Platz für Scheckenfalter und Braunkehlchen

Freiwillige arbeiten im Roten Moor für die Wiederherstellung der Offenlandschaft

Anna-Lena Stettner (von links), Rolf Schoeneborn, Martin Ladach, Ranger Jan Knittel und Dominik Kopf machen Heu im Roten Moor. Sie durften für das Bergwaldprojekt in den geschützten Bereich, um die Fläche wieder für bedrohte Arten zu öffnen.  
Fotos: Leoni Rehnert

14.09.2018 / BISCHOFSHEIM/Rhön - Morgens im Roten Moor: Irgendwo im Nirgendwo, inmitten einer Landschaft voll herber Schönheit und mit Blick zur Wasserkuppen-Kuppel, ohne die man den höchsten Rhöner Berg kaum erkennen würde. Hier arbeiten 16 Frauen und Männer, zwischen 20 und Ende 70, die gemeinsam kräftig anpacken. Sie sind Freiwillige im Bergwaldprojekt, einem Verein mit Sitz in Würzburg, der ehrenamtliche Helferinnen und Helfer findet, um sich quer durch Deutschland – im Grunewald, in der Rhön, auf Amrum und bis nach Oberammergau – um die Natur zu kümmern. Eine Woche lang waren sie jetzt zu sechzehnt im Roten Moor.

„Bei uns sind Menschen jeden Alters dabei, von überall und aus allen denkbaren Berufen“, sagt Johannes Nies, der das Projekt im Roten Moor leitet, bei dem diesmal viele Studierende aus Würzburg dabei sind. Aber auch Rolf Schoeneborn, der mit 77 schon jede Menge Erfahrung in freiwilligen Projekten hat, zum Beispiel in Nicaragua, Peru und Kolumbien. Sechsmal hat er bereits im Bergwaldprojekt mitgearbeitet, in der Rhön ist er jetzt zum ersten Mal. „Es gefällt mir hier sehr gut, weil sich der Blick weitet und die Seele befreit“, sagt der Sprachwissenschaftler, der aus Deutschland stammt, oft in den USA lebt – und irgendwie auf der ganzen Welt zu Hause scheint.

Von Montag bis Freitag arbeiten die 16 Frauen und Männer von morgens bis abends daran, diesen Bereich des Roten Moores von diversen Pflanzen zu befreien, die hier nicht hingehören und andere Arten vertreiben, die wiederum unverzichtbar sind für bedrohte Tierarten. „Speziell geht es zum Beispiel um den Skabiosen-Scheckenfalter, von dem es in Hessen nur zwei Vorkommen gibt. Dieser Schmetterling vermehrt sich bei uns in der Rhön ausschließlich auf der Pflanze Teufelsabbiss“, sagt Jan Knittel, Ranger im Biosphärenreservat, der das Bergwaldprojekt im Roten Moor fachlich begleitet, und er ergänzt: „Denn nur dort legen die Weibchen ihre Eier ab, nur dort können sich die Raupen entwickeln, weil sie sich von diesen Pflanzen ernähren.“

Rund 90 Gespinste des Schmetterlings hat Diplom-Biologe Alexander Wenzel, Gutachter für das LIFE-Projekt Hessische Rhön, auf den Teufelsabbiss-Exemplaren gefunden und markiert. Auch wenn das für den Ranger eine gute Zahl ist, muss gehandelt werden. „Die Öhrchenweide breitet sich hier massiv aus, wird regelrecht zu großen Büschen, verdrängt den Teufelsabbiss und die wertvolle Offenlandschaft insgesamt“, sagt Jan Knittel. Deshalb haben die Freiwilligen des Bergwaldprojekts gemäht, um zum Beispiel die hartnäckige Öhrchenweide so gut es geht auszumerzen. Damit hat dann auch der wertvolle Borstgrasrasen wieder bessere Chancen – und in der Folge fördert das eine enorme Artenvielfalt.

Anderthalb Hektar haben die Helferinnen und Helfer gemäht, zusammengerecht, in mächtigen Bündeln zu einem Anhänger an der Straße geschafft und damit das Areal in großen Teilen freigelegt. „Der Borstgrasrasen hat jetzt einen neuen Schnitt bekommen und treibt im nächsten Jahr wieder. Aber man muss dranbleiben. Wenn man diesen Lebensraum erhalten möchte, dann muss man ihn pflegen – jedes Jahr“, sagt Jan Knittel. Auch die Öhrchenweide würde wieder in die Fläche drängen und muss deswegen am besten jährlich zurückgeschnitten werden. „Wenn man nichts macht, dann überwachsen die hohen Gräser und aufkommenden Gehölze den Borstgrasrasen, der damit auf Dauer zurückgedrängt würde. Hier im Moor ist es die Öhrchenweide, auf der Hochrhön die Lupine“, erläutert der Ranger.

„Durch die Arbeiten erreichen wir eine Strukturvielfalt mit einer Hochstaudenflur, niedrigem Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen und dem Moorbereich. Das ist für viele Offenlandvogelarten, wie etwa die Bekassine, zur Nahrungssuche perfekt.“ Gut sei der geschaffene Lebensraum auch für das Braunkehlchen, von dem es nur noch zwei Brutpaare im Bayerischen gibt. „Wir hoffen, dass diese Art auch im hessischen Teil der Rhön wieder einen optimalen Lebensraum vorfindet“, sagt Knittel. (pm) +++