Jahrzehntelang sozial engagiert

Adieu, Carlo Schreiner! Der "Drehorgelmann" stirbt im Alter von 88 Jahren

So kannte man ihn jahrzehntelang: Carlo Schreiner, der Mann mit der Drehorgel.
Foto: Martin Angelstein

10.02.2019 / FULDA - Für uns Kinder war er früher „die“ Attraktion: Wenn wir mit meiner Mutter über den Universitätsplatz schlenderten, blieben wir natürlich erstmal bei diesem netten kleinen Herrn stehen und lauschten den Klängen seiner Drehorgel. Carlo Schreiner hieß er und jeder in der Stadt kannte ihn. Ein echtes Original eben. Am Freitag ist Carlo Schreiner im Alter von 88 Jahren gestorben.

Mit einer wochenlangen Vermummung begann vor 51 Jahren die "Karriere" dieses Mannes, dessen ehrenamtliches Engagement zugunsten der Schwachen und Hilfsbedürftigen in der Region Osthessen in dieser Form einmalig war. Carlo Schreiner fing Mitte Januar 1968 mit langem Mantel, dickem künstlichen Bart, Sonnenbrille und Filzmütze als "Der Drehorgelmann" von Fulda an: Umgerechnet etwa eine halbe Million Euro sammelte der aus dem Fuldaer Stadtteil Zirkenbach stammende Carlo Schreiner in den Jahrzehnten danach.

Man könnte über sein soziales Engagement ein ganzes Buch schreiben - so erfolgreich und umfangreich waren die mehr als drei Jahrzehnte "orgeln" für einen guten Zweck. Dabei dürfte eine Person nicht übergangen werden: ohne seine Ehefrau Anita hätte es Carlo Schreiner wohl nicht geschafft. Angefangen hatte es mit dem Sammeln für die "Aktion Sorgenkind", als weiterer Höhepunkt folgte 1982 ein 1.700-Kilometer-Fußmarsch durch Deutschland von der Nordsee bis zu den Alpen. Unvergessen auch sein Engagement zugunsten der Aktion "Ich brauche Deine Hilfe" der Fuldaer Zeitung.

Unzählig die hunderte von "Einzel-Einsätzen" bei kleinen Festen, Weihnachtsmärkten, Vereinsfeiern. Carlo Schreiner hatte viele Fernsehauftritte, viele Filme wurden über seine Aktionen gedreht und ausgestrahlt. Er bekam nicht nur das Bundesverdienstkreuz am Bande und den Ehrenbrief des Landes Hessen, sondern auch die höchste Auszeichnung der Stadt Fulda, die "Ferdinand-Braun-Medaille".

Als "Drehorgelmann" sei Carlo Schreiner unterwegs gewesen und habe dabei sich persönlich für die Schwächsten der Gesellschaft engagiert, sagte einmal der frühere Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Alois Rhiel. Dies bedeute ein "beachtliches und vorbildliches Lebenswerk". Er nannte Schreiner einen Mann, der hohes Ansehen genieße und ein ausgewiesener Sympathieträger für die Stadt Fulda sei. Durch sein herausragendes Engagement und den Einsatz für behinderte Menschen habe Carlo Schreiner das sozialpolitische Leben seiner Heimatstadt mitgestaltet. (mw/Red.) +++

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch OB Dr. Alois Rhiel

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