Skurrile Wirtshaus-Odyssee

Bitterböse Schnitzeljagd in der Provinz: Im Schloss Eichhof wird "gehadert"

Bösel (Mathias Znidarec) und Fellner (Robert Joseph Bartl) hassen sich auf den ersten Biss.
Fotos: Stefanie Harth

20.04.2018 / BAD HERSFELD - Rabenschwarzer, derber Humor. Blitzschnelle, bitterböse Dialoge. Der ewige Mief der Provinz. Zwei Kerle, die sich (anfangs) spinnefeind sind. Und dennoch eine Geschichte über Männerfreundschaft. Auf der kleinen Freilichtbühne im Schloss Eichhof wird in der kommenden Festspielsaison fleißig „gehadert“. Das vom österreichischen Multitalent Josef Hader und dessen „Spezi“ Alfred Dorfer verfasste Kabarett-Stück „Indien“ passt laut Festspielintendant und Regisseur Joern Hinkel „wie ein Bier zum Schweinsbraten“ in die malerische Spielstätte.



Die Proben für die die skurrile Wirtshaus-Odyssee, die Hinkel inszeniert und die am Samstagabend, 28. Juli, um 20.30 Uhr Premiere feiert, laufen seit zwei Wochen. Irgendwo in der bayerischen Pampa: Der niederösterreichische Hygienebeauftragte Bösel (Mathias Znidarec) und der bayerische Gastronomietester Fellner (Robert Joseph Bartl) prüfen gemeinsam Landgasthöfe auf Herz und Nieren.

Die „Kollegen“ hassen sich auf den ersten Biss. Erbarmungslos drückt Fellner dem angeschlagenen Bösel, der sich den Magen mit Orangenlimo verdorben hat, eine Kassette ins Ohr. „Herr Fellner, könnten Sie jetzt Ihre Pappen halten“, knurrt Bösel, der versucht, seine Magenverstimmung mit Schnaps auszumerzen, den hoffnungslosen Spießer an. Die beiden lassen keine Gelegenheit aus, einander auf die Nerven zu gehen, bis Fellner aus heiterem Himmel von seiner Freundin verlassen wird. Bösel zeigt zum ersten Mal seit Jahren menschliche Regungen...

„Das Stück ist brachial komisch und tieftraurig, derb und zärtlich“, sagt Joern Hinkel. „Das Indien, von dem die Protagonisten träumen, steht für einen fernen Ort, wo alles besser und schöner ist.“ Zugespitzt hat der Regisseur die Tragikomödie, indem er in Süddeutschland einen Bayern auf einen Österreicher treffen lässt. „Das ist eine regelrechte Hassliebe“, meint er augenzwinkernd.

Nicht zu kurz kommt in „Indien“ die Musik. Wie der Festspielintendant verrät, wird auf Live-Musik gebaut, die sowohl bayerische als auch indische Töne anschlägt. „Leo Gmelch wird nicht nur Tuba und Posaune, sondern auch einen Wirt, einen Arzt und einen Priester spielen. Tische, Stühle und Gläser werden als Instrumente umfunktioniert.“ Ein Besuch des Eichhofstückes ist Kult und zählt zum Pflichtprogramm der Bad Hersfelder Festspiele. Mehr Infos: http://www.bad-hersfelder-festspiele.de/. (Stefanie Harth) +++

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