Das berühmte zähe Ringen

An der Ausgründung der Festspiele in eine gGmbH scheiden sich die Geister

Für die Gründung einer Festspiel gGmbH hat sich im Bad Hersfelder Ausschuss für Bildung und Kultur keine Mehrheit gefunden.
Archivfoto: Martin Engel

14.09.2018 / BAD HERSFELD - Es ist ein zähes Ringen um die Ausgründung des Bad Hersfelder Festspiel-Regiebetriebs in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH). Seit 2016 wird sich in der Lullusstadt mit der Thematik beschäftigt. Eigens dafür wurde eine Kommission aus der Taufe gehoben, die sich aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung sowie aus fachkundigen Bürgern zusammensetzt. Nach intensivem Abwägen der Vor- und Nachteile, die eine solche Organisationsform in ihrem Gepäck trägt, hatte sich das Gremium für eine gGmbH ausgesprochen, „wenn sich Bund und Land daran beteiligen“.

Jetzt kam die Festspiel gGmbH im städtischen Ausschuss für Bildung und Kultur abermals auf den Tisch. Abermals scheiden sich an diesem Vorhaben die Geister. Das Resultat: für das Unterfangen fand sich keine Mehrheit. Sowohl SPD als auch NBL stehen der Ausgründung ablehnend gegenüber. Am Ende hieß es Patt: mit vier zu vier Stimmen fiel die Beschlussvorlage durch.

Da nutzte es auch nichts, dass Intendant Joern Hinkel und Andrea Jung, die kaufmännische Leiterin der Festspiele, mit Engelszungen die Vorzüge einer solchen Organisationsform anpriesen, auf die viele andere Festspielorte bereits erfolgreich bauen würden. „Eine gGmbH würde uns auf ganz vielen Ebenen das operative Arbeiten erleichtern“, bekräftigte Jung. Die Schaffung von besserer Planbarkeit und größerer Flexibilität sind die Hauptargumente der Theatermacher. Bezogen auf die Arbeitsverträge und den Abrechnungszeitraum meinte Hinkel: „Das Wirtschaftsjahr der Stadt entspricht nicht unserem Jahreszyklus.“

Zudem versprach er: „Sie würden nicht das Heft aus der Hand geben. Sie würden nur den Startschuss geben und in sämtliche Prozesse eingebunden werden.“ Ziel sei es, ein modernes, zukunftsträchtiges und klar strukturiertes Unternehmen zu schaffen.

Die SPD hegt jedoch die Befürchtung, „dass die Festspiele komplett den Händen der Öffentlichkeit entzogen werden“. Einflussmöglichkeiten und Transparenz würden verloren gehen, wenn plötzlich Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung anstatt Magistrat und parlamentarische Gremien Entscheidungen fällen dürften. In puncto städtische Finanzen hingegen bleibe alles beim Alten: „Ob ich im Haushalt eine städtische Institution oder gGmbH mit Geld ausstatte, ist doch egal – es kommt auf das Gleiche hinaus“, betonte Gerhard Finke (SPD).

Andrea Zietz (NBL) monierte, dass eine Entscheidung erst nach einer fachlichen Bewertung – sei es durch einen Wirtschaftsprüfer oder Fachanwalt – getroffen werden könne und nicht umgekehrt. „So ist es eine Grundsatzentscheidung hinein ins Blaue.“ Ein Spielball, den Karsten Vollmar (SPD) gerne aufnahm: Die jetzige Beschlussvorlage sei nicht konform mit dem Beratungsergebnis der Fraktionsvorsitzenden.

Das zähe Ringen um die Ausgründung des Bad Hersfelder Festspiel-Regiebetriebs in eine gemeinnützige GmbH geht in die nächste Runde: Am Donnerstag, 20. September, widmet sich der Haupt- und Finanzausschuss der Thematik. Das letzte Wort hat dann die Stadtverordnetenversammlung eine Woche später. (sh) +++