Schlechtschreibung

Hautstrafende Körperlotion und Verkehrsfürungen: Ist fehlerfreies Schreiben wichtig?


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10.01.2018 / REGION - „Komm, wir essen Opa!“ Man liest etwas – einmal, zweimal – man sieht die aneinander gereihten Worte, die scheinbar keinen Sinn ergeben. Oder eben eine Aussage beinhalten, die (wahrscheinlich) nicht vom Verfasser beabsichtigt war. Bestes Beispiel: Komm, wir essen Opa – Komm wir essen, Opa. Satzzeichen können Leben retten. Den meisten dürfte das bekannt sein.



Generell scheint sie immer mehr Menschen, besonders einigen, die in den sozialen Medien aktiv sind, eine offenbar überflüssige, weil zeitraubende Äußerlichkeit zu sein: korrekte deutsche Rechtschreibung.

Vor vielen Jahren war fast jede Schulform dazu in der Lage, dem überwiegenden Teil der Lernwilligen korrektes Schreiben beizubringen. Das erklären auch gerne die älteren Generationen. Immer wieder mussten die Schüler bei Diktaten schwitzen und übernahmen im Anschluss daran Weisheiten wie „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich“ sowie eine grundlegende Einstellung: Fehler in der Rechtschreibung sind peinlich.

Seitdem hat sich einiges geändert: Rechtschreibfehler sind zwar noch immer peinlich, aber eher nur noch denen, die sie erkennen - und sich dafür gegebenenfalls fremdschämen. Diejenigen, die darüber schreiben, `das der Hund vieleicht beim Tierartzt Wiederstand leistet`, reagieren auf Korrekturvorschläge oft eher gereizt als einsichtig.

Es ist kein neues Phänomen. Menschen, die mit der richtigen Schreibweise Probleme haben, hat es schon immer gegeben. Früher fielen sie nur nicht so auf, weil ihnen die Technik fehlte, ihre Probleme regelmäßig zu verbreiten. Heute ist das anders. Durch Internet und Co. kann das jeder – und die meisten wollen auch.

Verkehrsfürungen, das Gümnasium als weiterbildende Schule, hautstrafende Körperlotionen oder Ausländer, die Harz vier beziehen – es gibt kein Thema, über welches nicht in den sozialen Medien diskutiert wird. Oft kann man als Leser ahnen, was der Verfasser eigentlich gemeint hat. Manchmal sind die Wortkreationen jedoch dermaßen ausgefallen, dass nur noch das Raten bleibt. Rechtschreibregeln scheinen für viele lediglich maximal Empfehlungscharakter zu haben.

Für die Bedeutung mag es unwichtig sein, ob man Kaiser nun mit „ei“ oder mit „ai“ schreibt. Das oft ausgesprochene „aber du weißt doch, was damit gemeint ist“, funktioniert vielleicht im Bekanntenkreis. Allerdings sehen das nicht alle so liberal. Ein Arbeitgeber zum Beispiel wird ein mit Fehlern gespicktes Bewerbungsschreiben ganz sicher nicht ernst nehmen. Auch bei der Liebe kann schwache Orthografie zur Hürde werden. Umfragen haben ergeben, dass die meisten Menschen, die Online-Dating betreiben, sich sofort zurückziehen, wenn sie eine Mail bekommen, in der es von Fehlern nur so wimmelt.

Korrekte Rechtschreibung wird leicht unterschätzt, weil das Leben auch ohne sie zu funktionieren scheint. Ein fehlerfreies Schreiben, egal ob Email, Facebook-Kommentar oder Lebenslauf ist wie gute Kleidung bei einem ersten Treffen. Fakt ist: Wer sich nicht daran hält, wird nicht ernst genommen. Der Unwille, notfalls ein Korrekturprogramm zu verwenden, kann denselben negativen Effekt haben, wie zum Date im verschwitzten Jogginganzug aufzukreuzen.

Ganz klar: Es geht nicht darum, gar keine Fehler mehr machen zu dürfen. Aufmerksame OSTHESSEN|NEWS Leser wissen, dass sich auch bei uns im Bemühen um größtmögliche Aktualität, das in einer Online-Redaktion durchaus gegeben ist, der ein oder andere Rechtschreibfehler einschleicht. Fehler sind menschlich – sollten jedoch auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Denn Interpunktion, visuelles Strukturieren des Inhalts sowie fehlerfreies Schreiben suggerieren dem Gegenüber Mühe und Wertschätzung. (mr) +++

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