"Gewalt gegen Retter" im Fokus

Drei Tage 18. RETTmobil: Respekt für Retter: "Gewalt geht gar nicht"

Besucheransturm bereits am Vormittag bei der Rettmobil 2018 in Fulda
Fotos: Hendrik Urbin

17.05.2018 / FULDA - Brisante Themen wie Amok, Terror und Gewalt gegen Rettungskräfte prägen die 18. Rettmobill 2018 vom 16. bis zum 18. Mai in Fulda. Bei der Eröffnung der weltweit bedeutendsten Leistungsschau für das Rettungswesen gestern Vormittag formulierten etliche Redner klare Bekenntnisse zum Standort Fulda und zur Zukunft der Rettmobil, die sich zahlreichen neuen Herausforderungen stellt. An der Rekordmesse beteiligen sich 540 Aussteller aus 20 Nationen. In den drei Tagen werden über 30.000 Besucher erwartet.

Respekt für die Retter

Respekt gegenüber den Rettungskräften und klare Strukturen für den Rettungsdienst forderte Dr. Frank-Jürgen Weise. "Ich bin ja neu in diesem Kreis und sehr beeindruckt." Der Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe und Schirmherr der diesjährigen Rettmobil zeigte sich begeistert von Professionalität und Qualität der Aussteller, die einen internationalen Beitrag für die Rettungsbranche leisteten. Wichtig seien auch der direkte Informations- und Meinungsaustausch, zumal sich die Begegnung zwischen Menschen ebenso wenig digitalisieren lasse wie das Vertrauen zwischen Nutzern und Anbietern. Die Versorgungssituation während des Flüchtlingszustroms in Deutschland nannte Weise katastrophal und beschämend. Ohne die Rettungsdienste und die große Leistung der Gesellschaft wäre die Lage noch schlimmer gewesen. Aufgabe der Politik sei es, die Strukturen im Rettungsdienst in guten Zeiten zu bewahren und zu trainieren. Im Hinblick auf die Zukunft der Messe sagte Weise: „Ich vermute stark: Wir werden immer dabei bleiben".

Eine Herzensangelegenheit

In diesem Sinne äußerte sich auch Fuldas Oberbürgermeiser Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Für Stadt sei die jetzt volljährig gewordene Messe eine Herzensangelegenheit. Die Rettmobil genieße höchste Priorität und werde auf lange Sicht willkommen geheißen werden. Von entscheidender Bedeutung für den Rettungsdienst, der auch eine kommunalpolitische Aufgabe darstelle, sei der Mensch. Deshalb müsse die Gesamtgesellschaft hinter den Rettern stehen. "Es ist unsere Pflicht, die Feuerwehren und die Hilfsorganisationen technisch bestmöglich auszustatten." 

"Gewalt geht gar nicht"

Um die Gewalt gegen Rettungskräfte zu thematisieren und ihr entgegen zu wirken, startet der Deutsche Feuerwehr Verband (DFV) eine mehrjährige Kampagne unter dem Motto „Gewalt geht gar nicht". Wie DFV-Präsident Hartmut Ziebs zudem ausführte, sei der Rettungsdienst in Deutschland international führend. Dem Ansinnen der Politik, die Notfallversorgung in Krankenhäusern zu zentralisieren, erteilte Ziebs eine entschiedene Absage. Schon jetzt hätten die Rettungsdienste erhebliche Probleme, Patienten in Kliniken unterzubringen. Der Mensch dürfe nicht zum Wirtschafts-gut verkommen.

Nur 22 Prozent echte Notfälle

Auf das hohe wissenschaftlich-medizinische Niveau des Fachprogramms während der Rettmobil wies Professor Dr. Peter Sefrin hin. Der wissenschaftliche Leiter des Angebots berichtete, dass die Anforderungen im Rettungsdienst immer größer würden. Deshalb gelte es, neue Erkenntnisse zu vermitteln. Große Bedeutung komme der ambulanten Notfallversorgung zu. Leider fehlten entsprechende Aussagen im Berliner Koalitionspapier. Auch Sefrin vermisst die Anerkennung der Leistungen im Rettungsdienst durch die Bevölkerung. Laut einer Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes handle es sich bei nur 22 Prozent der Patienten um echte Notfälle. Heute werde nicht mehr zuerst der Hausarzt konsultiert, sondern sofort die Notfallaufnahme in Anspruch gekommen.

Rettungssystem als Exportschlager

Das in der Welt einmalige deutsche Rettungssystem zu einem Exportschlager zu machen, regte Manfred Hommel an. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Hersteller von Kranken- und Rettungsfahrzeugen, ideeller Träger der Rettmobil, wies in seiner Begrüßung auf deren „unglaubliche Entwicklung" hin, zu welcher der Deutsche Feuerwehr Verband wesentlich beigetragen habe. Der Erfolg der Messe, zu der es weltweit nichts Vergleichbares gebe, gründe auf den Säulen Fachmesse, Fortbildung, Mobilität und Qualität. Hommels Dank galt unter anderem auch der Stadt für deren Unterstützung sowie Petra Dehler-Udolph und Dieter Udolph, den Geschäftsführern der Messe Fulda GmbH als Veranstalter der Rettmobil, für deren „vorbildliches Engagement".

Dieter Udolph unterstrich in seinem Schlusswort, dass seine Ehefrau Petra die gute Seele der Rettmobil sei und bleibe, die inzwischen mit ihrer Kapazität an die Grenzen des Möglichen stoße. Während der Messe bedeute stets vor der Messe, denn die Vorarbeiten für die 19. Rettmobil 2019 vom 15. bis 17. Mai hätten bereits begonnen. Die 18. Rettmobil 2018 ist bis zum Freitag jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 15 Euro. (nb/pm) +++