"RhönSprudel Masters"

Ovtcharov schlägt Lokalmatador Wang Xi - Waldner muss passen

Die beiden erstplatzierten des "RhönSprudel Masters": Dimitrij Ovtcharov (l.) und Wang Xi.
Fotos: Tobias Herrling / Carina Jirsch

17.02.2019 / FULDA - Der erste Sieger des „RhönSprudel Masters“ heißt Dimitrij Ovtcharov: Die ehemalige Nummer eins der Welt holte sich am Samstag in der Fuldaer Wilmingtonhalle im Endspiel gegen Lokalmatador Wang Xi den Titel und das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro. Die schwedische Legende Jan-Ove Waldner musste kurzfristig passen. 



Nachdem Ovtcharov, im Januar 2018 der beste Spieler der Welt, im Finale bereits mit 2:0 nach Sätzen führte, konnte der scheidende Maberzeller Publikumsliebling nach einer starken Vorstellung noch den finalen fünften Satz erzwingen. „Er hat ordentlich draufgelegt, ich bin zwischenzeitlich nicht mehr in mein Spiel gekommen, habe mich aber zum Glück noch gefangen“, sagte Sieger Ovtcharov nach dem Endspiel zu ON|Sport.

Mit einem 11:8 im letzten Satz sicherte sich der 30-Jährige, der seit neun Jahren im russischen Oranenburg spielt, den Titel bei den erstmalig ausgetragenen „RhönSprudel Masters“ in Fulda. Bei der anschließenden Siegerehrung witzelte Hallensprecher Michael Hodes, Ovtcharov habe mit der Scheckübergabe einen Vertrag beim hiesigen TTC unterzeichnet. Doch von vorne.

Das Teilnehmerfeld hatte sich ein wenig verändert. Weil der Portugiese Joao Geraldo noch beim World-Turnier weilte, rutschte der Fuldaer Publikumsliebling Wang Xi, der nach elf Jahren Maberzell verlassen wird, in das Starterfeld. Die zweite Änderung kam kurzfristig zustande und traf den prominentesten Teilnehmer.

Denn Jan-Ove „Waldi“ Waldner verletzte sich unmittelbar vor den Masters an den Rippen und gab keine Kunststücke auf dem Center Court zum Besten. „Das is natürlich ärgerlich für die Zuschauer, er wurde in Fulda ja vergöttert“, sagte Steffen Fetzner, der mittlerweile für Ausrüster „donic“ arbeitet, über die kurzfristige Absage Waldners.

Für ihn sprang Fetzner, Weltmeister im Doppel 1989, selbst ein. Die Zuschauer, die sich vor allem auf die schwedische Tischtennis-Legende gefreut hatten, bekamen „Waldi“ aber dennoch, wenn auch kurz, zu sehen. Im vierten Viertelfinale zwischen Ovtcharov und Fetzner tauchte „Waldi“ immer wieder einmal auf dem Center Court auf, um die eine oder andere Kostprobe zu zeigen.

Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz, spielten die Tischtennis-Größen natürlich auch für die Galerie. Jörgen Persson, der zweite ehemalige Fuldaer, und Samuel Walker etwa sorgten für manchen Lacher auf den Tribünen, wenn sie das Spielgeschehen kurzerhand in selbige verlagerten oder Punkte mit dem Fuß erzielten. Was aber im letzten Viertelfinale Ovtcharov und Fetzner zeigten, ging glatt als Stand-Up-Comedy durch.

Da wurde mit den Zuschauern geflachst, stehend und liegend auf den Tischen gespielt, die angeschlagene Legende „Waldi“ ins Spiel eingebunden oder Schiedsrichter Christopher Günther an den Tisch gestellt. Der erzielte, nach leichten Anlaufschwierigkeiten, dann auch prompt einen Punkt gegen Ovtcharov.

„Das fühlt sich überragend an“, sagte Günther anschließend schmunzelnd, „aber ich war sehr nervös und habe die ersten Bälle erst einmal ins Netz geschlagen. Mit dem kleineren Schläger ging es dann besser.“ Vor den Halbfinals hatten zudem einige Zuschauer das große Los gezogen, duften sich bei einigen Showbällen gegen die schwedische Legende messen und sahnten zudem Trikots der neuesten Kollektion samt Unterschriften ab.

„Waldi ist hier und gibt Autogramme und macht Bilder, das ist für die Zuschauer auch eine schöne Sache“, sagte Fetzner. In den Halbfinal-Begegnungen wurde die sportliche Geschichte dann schon zunehmend ernster. Ovtcharov und Xi setzten sich in der Runde der letzten vier durch und ermöglichten das von vielen erhoffte Endspiel des ersten „RhönSprudel Masters“, das letztlich an Ovtcharov ging. Auf Seiten Maberzells zeigte man sich nach dem Turnier zufrieden.

„Die Resonanz hätte natürlich höher sein können, aber im Schnitt hatten wir 350 bis 400 Zuschauer in der Halle. Damit sind wir für die erste Auflage zufrieden“, sagte TTC-Vizepräsident Claus-Dieter Schad. Dass Jan-Ove Waldner nur bedingt sein Können zeigen konnte kommentierte Schad so: „Wir haben am Abend vor dem Masters die Info bekommen, dass Waldi gestürzt ist und sich verletzt hat. Das ist natürlich unglücklich, aber so konnte er ein paar Showbälle zeigen und stand den Zuschauern durchgehend für Autogramme und Fotos zur Verfügung.“ Denn das zeigte das Masters auch: die aktuellen und früheren Tischtennis-Größen sind Stars zum Anfassen. (Tobias Herrling)
 

DAS MASTERS IN DER STATISTIK:

Viertelfinale:

Andrers Lind – Kou Lei 3:2 (9:11, 17:15, 9:11, 11:7, 11:6)

Kirill Gerassimenko – Wang Xi 2:3 (11:9, 11:8, 8:11, 7:11, 8:11)

Jörgen Persson – Samuel Walker 1:3 (4:11, 11:7, 14:16, 7:11)

Steffen Fetzner – Dimitrij Ovtcharov 1:3 (4:11, 9:11, 14:16, 1:11) 

Halbfinale:

Dimitrij Ovtcharov – Samuel Walker 3:1 (11:7, 4:11, 11:4, 11:7)

Wang Xi – Anders Lind 3:0 (11:4, 11:9, 14:12) 

Finale:

Wang Xi – Dimitrij Ovtcharov 2:3 (12:14, 4:11, 11:5, 11:4, 8:11) +++

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