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Aus der Hessen- in die Bundesliga

Der märchenhafte Aufstieg der Petersberger Sportschützen

Kurz nach dem feststehenden Aufstieg: Petersbergs Sportschützen feiern ihren Erfolg in Hannover.
Fotos: privat

29.01.2019 / PETERSBERG - Zwei Aufstiege binnen einen Jahres: die Sportschützen des SV Petersberg haben Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal stellt der Verein einen Luftgewehr-Bundesligisten. Am Sonntag machte der SV als Aufsteiger in die 2. Liga den Durchmarsch in die höchste Liga des Landes perfekt. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer märchenhaften Geschichte.



Denn eine Luftgewehr-Mannschaft in der Bundesliga stellten die Petersberger Sportschützen noch nie. Vor rund 20 Jahren waren die "Pistoleros" des SVP einmal in der 2. Liga vertreten, nun stellt die Luftgewehr-Abteilung die erfolgreichste des Vereins. "Wir haben schon gewitzelt, dass die alten Rekorde endlich gebrochen sind", sagt Frank Urspruch, Vorstand des Schützenvereins, mit einem Schmunzeln.

Im Vorjahr erst aus der Hessenliga in Liga zwei aufgestiegen, stand dort eigentlich der Klassenerhalt auf der Agenda. Zum Ende der regulären Saison stand Platz drei zu Buche und die Berechtigung, an der Relegation zur Bundesliga teilzunehmen. "Der Aufstieg kommt zwar überraschend, aber ein bisschen darauf haben wir schon spekuliert", gibt Trainerin Anja Heck zu. Denn: Petersberg konnte in Bestbesetzung antreten.

Johanna Tripp, Jasmin Busse, Jana und Mona Heck sowie Michael Döllinger zeigten eine bärenstarke Vorstellung und sicherten sich mit insgesamt 3.904 Ringen den ersten Platz. Am Ende machten gerade einmal drei Ringe Vorsprung den Unterschied vor dem zweitplatzierten KKS Nordstemmen. "Es ist immer noch schwierig, zu realisieren", sagt Vorstand Urspruch am Tag nach dem Aufstieg, "wir sind mit dem Ziel Klassenerhalt in der 2. Liga angetreten und sind jetzt aufgestiegen."

Hinter dem Durchmarsch aus Liga drei ins deutsche Oberhaus stecken schöne Geschichten, wie etwa die von Michael Döllinger. Der 36-Jährige ist der Routinier der Mannschaft und machte Petersbergs Weg von ganz unten nach ganz oben mit. Döllinger schoss bereits in der sechstklassigen Kreisklasse für den SVP, künftig wird er sich mit den besten Schützen des Landes in der Bundesliga messen.

"Michael ist der Mann der ersten Stunde und seit vielen Jahren im Verein engagiert. Nicht nur als Schütze, sondern auch in der Organisation", drückt Trainerin Heck Döllinger ihren Respekt aus. Das Engagement der Familie Heck bei den Petersberger Schützen ist die nächste Geschichte hinter dem Aufstieg. Mutter Anja ist seit Kindesbeinen dem Schützenverein verbunden und infizierte ihre Töchter Jana und Mona mit der Sportart. Auch deshalb sei der Aufstieg sehr emotional gewesen.

Mit Lokalkolorit in die Bundesliga

"Die eine oder andere Träne wurde schon verdrückt", gibt Anja Heck schmunzelnd zu, "und wir haben nur gedacht: "Jetzt sind wir ganz oben" - das war Wahnsinn." Mit den Hecks und Döllinger stellen Petersberger den Kern des Kaders, der mit Johanna Tripp (Ernsthausen) und Jasmin Busse (Gelnhausen) punktuell verstärkt wurde. Tripp ist die Nummer eins des SVP und steuerte in Hannover 395 zum Aufstieg bei. Künftig wird Petersberg, wie die SGi Mengshausen, in der Nord-Staffel des zweigeteilten Oberhauses antreten.

Ab Herbst beginnt in Petersberg das Abenteuer Bundesliga - und das ist mit einigem Mehraufwand verbunden. Höheres Startgeld, Reise- und Verpflegungskosten für die Sportler, dazu die Problematik "Heim-Wettkampf". Denn die Ligaordnung sehe, so Vorstand Urspruch, vor, dass die eigene Sportstätte Platz für 200 Fans bietet. "Das kann unser Schützenhaus nicht vorweisen. Wir hoffen aber, dass wir den Heim-Wettkampf dennoch ausrichten können", erklärt Urspruch und hofft auf eine Ausnahmeregelung.

Alternativ müssten Hallen mit entsprechender Kapazität gemietet oder ein sogenannter Überhangkampf mit weniger Mannschaften ausgerichtet werden. Weil das Niveau in der Bundesliga ein anderes als in Liga zwei sei, bräuchte es Verstärkungen, um die Chancen auf den Klassenerhalt zu steigern. Doch in Petersberg wolle man keine verrückten Sachen machen. "Es wird defintiv keine Einkäufe in der Form geben, dass jemand nach Petersberg eingeflogen wird, wie es bei anderen Vereinen gang und gäbe ist", stellt Urspruch klar.

Auf der Suche nach Verstärkungen für die Mannschaft wolle der Verein auf regionale Spieler setzen. Erste Anfragen interessierter Spiele hätte es bereits rund zwei Stunden nach dem feststehenden Aufstieg gegeben. "In der Region gibt es sehr gute Schützen", ist sich Anja Heck sicher. Zunächst wollen die Petersberger Sportschützen aber ihren Erfolg genießen. Schließlich ist ein Durchmarsch aus der Hessen- in die Bundesliga die Ausnahme statt die Regel. (Tobias Herrling) +++

Das offizielle Mannschaftsbild: Theresa Frischkorn, Mona Heck, Michael Döllinger, Johanna Tripp, Jasmin Busse, Jana Heck (v.l.).
Foto: Verein
Große Freude beim SVP: Jana Heck, Johanna Tripp, Trainerin Anja Heck (liegend) Michael Döllinger, Jasmin Busse, Mona Heck (v.l.).

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