Tischtennis-Superstar im Gespräch

Maberzell? Ovtcharov: "Sag' niemals nie"

Zeigte sich als Superstar zum Anfassen: Dimitrij Ovtcharov.
Foto: Carina Jirsch

18.02.2019 / FULDA - Ein Superstar zum Anfassen: Dimitrij Ovtcharov, die ehemalige Nummer eins der Tischtennis-Weltrangliste, präsentierte sich beim "RhönSprudel Masters" am vergangenen Samstag in Fulda als bodenständiger und sympathischer Profi. ON|Sport hat sich im Anschluss mit dem 30-Jährigen unterhalten.

Als Dimitrij Ovtcharov das letzte Mal in der Fuldaer Wilmingtonhalle aufschlug, spielte der gebürtige Ukrainer noch für Borussia Düsseldorf. Das ist rund zehn Jahre her, nach dem Ovtcharov 2009 nach Belgien und 2010 nach Russland wechselte. Entsprechend verblasst seien seine Erinnerungen an Fulda gewesen. "Als ich in die Halle kam, konnte ich mich aber gut erinnen, wie ich hier gegen Waldi (Jan-Ove Waldner, Anm.d.Red.) gespielt habe", sagte Ovtcharov kurz nach seinem Masters-Sieg zu ON|Sport.

Wieder in der Barockstadt zu spielen, sei aber sehr schön gewesen. "Die Stimmung war wie immer ganz toll und wenn Fulda in Zukunft etwas Vorlauf hat, dann bekommen sie die Halle auch voll", sagte Ovtcharov über das erstmalige ausgetragene Masters, das im Schnitt 350 bis 400 Zuschauer lockte. Vor allem bei den Viertelfinal-Begegnungen mit den beiden Größen Jörgen Persson und Steffen Fetzner stand der Spaß im Vordergrund, ab den Halbfinals wurde die Angelegenheit spürbar ernster.

"Samuel Walker hat mich voll gefordert und gegen Wang Xi war es extrem knapp. Ich habe meinen Rhythmus verloren und Wang Xi wurde immer besser, aber ich habe mich zum Glück gefangen", fasste Ovtcharov den 3:2-Sieg im Finale zusammen. Mit der Einzel-Weltmeisterschaft, den European Games sowie dem World-Cup zählt Ovtcharov drei persönliche Highlights im Kalenderjahr 2019 auf. Seine Ziele?

"Ich will bei den großen Events vorne mitspielen und gewinnen, wie jetzt beim Europacup. Das ist oft mehr wert, als nur eine Rangliste", so Ovtcharov. Apropos Weltrangliste: erstmals seit sechs Jahren ist die ehemalige Nummer eins der Welt nicht mehr unter den ersten zehn vertreten. "Ich habe das erste halbe Jahr in 2018 fast gar nicht gespielt und durch den neuen Weltranglisten-Modus hat man gar keine Chance, die Position zu halten. Die Weltrangliste ist natürlich wichtig, aber ich bin jetzt auch lange oben gewesen", sagte Ovtcharov über sein Abrutschen.

Mit dem ersten Platz (Januar/Februar 2018) habe sich der 30-Jährige einen Traum erfüllt, angepeiltes Ziel für 2019 sei zudem die Rückkehr unter die ersten Fünf der Welt. Neben seinem Engagement im russischen Oranenburg schlägt Ovtcharov übrigens auch für den chinesischen Klub Jiangsu Zhongchao Cable auf. 2014 unterschrieb er einen Fünfjahres-Vertrag. Wie es künftig im Reich der Mitte weitergeht, sei offen.

Rückkehr nach Deutschland?

"Das weiß ich nicht, weil vieles in der Schwebe ist", sagte Ovtcharov und erzählt, dass es aufgrund der Belastung für die chinesischen Spitzenspieler fraglich sei, ob die Liga künftig überhaupt stattfindet. Als der 30-Jährige für seinen Masters-Sieg einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro überreicht bekam, wurde gewitzelt, er habe hiermit einen Vertrag in Maberzell unterschrieben. Eine Rückkehr nach Deutschland gilt aber als sehr unrealistisch, oder doch nicht?

"Ich bin in Russland echt glücklich und bin ja schon lange in Oranenburg. Ich würde natürlich sehr, sehr gerne in Deutschland spielen, aber die Rahmenbedingungen mit 13 Matches in Russland und der wirtschaftliche Aspekt sind aktuell unschlagbar. Aber: Sage niemals nie und ich bin ja noch jung." Nicht völlig unwahrscheinlich ist hingegen, dass Dimitrij Ovtcharov auch im kommenden Jahr in Maberzell aufschlägt.

Denn das erste "RhönSprudel Masters" wurde von Ausrichter "donic" sowie dem heimischen TTC als erfolgreich angesehen, eine Wiederholung 2020 scheint nicht ausgeschlossen. "Warum nicht? Es kommt gut an und mit Fulda haben wir einen verlässlichen und treuen Partner, der das super organisiert hat. Es ist vorstellbar, dass es hier zu einer festen Institution wird", sagte Steffen "Speedy" Fetzner vom Ausrichter. 

Nachdem die Rückkehr von Jan-Ove Waldner verletzungsbedingt kürzer ausfiel als gedacht, könnte das Comeback im kommenden Jahr größer ausfallen. "Ich glaube, es war nicht das letzte Mal, dass Waldi hier war. Er war sieben Jahre nicht hier und hat sich unglaublich gefreut, nach Fulda zu kommen", sagte Fetzner. Die Tischtennis-Fans aus Fulda dürfen sich wohl auch im kommenden Jahr auf Superstars zum Anfassen wie Ovtcharov und Waldner freuen. (Tobias Herrling) +++

Die erste Auflage des \"RhönSprudel Masters\" ging nicht unerwartet an den 30-Jährigen.
Fotos: Tobias Herrling
Zwei Größen des Sports: Jan-Ove Waldner (l.) und Dimitrij Ovtcharov.