Gedenkfeier zur Reichspogromnacht

Kleiner Empfang für 16 Nachkommen von deportierten Fuldaer Juden

OB Dr. Heiko Wingenfeld
Fotos: Erich Gutberlet

09.11.2018 / FULDA - Eigens zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, wo überall im Dritten Reich die Synagogen brannten, sind 16 Nachkommen von in Konzentrationslager deportieren Fuldaer Juden in die Barockstadt gereist, um dort den Gedenkveranstaltungen beizuwohnen. Bevor sie an der zentralen Feier am Donnerstagabend am Platz der früheren Synagoge Am Stockhaus teilnahmen, gönnten sie sich am Vormittag zunächst eine Stadtführung und wurden im Anschluss von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bei einem kleinen Empfang im Grünen Zimmer des Stadtschlosses begrüßt.

Er sei stolz und geehrt, dass die Gäste aus Israel, den USA und Brasilien den Kontakt zu Fulda suchen, sagte der OB in fließendem Englisch. „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Wingenfeld erinnerte an einen Besuch ehemaliger Fuldaer Juden im Jahr 1987. „Da hat meine Großmutter plötzlich frühere Nachbarn aus den 1920er und 30er Jahren getroffen. Das war aufregend.“ Im Hinblick auf die AfD räumte der OB ein, dass es heute wieder rechtsradikale Tendenzen in Deutschland gibt. „Das ist aber nur eine Minderheit. Unsere Demokratie ist stark genug, um dagegenzuhalten.“

Der Forderung von Anja Listmann, die am Dienstag einen bewegenden Schweigemarsch vom Jerusalemplatz zum Bahnhof organisiert hatte, man müsse in Fulda endlich einen würdigen Erinnerungsort für die Geschichte der hiesigen Juden schaffen, schloss sich Wingenfeld an: „Die Stadt prüft sämtliche Optionen, wo und wie ein solcher Ort eingerichtet werden kann.“ Zum Schluss äußerte der OB den Wunsch, die Besucher mögen Fulda die Treue halten. „Sie sind uns immer herzlich willkommen.“ – Als Gastgeschenk gab’s Spätburgunder. (mw) +++