Chorverein präsentiert Operettengala 2019

Glanzlichter der Operette treffen auf Highlights aus Musical und Film


Fotos: Gudrun Schmidl

11.01.2019 / BAD HERSFELD -
Es ist eine langjährige und beliebte Tradition, mit der Operettengala des Chorvereins Bad Hersfeld  das neue Jahr im schwungvollen Dreivierteltakt zu begrüßen. Das Neujahrskonzert am Donnerstag in der voll besetzten Stadthalle wurde wiederum von der Hersfelder Zeitung präsentiert und von der Stadt Bad Hersfeld unterstützt. 

Mit der Ouvertüre aus „Die Fledermaus“ wurde das Programm eröffnet, das mit einer hinreißenden Melodienfülle aus der Zeit der Wiener und Berliner Operette mit Werken von Franz Lehar, Robert Stolz oder Paul Lincke die Operettenliebhaber von den ersten Takten an begeisterte, romantische Gefühlsseligkeit und ein wahrer Walzerrausch inklusive. Mit den Operetten- und Bühnenstars Katja Bördner (Sopran) und Reto Rosin (Tenor) glänzten zwei außergewöhnliche, vielfach ausgezeichnete und rund um den Globus gebuchte Solisten auf der Bühne.

„Ich bin verliebt“ versicherte die Sopranistin, ein „hessisches Mädel“ und eigentlich ein „Kind der Oper“. Der Ausflug in die Welt der Operette, die allen Unkenrufen zum Trotz nicht in der Kaiserzeit gestorben ist, sondern sich im Gegenteil noch immer großer Beliebtheit erfreut, machte der gebürtigen Bad Homburgerin sichtlich Freude. Reto Rosin, von HR-Moderator Dieter Voss als Publikumsliebling mit Stimme und der gewissen Ausstrahlung angekündigt, machte den Vorschusslorbeeren alle Ehre. Mit seiner kräftigen und unangestrengt wirkenden Stimme gestand er: „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen“.

Das gut aufgelegte, vor 33 Jahren gegründete Johann-Strauß-Orchester Frankfurt unter der Leitung von Helgo Hahn begeisterte vollends mit Titeln wie „Gold und Silber“ aus „Clivia“ oder dem flotten Marsch „Folies Bergère“. Alle mitwirkenden Solisten sind Stars, die sich in diesem Orchester sporadisch zusammenfinden und dabei immer wieder frisch formieren müssen. Helgo Hahn, der mit der Louis-Spohr-Plakette des Mitteldeutschen Sängerbundes ausgezeichnet wurde, wird von Dieter Voss als musikalisches Genie beschrieben. Seit 25 Jahren ist Helgo Hahn der musikalische Leiter des Chorvereins, für den ersten Vorsitzenden Hans Jürgen Dietz ist er das „musikalische Herz“.

Bis heute erweckt die klassische Operette mit ihrem einfachen Weltbild und ihrer speziellen Art von Musik mit vielen bekannten Ohrwürmern wahre Glücksgefühle und die Sehnsucht nach einer früheren, vermeintlich besseren Welt. Mit dem musikalischen Schmankerl „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus „Der Vogelhändler“ wurde das Publikum in die Pause verabschiedet. Der zweite Teil des Konzerts setzte mit Highlights aus Musical und Film neue Akzente, machte Dieter Voss schon zu Beginn auf die Musikauswahl der Verantwortlichen neugierig.  Ein vom Orchester dargebotenes Medley aus „Mary Poppins“, ein Einblick in die „West Side Story“ mit „I feel pretty“ und die frenetisch beklatschten Welthits
„New York, New York“ und „Don´t cry for me Argentina“ wurden mit frenetischem Applaus belohnt.

Dieter Voss, der charmant und kenntnisreich mit vielen Hintergrundgeschichten über die Komponisten, die Werke und kleinen Anekdoten aus seiner eigenen Arbeitswelt durch das Programm führte, gab schon früh bekannt: „Ich bin ein Schwein“. Diese Aussage bezog er auf die Tierkreiszeichen im Chinesischen Horoskop. 2019 ist das Jahr des Schweins und das stimmt mit dem Geburtsjahr des Moderators überein. Helgo Hahn ist demnach ein Hund, „ein toller Hund“ setzt Voss noch einen drauf. Reto Rosin ließ den „Tiger“ in sich raus und die zauberhafte Katja Bördner durfte als „Ziege“ ordentlich meckern. Es war sehr lustig, aber irritierend für die Besucher, die nicht mit dem Chinesischen Horoskop vertraut sind.

Kein anderer Song als „Wunderbar“ aus dem Musical „Kiss me, Kate“ hätte den musikalischen Hochgenuss mit enormer Klangfülle besser beschreiben können. Mit „Time to say goodbye“ sorgten Katja Bördner und Reto Rosin im Duett noch einmal für Gänsehaut. Ohne Zugaben ließ das Publikum die Protagonisten nicht von der Bühne. Mit „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ und dem „Radetzky-Marsch“ war der absolute Höhepunkt erreicht. Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen und ging beflügelt von dem "Zauber und der Magie der Musik" hinaus in die kalte Nacht und in ein hoffentlich gutes neues Jahr.  (Gudrun Schmidl) +++