Ausnahmezustand in Bayern

Im Kampf gegen die Schneemassen: Sabine Diegel versinkt im Schneechaos

Die Schneeschaufel ist derzeit bei Sabine Diegel im Dauereinsatz.
Fotos: privat / Sabine Diegel

12.01.2019 / EGLING - "So etwas habe ich noch nicht erlebt", erzählt mir meine Mutter gestern Abend am Telefon. "Es schneit ununterbrochen, am Donnerstagabend wurde sogar der Katastrophenalarm ausgelöst." Sie ist eine von vielen, die derzeit im Schneechaos in Bayern versinken. Sabine Diegel, die gebürtig aus dem Vogelsberg stammt, traut derzeit jeden Morgen aufs Neue ihren Augen kaum - denn die Schneeberge häufen und häufen sich.

Es ist fast schon unglaublich, was sich derzeit in Österreich und Südbayern abspielt: Schnee, wohin das Auge reicht. Das Wetter spielt wieder einmal verrückt, seit Tagen schneit es in vielen Gebieten ununterbrochen - so auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wo am späten Donnerstagabend nach den Landkreisen Miesbach, Berchtesgardener Land und Traunstein der Katastrophenalarm ausgerufen wurde.

Ein Winterkind ist meine Mama ganz und gar nicht, sie liebt den Sommer mit heißen Temperaturen und Sonnenschein. Umso mehr kämpft sie derzeit mit den meterhohen Schneemassen bei ihr vor der Haustür. "Es ist schon beängstigend", beschreibt sie die Situation. "Ich wohne in einer Dachgeschosswohnung, immer wieder knirscht es durch die Schneemassen auf dem Dach." Diese machen ihr und den anderen Bewohnern aus Egling-Neufahrn besonders zu schaffen. Auf einem Quadratmeter haben sich bereits bis zu 120 Kilo Schnee angesammelt, und es wird nicht weniger. Schwer vorstellbar für die Osthessen, was die Bayern und Österreicher da derzeit mitmachen - bei uns liegen gerade einmal "süße" zwei Zentimeter Schnee.



Schon am vergangenen Wochenende traute sich meine Mama mit dem Auto nicht auf die Straße. "Ich habe mir mein Brot lieber selbst gebacken, als den Weg zum Bäcker zu riskieren." Die Gehsteige sind bereits voll mit Schneehaufen, Leute müssen auf den Straßen laufen, um von A nach B zu kommen. Und die, die mit dem Auto unterwegs sind, haben es nicht leichter: "Meine Kollegen haben teils zweieinhalb Stunden für 30 Kilometer gebraucht und bringen ihre Kinder mit an die Arbeit, weil die Betreuung nicht mehr gewährleistet ist." Denn die Schulen sind im Landkreis derzeit geschlossen, "für nächste Woche Montag und Dienstag wurde schon bekannt gegeben, dass die Schulen weiterhin geschlossen bleiben." Außerdem sind viele Gebäude in der Umgebung aufgrund der Schneelast auf den Dächern gesperrt, Turnhallen bleiben ebenso geschlossen - zu hoch ist die Einsturzgefahr.



Auch die Prognose für die nächsten Tage verheißt nichts Gutes - es soll weiter schneien, ein Ende ist nicht in Sicht. "Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass die Dorfgemeinschaft in diesen Tag fest zusammen hält, alle helfen sich untereinander." Meckern bringt ja sowieso nichts, gegen den Wettergott konnte bis jetzt noch niemand etwas tun. Meiner Mutter bleiben da wohl nur die Gedanken an den kommenden, hoffentlich ganz warmen Sommer. (Luisa Diegel) +++