1 Million Sendungen am Tag

Weihnachtspost rund um die Uhr: Briefzentrum setzt auf intelligente Maschinen

Im Briefzentrum Eichenzell
Fotos: Carina Jirsch

06.12.2018 / EICHENZELL - Ende der 1990er-Jahre hat die Deutsche Post im ganzen Bundesgebiet Briefzentren eingerichtet, um das Briefvolumen intelligenter zu bewältigen. Seit 20 Jahren deckt das Briefzentrum Eichenzell im Industriepark Rhön die Postleit-Region 36 ab: Von Sontra im Norden und Sinntal im Süden bis nach Alsfeld im Westen und Bad Liebenstein im Osten wird hier vom Brief bis zum Katalog alles gesammelt und weitergeschickt. In der Vorweihnachtszeit laufen die Maschinen auf Hochtouren: Doppelt so viele Sendungen wie normal müssen bewältigt werden.

190 Postler arbeiten rund um die Uhr in der Halle, die so groß ist wie fünf Fußballfelder. Ohne intelligente Maschinen wäre die Arbeit trotzdem nicht zu bewältigen: Die integrierte Lese- und Videokodiermaschine, kurz ILVM, schluckt 40.000 Briefe pro Stunde, ohne zu murren. Die Adresse wird automatisch gescannt, dann laufen die Briefe über Förderbänder in Kästen, die an die 81 anderen Briefzentren im Rest des Bundesgebiets gehen. Zur selben Zeit füllen sich gleich ums Eck die Kästen für die Zustellungspunkte in der Postleit-Region 36: "Wir verschicken hier nicht nur vom Brief bis zum Katalog alles, was in der Region in Briefkästen geworfen wurde oder bei Unternehmen anfällt. Alle Briefsendungen aus dem Rest der Bundesrepublik für die Region 36 werden hier auch so aufbereitet, dass der Briefträger sie nicht nur für seinen Zustellbezirk passend bekommt, sondern auch noch in der richtigen Gangfolge, von Haus zu Haus. Ohne die Hilfe des Computers würde das nicht funktionieren - oder auf jeden Fall nicht so schnell", erklärt Dominik Wolf, Leiter des Briefzentrums in Eichenzell.

In 20 Jahren wurden im Industriepark Rhön rund 4,2 Milliarden Briefsendungen verarbeitet. Das Einsortieren per Hand in die Fächer der Zustellbezirke gibt es in Eichenzell nur noch am Rand: Die Adressen-Erkennungsrate der Maschinen liegt bei weit über 90 Prozent. Die Digitalisierung ist auch am Briefgeschäft selbst nicht spurlos vorübergegangen: Längst haben Emails und Whatsapp der Postkarte den Rang abgelaufen. Aber zu Weihnachten lebt die inzwischen nostalgisch anmutende Kommunikationsform auf: "Es drückt die Wertschätzung besser aus, wenn man eine schöne Karte in der Hand hält. Aber das Briefvolumen ist extrem gesunken: Als ich vor 18 Jahren angefangen habe, hatten wir 72 Millionen Briefsendungen am Tag in Deutschland - heute sind es nur noch 59 Millionen. In anderen Ländern hat das schon drastische Auswirkungen gehabt: In Dänemark zahlt man inzwischen 2,85 Euro für den Standardbrief, in Finnland mähen die Postboten den Rasen, weil sie keine Briefe mehr zustellen."

Warenpost und Warensendungen haben dafür zugenommen, nicht zuletzt durchs Internet: Neben der Dialogpost-Schicht für die Werbesendungen und der klassischen Briefkastenpost-Schicht wurde in Eichenzell eine eigene Schicht für Amazon-Sendungen aus Bad Hersfeld eingerichtet. Auf der Kundenliste über der riesigen Großsortieranlage, die von Mitarbeiterinnen mit vollen Werbesendungs-Kästen gefüttert wird, muss inzwischen wieder ein Name gestrichen werden: Gerade ist der letzte OTTO-Katalog durchgelaufen, in Zukunft werden die Waren weitgehend im Internet präsentiert. Andere Traditionen haben die Jahrzehnte unbeschadet überstanden. Briefe an den Weihnachtsmann werden verständnisvoll an eines der regionalen Weihnachtspostämter weitergeleitet: "Für unsere Region ist das Himmelstadt in Unterfranken. Da sitzen Ehrenamtliche, die wirklich den Brief jedes Kindes beantworten. Das ist doch noch etwas anderes als eine elektronische Grußkarte." (Marius Auth) +++