Kabarett im Kolpinghaus

"Besser Arm ab, als arm dran": Martin Fromme bricht Tabus mit Lachen

Kabarett im Kolpinghaus: Martin Fromme
Fotos: Hanns-Uwe Theele

30.04.2018 / FULDA - Witze über Menschen mit Behinderung machen – ist es behindertenfeindlich, wenn ich darüber lache? Oder vielleicht sogar, wenn ich nicht darüber lache? Dieser Frage ging Martin Fromme am Sonntagabend im gut gefüllten Kolpinghaus nach. Der Komiker und Autor, dessen linker Arm aufgrund einer angeborenen Dysmelie verkürzt ist, war mit seinem Programm „Besser Arm ab, als arm dran“ vor Ort. Mit feinsinnigem Humor und einer Portion bissigem Sarkasmus führte er das Publikum durch die vielschichtigen Seiten des Lebens als Mensch mit Handicap.



„Wenn ihr mich so anseht, denkt ihr, irgendetwas an meinem Körper stimmt ja nicht“, sagt Fromme zu Beginn des Abends. „Viele werden nun denken: Das ist ja schrecklich ... interessant. Ich bin behindert, guckt ruhig hin“, fordert er das Publikum auf und schließt nach einer Pause ab: „Ich bin Brillenträger.“ Das erste Lachen der Zuschauer hat er für sich gewonnen, das Eis ist gebrochen. „Und es freut mich zu sehen, wie gut hier die Inklusion doch funktioniert“, fügt er mit Blick auf die Brillenträger im Saal hinzu.

„Am Anfang ist es oft eine befangene Atmosphäre“, sagt Fromme. „Wir lachen darüber, wenn ein Schwuler Schwulenwitze macht, ein Türke Türkenwitze. Aber wie sieht es bei einem behinderten Menschen aus? Wenn ich nicht lache, bin ich dann behindertenfeindlich? Da müssen wir jetzt durch.“ Und genau das zieht Fromme auch durch, bricht Tabus, indem er darüber lacht und lachen lässt. „Oft werden wir gefragt: Habt ihr überhaupt Lebensfreude?“, sagt Fromme. „Darauf antworte ich gerne: Nee, wenn ich könnte würde ich mir die Pulsadern aufschlitzen.“ Dann blickt er auf seinen verkürzten Arm und zuckt mit den Schultern: „Aber das geht ja nicht.“

Darüber, wie das Leben im Alltag als Mensch mit Behinderung ist, hatte Fromme zahlreiche Anekdoten bereit. „Ich habe beim Arzt noch nie den Satz gehört: Was fehlt Ihnen denn?“, sagt er. Auch als er seine heutige Ehefrau heiraten wollte, habe er bei ihrem Vater nicht um ihre Hand gebeten. „Wenn, dann bitte den ganzen Unterarm.“ Besonders zum Lachen brachte er das Publikum mit Videos, die mit versteckter Kamera gefilmt wurden. So serviert er beispielsweise in einem Biergarten mit seinem eingeschränkten Arm Getränke und sorgt für irritierte Blicke bei den Gästen. Oder er fragt einen Passanten vor einem Secondhand-Shop für Kinder, ob es den nicht auch für Erwachsene gäbe – denn schließlich wäre eine „Second Hand“, eine zweite Hand, recht praktisch für ihn.

Neben dem vielen Lachen spricht er aber auch ernstere Themen an. Stören würde ihn oft die Bevormundung durch andere Menschen. „Eben, als ich hier eine Straße überqueren wollte, hat sich eine ältere Dame bei mir untergehakt und wollte mich über die Straße ziehen.“ Um dieser Bevormundung entgegenzuwirken, dreht Fromme in seinen Videos auch mal den Spieß um. So lässt er Menschen ohne Einschränkung beispielsweise auf Behindertenparkplätzen parken, was natürlich nicht erlaubt ist – und gewinnt durch die Reaktionen das Lachen wieder zurück. (Leyla Rommel) +++

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