Fulda-Maberzell und Bad Königshofen

Domstädter treffen auf Aufsteiger: Zwei Vereine, eine ähnliche Geschichte

Der Macher in Bad Königshofen: Manager Andreas Albert
Fotos: Marc Gaucy

12.10.2017 / TISCHTENNIS - Zwischen Fulda und Bad Königshofen liegen rund 80 Kilometer und keine anderthalb Autostunden. Sportlich aber lagen zwischen den beiden Tischtennis-Bundesligisten vor wenigen Jahren noch Welten. Seit diesem Jahr aber spielen sie in einer Liga. Am Sonntag (15 Uhr) empfängt der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell den Aufsteiger aus dem Rhön-Grabfeld.

Als Fulda-Maberzell 2005 wieder in die höchste Liga des Landes aufstieg, war der TSV aus dem 5.000-Einwohner-Städtchen noch in der Bezirksliga unterwegs. Während sich die Domstädter in den letzten zehn Jahren zu einer nationalen Spitzenmannschaft entwickelten, pflügte Bad Königshofen durch die unteren Ligen. 2013 war der Klub schließlich in der 2. Bundesliga angekommen.

„Es gibt schon Parallelen zwischen uns und Fulda“, sagt Andreas Albert. Albert ist Manager der Tischtennis-Abteilung des TSV und gemeinsam mit Josef Ort für das viel zitierte „Märchen vom Grabfeld“ verantwortlich. Die eine Parallele zwischen beiden Klubs wäre der Durchmarsch aus unteren Ligen in höhere Gefilde. Die andere: beiden Vereinen gelang dies – Maberzell zumindest bis zur 2. Bundesliga – auch mit einheimischen Spielern.

Der Unterschied: Beim TSV steht mit dem 21-jährigen Kilian Ort immer noch ein waschechter Bad Königshofener im Kader, um den der Aufsteiger seine blutjunge Truppe um Mizuku Pikawa, Filip Zeljko und Darko Jorgic aufgebaut hat. „2008, mit zwölf Jahren, hat Kilian sein erstes Spiel in der Landesliga gewonnen. Gegen Saarbrücken vor drei Wochen nun sein erstes in der Bundesliga“, erzählt Albert, der mit den Grabfeldern im Sommer den Sprung in die Bundesliga wagte.

Denn bereits zweimal wurden Bad Königshofen in den letzten Jahren Meister in der 2. Bundesliga. Zweimal aber verzichtete der TSV auf den Aufstieg. Nun, nach der erneuten Meisterschaft, ließ man sich auf das Abenteuer ein. „Man macht sich ja sonst unglaubwürdig“, sagt Albert, der seit 1989 zusammen mit Josef Ort die Abteilung führt. Diesmal verzichtete die Mannschaft um Trainer Koji Itagaki nicht auf den Aufstieg.

Dass es in diesem Jahr keinen Absteiger geben wird, lässt Bad Königshofens Premieren-Saison zu einer relativ sorglosen werden. „Das nimmt den Druck von der Mannschaft und wir können uns in dem Lehrjahr entwickeln“, meint Albert und ergänzt: „Wir hoffen, dass wir dann im nächsten Jahr soweit sind, uns zu etablieren.“ Albert, der sich bei Heimspielen auf bis zu 50 ehrenamtliche Helfer verlassen kann, hat aber immer das große Ganze im Blick.

„Wir machen keine verrückten Sachen. Es darf nicht passieren, dass im Falle eines Abstieges alles den Bach runtergeht“, betont Albert. Die Voraussetzungen dafür seien geschaffen, der Nachwuchs gut bestückt, um nachhaltig und langfristig zu arbeiten. Weil Trainer und Kapazitäten fehlten, müsse der Verein derzeit gar interessierte Kinder ablehnen. Tischtennis im Grabfeld boomt.

Das hat man auch im nahen Fulda erkannt. „Wir schauen mit einer großen Sympathie nach Bad Königshofen“, sagt Vizepräsident Claus-Dieter Schad, „weil die Geschichten ja doch ähnlich sind.“ Auch wenn auf Wang Xi & Co. noch unbekannte Gegner warten, peilt der TTC nach der Niederlage gegen Düsseldorf wieder einen Sieg an. „Wir sind Favorit und freuen uns auf einen tollen Sonntag“, sagt Schad.

Die Gäste aus dem Grabfeld haben sich mit einer großen Schar an Schlachtenbummlern angekündigt. Schließlich ist es die kürzeste Anreise zu einem Auswärtsspiel in der Tischtennis-Bundesliga. Und das erste Aufeinandertreffen der beiden Vereine, deren Geschichte einige Gemeinsamkeiten aufweisen. (Tobias Herrling) +++