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Rettet die Trauerweide! Grünen-Politiker Rammler ruft zum Widerstand auf

Gefesselt an der Trauerweide: Walter Rammler
Fotos: Marco Boche, Walter Rammler / Facebook, ON-Archiv

15.09.2018 / FULDA - Die Nachricht ging am Mittwoch durch Fulda wie ein Lauffeuer: Die 110 Jahre alte Trauerweide am Parkhaus in der Dalbergstraße soll am kommenden Dienstag gefällt werden. Ein Gutachten besage, dass ihre Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet sei, so die Pressestelle der Stadt. Nun regt sich Widerstand. In einer Spontanaktion fesselte sich der Grünen-Politiker Walter Rammler am Donnerstag an den mächtigen Baum. Und in einem Telefonat mit OSTHESSEN|NEWS startete er am Freitagmorgen einen Aufruf an die Fuldaer Bevölkerung, sich gemeinsam am Dienstag gegen die Fällung zu wehren.

"Als ich da am Baum stand, sind ganz viele Menschen stehengeblieben und haben gesagt: Mit der Trauerweide bin ich aufgewachsen. Die kann man doch nicht einfach so absägen", berichtet Rammler. Für ihn ist es ein Unding, dass das Thema nicht wenigstens vorher in der Stadtverordnetenversammlung oder im Magistrat behandelt wurde. "Da kommt einfach ein Gutachter daher, und man wird vor vollendete Tatsachen gestellt."

Rammler fordert nun ein Gegengutachten. "Man wird doch wenigstens Geld in die Hand nehmen können, um den Baum zu retten. Ich meine: Wir hatten so schlimme Unwetter im Sommer, da ist er ja auch nicht umgefallen." Rammler erinnert an einen alten Baum, der im Zuge des Umbaus der Landes- und Stadtbibliothek am Heinrich-vom Bibra-Platz seinerzeit ebenfalls gefällt wurde, ohne andere Möglichkeiten zu prüfen. "Das geht doch nicht! Die Stadt macht einfach, was sie will."

Um dem im Falle der Trauerweide vorzubeugen, ruft Rammler für Dienstag, 18. September, ab 8 Uhr zum Widerstand auf. "Ich werde mich dann an den Baum anketten. Und ich hoffe, dass viele Bürgerinnen und Bürger kommen und mit einer Sitzblokade die Fällung erst einmal verhindern, bis geklärt ist, ob die Weide nicht doch erhalten bleiben kann." (Matthias Witzel)

Auch die Fraktion Die Linke.Offene Liste/Menschen für Fulda hat sich in einer Pressemitteilung zu der drohenden Fällung geäußert: "Am Donnerstag (13.09.2018) verkündete die Stadt Fulda, die traurige Nachricht der anstehenden Fällung der 110 Jahre alten Trauerweide, die vor dem Parkhaus Altstadt steht. Schon viele Jahre prägt der wunderschöne Baum das Stadtbild, hat zwei Weltkriege überstanden und filtert die Luft an der vielbefahrenen Rangstraße, verbessert so das Stadtklima", so Ute Riebold, Mitglied des Umweltausschusses.

Unbestreitbar sei, dass die Stadt eine potentielle Unfallgefahr beseitigen muss. "Doch bei jedem Baum und sei er noch so prägend und wertvoll, der nicht mehr standsicher ist, erklärt die Stadt Fulda die Fällung als alternativlos. Regelmäßige baumchirurgische Maßnahmen sind zwar teuer, doch könnte so wenigstens mancher stadtbildprägender Baum gerettet werden. Einmal mehr zeigt sich, dass das Fehlen einer Baumschutzsatzung dazu führen kann, einen alten Baum ohne Beteiligung gewählter Stadtverordneter zu fällen. Das Stadtparlament könnte darüber beraten, ob Haushaltsmittel eingesetzt werden, um zu prüfen, ob Baumchirurgie helfen würde."

Wenigstens solle abgewartet werden. "Die Stadtverordnetenversammlung muss die Chance erhalten, der Verwaltung genügend Finanzmittel an die Hand zu geben, um zu prüfen, ob und wie der Baum noch zu retten ist." Erinnert wird daran, dass bei der Entscheidung über Abriss und Neubau des Parkhauses deutlich gemacht wurde, die Maßnahme würde baumschonend ausgeführt. "Als weiterer Grund, für die Schädigung des Baumes wird ein Unfall genannt. "Wurde eigentlich geprüft, inwieweit der Verursacher für den Baumschaden haftbar gemacht werden kann?"

"Es ist unbegreiflich, dass die Stadt Fulda in den vergangenen Jahren nicht alles versucht hat, die durch den Parkhausneubau verursachte Beschädigung der großen Trauerweide zu kurieren. Jedenfalls werde ich am kommenden Dienstag, 18. September, vor Ort sein. Wenn viele Menschen es schaffen, sich am Dienstagmorgen Zeit zu nehmen und zu dem Baum kommen, der uns alle schon seit unserer Geburt beschützt: Wer weiß, vielleicht schaffen wir es, diesen großartigen Teil der Schöpfung zu retten?"

Auch das Bündnis 90/Die Grünen, dem Walter Rammler angehört, meldete sich am Freitag mit einer offiziellen Pressemitteilung zu Wort: "Die Trauerweide soll leben! Mit Bestürzung haben die Fuldaer Grünen aus der Presse erfahren, dass die über 100 Jahre alte Trauerweide in der Dalbergstraße vor dem Parkhaus am kommenden Dienstag gefällt werden soll. Dieser alte Baum hat eine stadtbildprägende, herausragende Bedeutung. Auch bei der Neubebauung des Parkhauses war dieser Baum Bestandteil der Planungen. Zu der sehr kurzfristig angekündigten Baumfällaktion haben die Grünen einige Fragen: Wann und von wem wurden die Schäden diagnostiziert? Wurde ein externer Baumsachverständiger herangezogen? Wurden alle Möglichkeiten der Rettung und Sanierung des alten Baums in Erwägung gezogen?

Die Grünen erinnern in diesem Zusammenhang an den Fall der alten Dorflinde in Bimbach, die vor einigen Jahren ebenfalls wegen Sicherheitsbedenken fallen sollte. Glücklicherweise wurden dieses Vorhaben nicht umgesetzt und wir können uns weiterhin an diesem Naturdenkmal erfreuen. Vor über zehn Jahren wurde beschlossen, die alten Kastanien oberhalb des Paulustors gegenüber dem Generalvikariat ebenfalls komplett zu fällen. Wegen der Proteste von Anliegern und den Fuldaer Grünen wurde zum Glück damals davon abgesehen, und diese Kastanien stehen (bis auf eine) immer noch. Deshalb fordern die Grünen, die Baumfällaktion in der Dalbergstraße bis zur Klärung der offenen Fragen zurückzustellen und zu prüfen, wie die stadtbildprägende Trauerweide mit allen Mitteln am Leben erhalten werden kann." +++