Keine augenärztliche Notfallversorgung

Fremdkörper im Auge und ein Facharzt erst in Kassel oder Würzburg


Foto: Pixabay/Symbolbild

13.01.2018 / FULDA - Was tun, wenn man nachts oder am Wochenende einen Fremdkörper ins Auge bekommen und starke Schmerzen hat? Einen augenärztlichen Notdienst gibt es weder in Fulda, noch in der Umgebung. Im schlimmsten Fall muss man entweder nach Kassel, Marburg oder Würzburg in die dortige Augenklinik gebracht werden, was nicht wirklich zeitnah möglich ist. Eine unserer Leserinnen hat einen solchen Notfall erlebt und schildert die ungute Situation wie folgt:

"Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,
ich möchte Ihnen von einer Begebenheit berichten, die meinem Sohn heute wiederfahren ist. Mein Sohn erkrankte heute Nacht an einer akuten sehr schmerzhaften Bindehautentzündung am Auge. Im Laufe des Tages nahmen die Beschwerden zu und er rief seinen Augenarzt an. Der Anrufbeantworter teilte ihm aber mit, dass die Praxis sich im Urlaub befindet und verwies ihn auf seine Vertretung. Auch dieser Anruf verlief ins Leere, da auch diese Praxis heute nicht besetzt ist. Man verwies ihn auf den ärztlichen Notdienst, der dann meinem Sohn die Kliniken in Kassel, Marburg oder Würzburg zur Konsultation vorschlug. Ansonsten stehe nur noch der ärztliche Notdienst in Fulda zur Verfügung, der aber nicht mit einem augenärztlichen Facharzt besetzt sei. Meine Frage ist: Kann es sein, dass an einem normalen Freitag kein Augenarzt für Notfälle zur Verfügung steht? Kann es außerdem sein, dass Fulda samt seinen etwa 65.000 Einwohnern keine augenärztliche Notfallversorgung anbieten kann? Meine Bitte an Sie ist, eine Antwort auf meine Fragen zu finden."

Dazu haben wir zunächst die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) um Rat gefragt. Dort hieß es: "Aufgrund des Ausscheidens einiger Kollegen aus Altersgründen kann der bisher auf freiwilliger Basis angebotene augenärztliche Notdienst nicht mehr aufrecht erhalten werden. In Notfällen kann der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 erreicht werden. Weiter stehen die Ambulanzen der umliegenden Augenkliniken zur Verfügung." Tatsächlich würden ja auch keine anderen Fachärzte Notfallversorgung anbieten.

Die Pressesprecherin des Klinikums Fulda, Barbara Froese, antwortet auf unsere Frage: "In den meisten Fällen ist eine ambulante Versorgung solcher Fälle ausreichend. Die ambulante Versorgung von augenärztlichen Notfällen liegt in der Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH)." Die KVH habe viele Jahre einen eigenen augenärztlichen Bereitschaftsdienst unterhalten, der allerdings eingestellt worden sei. Seither würden augenärztliche Notfälle vom allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) versorgt. Falls die Möglichkeiten des ÄBD nicht ausreichten und eine Behandlung dringend erforderlich sei, erfolge eine Überweisung nach Bad Hersfeld, Kassel oder Würzburg. In nicht-dringlichen Fällen werde auf die niedergelassenen Augenärzte verwiesen, die zu den üblichen Praxiszeiten selbstverständlich auch Notfälle behandeln.

"Eine stationäre Versorgung am Klinikum erfolgte in der Vergangenheit durch Belegärzte, d.h. niedergelassene Ärzte, die im Klinikum elektive (geplante) Operationen durchgeführt haben und die darüber hinaus auch die stationäre Notfallversorgung durchgeführt haben. Patienten mit akuten Augenerkrankungen bzw. -verletzungen, die das Klinikum aufsuchen, werden nach ärztlicher Ersteinschätzung in der zentralen Notaufnahme im Bedarfsfall an die Universitätsklinik Würzburg oder das Klinikum Bad Hersfeld überwiesen. Die Rettungsdienste bringen entsprechende Patienten auch direkt nach Bad Hersfeld. Diejenigen Patienten mit schweren Verletzungen z.B. nach Verkehrsunfällen werden im Traumazentrum des Klinikums behandelt und in Kooperation mit dem Klinikum Bad Hersfeld augenärztlich versorgt." 

Für jemanden, der abends oder am Wochenende akut von einem schlimmen Augenproblem betroffen ist, keine wirklich befriedigende Situation. Aber ganz zum Schluss gibt es einen Hoffnungsschimmer für die geplagten Patienten: "Im Rahmen der Weiterentwicklung des Leistungsspektrums des Klinikums Fulda prüfen wir derzeit eine Reaktivierung der augenärztlichen Versorgung", schreibt die Klinikumssprecherin. Bedarf dafür ist in jedem Fall vorhanden. (Carla Ihle-Becker) +++