehrenamtlich im Nachwuchsfußball aktiv, kenne ich viele Kinder und Jugendliche. Es ist mitnichten so, dass ihnen - wie manch einer suggeriert - alles egal ist, Hauptsache die abendlichen Parties laufen. Tolerenz, Akzeptanz und Integration wird dort einfach gelebt und nicht kaputtdiskutiert.

Wenn sich Christian Lindner hinstellt und die Jugendlichen schlecht macht, dann finde ich nur eine Antwort: "Setzen sechs - für die Aussage "Sache für Profis". Nur gut, dass sich viele der "Profis", also wissenschaftliche Klimaforscher, auf die Seite der Schüler stellen. Das ist ein gutes Zeichen.

Die Politik sollte die Schüler ernst nehmen, sie in ihre demokratischen Diskussionen einbeziehen, ihnen - oder ihren Vertretern - eine Plattform bieten, mitzudiskutieren. Gebt der Jugend mehr Vertrauen, sie hat es verdient. Was sie nicht verdient hat: Dass ihre Demos politisch instrumentalisiert werden.

Wenn die Demonstrationen erreichen, dass jeder Einzelne von den jungen Leuten daheim genauer hinschaut, ob das Licht in der Wohnung unbedingt brennen muss, ob der Einkauf im Supermarkt unbedingt in eine Plastiktüte muss oder Papa mich unbedingt mit dem Auto zur Schule fahren muss, anstatt vielleicht mal zu laufen oder das Fahrrad zu nutzen, ja dann haben die Demos schon etwas erreicht. Auch bei den mitlaufenden "Schwänzern", die es sicher gibt. Wer noch nie geschwänzt hat, der werfe den ersten Stein. Und das aus ganz anderen Gründen.

Das große Rad muss die Politik drehen - und zwar jetzt. Sonst steigt ihr die "böse" Jugend noch gehöriger aufs Dach, oder driftet in Randparteien ab, die keiner will. Ein Hoch auf unsere Demokratie - sie ist keine Frage des Alters. (Hans-Hubertus Braune) +++


Archivfoto: O|N