Mit 14 Jahren bereits deutscher Meister

Kommt der nächste Schumi aus Stöckels? Kartmeister Tom Remmert im Porträt

Tom Remmert auf dem Verkehrsübungsplatz Dietershausen
Fotos: Marius Auth

30.11.2017 / MOTORSPORT - Profi-Rennfahrer wie Schumacher, Vettel und Heidfeld haben schon als kleine Knirpse Kart gefahren, um später mit geschärften Reflexen und Instinkten auf den großen Strecken zu dominieren. Tom Remmert aus Petersberg-Stöckels ist erst 14 Jahre alt, aber bereits Deutscher Kartmeister. An Glück glaubt der Höchstleistungssportler nicht - denn um jeden Sekundenbruchteil muss im Training hart gekämpft werden.


Über dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Dietershausen haben sich die Wolken zusammengezogen, Nieselregen lässt den Asphalt glänzen. Für das kleine Kart, das beinahe wie ein Spielzeug auf der Strecke steht, bedeutet das Anpassungsbedarf: Slicks müssen gegen Regenreifen getauscht werden, die Spurbreite muss verändert werden, um den maximalen Grip zu gewährleisten. Vater Holger Remmert schraubt noch am Chassis, Tom läuft im Ganzkörper-Overall die Strecke ab, um Hindernisse wie kleine Steine oder Laub aufzuspüren.

Durch das geringe Gewicht können die Karts spielend leicht hohe Geschwindigkeiten erreichen - das perfekte Training für Rennfahrer-Instinkte: "Um Profi zu werden, führt schon seit vielen Jahren kein Weg mehr am Kartsport vorbei. Die meisten fangen mit sechs Jahren an. Wenn Talent und Freude am Fahren vorhanden sind, sollte man mit dem professionellen Training beginnen - denn die Zeit tickt, in jeder Hinsicht", erklärt Holger Remmert.

Nach den ersten Testrunden erfolgt die Manöverkritik: Die Hausstrecke in Dietershausen ist bekannt, aber selbst hier kann Tom noch Sekundenbruchteile durch besseres Schneiden der Kurven herausholen. Sind erst die Gegner mit auf der Strecke, kommen taktische Erwägungen hinzu: Lohnt sich das Ausbremsen des Konkurrenten oder hat die eigene Zeit gerade Priorität? Bevor ein Wettkampf auf einer unbekannten Strecke ansteht, statten die Remmerts der neuen Kartbahn einen Besuch ab, Testfahrten und Videoanalyse inklusive.

In ganz Osthessen gibt es rund 30 Hobbyfahrer, nur sechs davon nehmen regelmäßig an organisierten Rennen teil. Zeit und Geld sind, ähnlich wie im Motorradsport, die begrenzenden Faktoren: "Ein Einsteiger-Kart kostet 3.500 Euro, ein Profi-Kart dagegen schnell 10.000 Euro. Um Sponsoren auf sich aufmerksam zu machen, die das Equipment stellen, muss man mit herausragenden Leistungen glänzen - das dauert, und im Profibereich wird die Luft schnell dünn", erklärt Remmert.

Remmert, der seit 2013 im Kartsport aktiv ist, konnte in den Jahren 2015 und 2016 die Hessenmeisterschaft im Kartslalom und Kartturnier erringen, in diesem Jahr gewann er den bundesweiten Kartcup und den Bundesendlauf, damit ist er deutscher Meister. Das eigene Profikart zieren Aufkleber regionaler Handwerksfirmen. "Leben vom Fahren kann man nur in der Formel 1 oder DTM. Das ist nach dem Westdeutschen ADAC Kart-Cup und den Kart Masters auch mein langfristige Ziel, aber zuerst müssen alle Grundfertigkeiten am kleinen Gerät trainiert werden", sagt Remmert.

Denn das hat große Vorteile: "Bei einem riesigen Formel-1-Boliden ist alles voller Hightech, hier dagegen weiß ich sofort, was ich falsch gemacht habe", erklärt Tom Remmert, der im Fuldaer Automobilclub trainiert. An der Kartstrecke des Vereins in Dietershausen erinnert ein Gedenkstein an einen berühmten Verwandten von Tom Remmert: Karl Remmert, der in Silges geboren wurde, wurde zusammen mit Willi Faust aus Oberbimbach im Jahr 1955 Seitenwagenweltmeister. (Marius Auth) +++

X