Betroffenen Mut machen

10. Selbsthilfetag mit 35 Gruppen: "Sucht und Krankheit nicht länger tabuisieren"

Zahlreiche Infostände gaben beim 10. Selbsthilfetag Antworten auf viele Fragen - auch die ISUV
Fotos: Leyla Rommel

26.08.2018 / FULDA - Für viele ist die öffentliche Auseinandersetzung mit Themen wie Sucht und Krankheit noch immer tabu. Nicht zu wissen, wie man über die Situation offen sprechen soll, daneben die große Belastung sowohl für Betroffene als auch Angehörige, kann belastend sein. Selbsthilfegruppen können dabei ein Weg sein, das Gefühl vom Alleinsein abzunehmen. Hemmschwellen abbauen und Zugang zu den Themen schaffen, das war Ziel des 10. Selbsthilfetages am Samstag auf dem Uniplatz in Fulda.



Über 35 Organisationen präsentierten sich an Infoständen, boten Antworten auf die vielen Fragen. "Der diesjährige Selbsthilfetag steht ganz unter dem Motto: Was uns gut tut" , sagte Karola Günther von der Paritärischen Hessen. "Fragt man sich, was uns tatsächlich gut tut, dann sind es Menschen, die einen unterstützen, die Verständnis zeigen und einem Mut geben. Das findet man in den Selbsthilfegruppen." Besucher konnten auch selbst aktiv werden, an einem Simulator ausprobieren, wie sich Alkoholeinfluss auf das Fahren auswirkt oder den Alterssimulator nutzen, um eingeschränkte Bewegungen im Alter nachzuempfinden.

"Selbsthilfe ist nicht jedem ein Begriff", so Stadtbaurat Daniel Schreiner. Dabei sei sie eine wichtige Ergänzung zum medizinischen Angebot. "Gerade in der modernen Arbeitswelt, in der die Digitalisierung auf die Psyche trifft, kann es durch die technische Beschleunigung zur Überforderung kommen. Dies wird uns in Zukunft begleiten." Dem entsprechend groß war auch das Interesse und die Fuldaer ließen sich von dem Regen nicht abhalten, sich an den zahlreichen Ständen zu informieren.

Den Tag nutzten auch die Therapeuten für sich. Unter dem Zusammenschluss "Therapeuten am Ende" machten sich mit einer bundesweiten Kreideaktion auf ihre schwierige Situation aufmerksam. "Es herrscht ein starker Fachkräftemangel, zudem gibt es wenig Nachwuchs", sagt Physiotherapeutin Tanja Balder. "Immer mehr Praxen müssen schließen, viele teilen die Angst, bald unter die Armutsgrenze zu rutschen."

Dabei ist die Arbeit der Therapeuten wichtig, in Selbsthilfegruppen sind die Ansprechpartner meist sogar ehrenamtlich tätig. "Sucht und Krankheit sowie die Hilfe dazu dürfen nicht länger tabu sein", sagt Christine Kircher, Leiterin des Selbsthilfebüros Osthessen. Der Selbsthilfetag setzte hierbei einen ersten Schritt in die richtige Richtung, um Berührungsängste zu diesem Thema abzubauen. (Leyla Rommel) +++

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