KOMMENTAR
Zum Trainerwechsel bei Borussia Fulda: Lesser spät als nie
Archivfoto: Hendrik Urbin
25.10.2017 / FUSSBALL -
Hessenligist Borussia Fulda hat die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt gezogen und sich von Trainer Thomas Brendel getrennt. Ein Nachfolger steht auch schon fest: Henry Lesser (54) übernimmt den SCB, den er schon einmal trainiert hatte. Eine gute Entscheidung, findet unser Sportredakteur Tobias Herrling.
„Selbstverständlich ist und bleibt Thomas Brendel unser Trainer“. Diese Aussage tätigte Borussias Präsident Peter Enders im Nachklang des 1:1-Unentschieden gegen Vellmar gegenüber dem Fußball-Portal „torgranate“. Eine Woche später sind diese Worte Makulatur. Thomas Brendel wurde nach der erneut schwachen Vorstellung in Watzenborn (1:3) von seinen Aufgaben entbunden.
Ein Vorgang wie in der Bundesliga: Stärken die Verantwortlichen dem Trainer den Rücken, weiß man, was kommt. Wenig später wird der Übungsleiter vor die Tür gesetzt. Das tat jetzt auch der Traditionsklub aus der Johannisau. 18 Punkte und Rang neun nach zwölf Spielen – das war schlicht zu wenig, um dem Trainer weiterhin das Vertrauen zu schenken. Schon seit Wochen war Brendel angezählt, hatte bei den Fans einen schweren Stand. Lange hielten die Borussen an ihm fest, nun zogen sie die Reißleine. Und die Entscheidung ist richtig. Vielleicht hätte sie schon früher getroffen werden sollen.
Jetzt blieb die mit hochkarätigen Neuzugängen verstärkte Mannschaft weit unter den Ansprüchen und Erwartungen. Im Kader tummeln sich zwar zahlreiche Spieler mit höherklassiger Erfahrung und enormer individueller Qualität, eine Mannschaft aber war auf dem Feld nicht wirklich zu erkennen. Das wird auch die Hauptaufgabe von Brendels Nachfolger Henry Lesser sein.
Er ist zweifelsfrei einer der besten Trainer in der Region und hatte überall, wo er tätig war, Erfolg. Er steht zwar nicht gerade für schönen, offensiven Fußball, aber Lesser liefert positive Ergebnisse. Im Fußball immer noch das wichtigste Kriterium.
Und: Henry Lesser kennt den Verein, das Umfeld und weiß, wie es ist, bei einem Traditionsverein wie Borussia Fulda zu arbeiten. Zeit, sich einzugewöhnen braucht er nicht. Lesser kann direkt durchstarten. Dennoch: Er muss mit einem Kader arbeiten, den er nicht zu verantworten hat und dessen Zusammenstellung – diesen Vorwurf müssen sich die Verantwortlichen gefallen lassen – nicht gerade homogen erscheint. Dass Henry Lesser damit fertig wird, ist dem Erfolgstrainer aber zuzutrauen. (Tobias Herrling) +++
Foto: Hendrik Urbin