"Ein fatales Signal"
Löwen setzen sich nach Absage im Kreispokal zur Wehr
Montage: Janina Hohmann
31.07.2018 / SCHLÜCHTERN -
Vor sechs Tagen sollte im Fußball-Kreispokal Schlüchtern die Begegnung zwischen dem FSV Schlüchterner Löwen und der SG Freiensteinau über die Bühne gehen. Die für vergangenen Mittwoch angesetzte Paarung wurde seitens der Löwen abgesagt. Bei Harald Maienschein, dem stellvertretenden Kreisfußballwart, kam das gar nicht gut an und der Funktionär machte seinem Unmut Luft. Nun reagierten die Löwen mit einer Gegendarstellung.
"Liebe Sportfreunde, so kann man das nicht machen", schrieb Maienschein einen Tag nach der Absage eine E-Mail an die Adresse des FSV. Nach Angaben der Löwen landete diese auch bei einigen Vertretern der Presse. Auch ON|Sport liegt diese Mail mittlerweile vor. Dort schreibt der Funktionär weiter: "Zweieinhalb Stunden vor Spieltermin ein Spiel abzusagen und dann auch nur nach einem Telefonversuch, betrachte ich als unmöglich. Es war doch bestimmt schon vorher abzusehen, dass nicht genügend Spieler zur Verfügung stehen würden."
Nach Angaben Maienscheins kam die Absage per Mail am Mittwoch um 16:24 Uhr. Zuvor ging beim Funktionär ein Anruf mit unbekannter Nummer ein. "Ich konnte diesen nicht entgegennehmen, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Nähe meines Mobiltelefones war. Da mir die Telefonnummer unbekannt war, habe ich auch nicht zurück gerufen", so Maienschein weiter. Da der Funktionär im Urlaub weilte, habe Maienschein lediglich von Schlüchterns Kreissschiedsrichterobmann Bernhard Depta erfahren, dass die Kreispokal-Partie nicht stattfinden und mit 3:0 für Freiensteinau gewertet werden würde.
Löwen nennen Grund für Absage
"Vorab möchten wir sagen, dass wir Ihren Ärger durchaus nachvollzeihen können", schreiben die Löwen, um anschließend zu erläutern, wie es zur kurzfristigen Absage gekommen sei: "Die Spielabsage kam zu einem solch späten Zeitpunkt, weil wir - wohlgemerkt bei gefühlten 40 Grad Celsius - bis zuletzt bereit waren, das Spiel mit einem Kader von elf Spielern anzutreten. Als sich um 16 Uhr ein Spieler abmeldete, weil er mit seinem Firmen-LKW auf der Autobahn eine Panne hatte und es somit nicht mehr zum Spiel geschafft hätte, haben wir uns gezwungen gesehen, das Spiel schweren Herzens abzusagen."
Für die Schlüchterner Löwen sei es eine einmalige Gelegenheit gewesen, ein Pokal-Viertelfinale zu spielen - und diese habe man nicht aus einer Laune heraus verschenken wollen. "Wir möchten noch einmal betonen, dass wir sowohl Ihren Ärger als Funktionäre, als auch den Ärger unseres Gegners nachvollziehen können. Seien Sie versichert, dass wir auch persönlich Kontakt zu unserem Gegner, der SG Freiensteinau, suchen werden, um die Sache aus der Welt zu schaffen", schreiben die Löwen weiter - und wenden sich im zweiten Teil direkt an Harald Maienschein.
"Die Tatsache, dass Ihre Mail neben uns auch an alle Zeitungen ging und im Endeffekt im Internet veröffentlicht wurde, halten wir für einen extrem schlechten Stil und veranlasst uns, von einem unmöglichen Verhalten zu sprechen", kritisieren die Löwen den Funktionär. Der FSV fühle sich schon seit längerem vom Fußball-Kreis falsch behandelt. "Sie und Ihre Kollegen haben die Schlüchterner Löwen bereits in der Vergangenheit vor anderen Vereinen auf diversen Sitzungen bloßgestellt", lautet der Vorwurf der Löwen, "uns jedoch in der breiten Öffentlichkeit so vorzuführen, werden wir nicht akzeptieren. Wir sind auch einer von vielen Fußballvereinen im Kreis, die alles versuchen, um ihren eigenständigen Spielbetrieb irgendwie am Leben zu halten."
"Ein Schlag ins Gesicht"
Bei den Löwen würde ein Freundeskreis von 20 Fußballern versuchen, den Sport beim FSV am Leben zu halten. "Wir reden hier nicht von Fußballern, die - wie es in vielen Nachbarvereinen üblich ist - für viel Geld im Monat "nur" ins Training und zu den Spielen kommen müssen", führen die Löwen aus - um anschließend zu beschwichtigen: "Verstehen Sie uns nicht falsch, wir beschweren uns darüber nicht und wir haben in der Vergangenheit mit Sicherheit auch viele Fehler gemacht."
Die Mail der Löwen schließt mit einem weiteren Vorwurf an Harald Maienschein: "Wir haben vermutlich die gleichen Probleme wie viele andere Vereine auch. Allerdings ist diese Aktion, die Sie sich hier erlauben, unserer Meinung nach ein fatales Signal und ein Schlag ins Gesicht für alle Vereine, die jährlich um ihre Existenz kämpfen müssen." Auch sechs Tage nach dem angesetzten Kreispokal-Spiel sorgt die Absage noch immer für Diskussionen im Schlüchterner Fußball-Kreis. (the/pm) +++