Buß- und Bettag 2017

"Gefährliche Worte": Schülergottesdienst in der vollbesetzten Christuskirche


Fotos: Erich Gutberlet

22.11.2017 / FULDA - „Was können Worte eigentlich ausrichten?“ Das fragte Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl am Mittwochmorgen zahlreiche Schülerinnen und Schüler in der vollbesetzten Christuskirche. Anlässlich des Buß- und Bettages nahmen gleich mehrere Schulen im Stadtgebiet das Angebot eines Schülergottesdienstes wahr.



„Um Himmels Willen! Fast jeder kennt von seinen Eltern diesen Ausspruch“, führte der Pfarrer aus. „Wenn ich früher mit einer 5 in Mathe nach Hause kam oder ein Loch in der Hose hatte, hat meine Mutter oft genau diese Worte gebraucht.“ Kohl führte weitere Beispiele an, indem er den kompletten Text des Liedes „Junge“ von den Ärzten vorlas. „Junge, warum hast du nichts gelernt? Guck dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto … und wie du wieder aussiehst - Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm …“

Worte, so Kohl weiter, könnten gut oder böse sein, heilsam oder zerstörend. „Was kann es Schlimmeres geben, als wenn jemand sagt: Du bist für mich gestorben, oder: Ich kann dein blödes Gesicht nicht mehr ertragen.“ Gesagtes könne man nie wieder zurücknehmen, darum solle man sich seine Worte gut überlegen. Aus „Unaufhaltsam" von Hilde Domin entnommen, erklärte der Pfarrer: „Besser ein Messer als ein Wort, denn dieses könnte stumpf sein. Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei, nicht aber das Wort.“ Selbst Fakenews, die einmal in Umlauf gebracht worden sind, bekäme man nicht mehr weg. „Mit dem Versuch löst ihr eher einen Shitstorm aus. Ihr kennt das ja.“

Entsetzt sei der Pfarrer darüber, wie im Brustton der Überzeugung Lügen verbreitet würden. „Von der Wirtschaft, der Politik oder von Schauspielern. Leute wie Donald Trump werden dabei noch nicht einmal mehr rot.“ "Der Mensch", so sagte Kohl, „will aber sowieso nur hören und glauben, was er will.“

Die Wahrheit, so Kohl weiter, würde manchmal niemanden interessieren. „Die Lüge wird gar fein geschmückt, man hilft ihr oft mit Schwören; dadurch wird Gottes Wort veracht', die Wahrheit höhnisch auch verlacht, die Lüge tut man ehren“, zitierte er aus dem Lied „Wach auf, wach auf, du deutsches Land von Johann Walter. „Jesus sagt: An deinen Worten wirst du gemessen, nach ihnen wirst du gerichtet werden.“ Welche Worte, fragte Kohl, würde man also gerne zurücknehmen? Der Buß- und Bettag sei eine gute Gelegenheit, um sich Gott zuzuwenden. „Er kennt jeden Menschen, niemand muss ihm eine Erklärung abgeben. Dann wird uns Gott aufrichten und uns vergeben.“ (mr) +++

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