BUND schlägt Alarm

"Raus aus der Massentierhaltung" - Unterstützung auf Kreisebene

Reinhold und Ulrike Schott, Thomas Weißmüller und Ann-Kathrin Bäcker (von rechts) engagieren sich im BUND-Kreisverband Hersfeld-Rotenburg
Fotos: Gudrun Schmidl

12.10.2017 / BAD HERSFELD - Eine zukunftsfähige Landwirtschaft achtet das Wohl der Tiere, schützt Umwelt und Klima und liefert uns gute, gesunde Nahrung. Doch die Realität in Deutschland sieht anders aus: riesige Megaställe mit hundertausenden Tieren und Hauptsache billig. Das ist hierzulande leider Standard geworden. Die immer größeren Tierfabriken scheffeln ein Vermögen in die Taschen der Agrar-Industrie. 100.000 Hühner oder 10.000 Schweine im Stall – das ist effektiv und hält die Kosten gering, klagt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland an und führt weiter aus: Die industrielle Massentierhaltung verdrängt die bäuerliche Landwirtschaft. Die Forderung: Jetzt nach der Bundestagswahl muss die neu gebildete Regierung dringend was ändern.

Auch der BUND - Kreisverband Hersfeld-Rotenburg e.V. - unterstützt die Forderungen des Bundesverbandes. Am eigens aufgebauten Stand in der Bad Hersfelder Fußgängerzone informierten Ulrike und Reinhold Schott, Thomas Weißmüller und Kreisgeschäftsführerin Ann-Kathrin Bäcker über die negativen Auswirkungen für die Tiere und die Umwelt durch die Massentierhaltung. Um zu verhindern, dass sich die zusammengepferchten Masttiere gegenseitig verletzen, werden sie verstümmelt: Schweinen schneidet man die Ringelschwänze ab, Hennen, Enten und Puten die Schnäbel. Weil sie möglichst schnell die Schlachtreife erreichen sollen, wächst das Gewicht der Tiere oft schneller, als ihre Knochen es tragen können.

Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“, steht unter § 1 des Tierschutzgesetzes. Darin steht allerdings nicht, was ein vernünftiger Grund ist, es dennoch zu tun. Die in Bad Hersfeld befragten Bürgerinnen und Bürger wissen sehr gut, dass das Tierschutzgesetz auch für Nutztiere wie Mastschweine, Hähnchen oder Milchkühe gilt. Eine Anpassung der Tiere an die Haltungsbedingungen (Verstümmelung der Tiere) lehnen sie kategorisch ab, denn Tiere dürfen nicht den Ställen angepasst werden.

Einhellig mit Ja befürworten die Befragten, dass eine staatliche Kennzeichnungspflicht hinsichtlich der Haltungsbedingungen eingeführt und überwacht werden sollte. Das ist auch die persönlich dringlichste Forderung von Ulrike und Reinhold Schott, die beide dem erweiterten Vorstand des BUND-Kreisverbandes angehören. „Zur Zeit wird über eine freiwillige Verbesserung diskutiert“, empört sich die engagierte Hersfelderin, die bereit ist, für bessere Haltungsbedingungen an der Ladentheke mehr zu bezahlen, dabei aber nicht getäuscht werden möchte. Ulrike Schott selbst hat ihren Fleischkonsum auf ein Minimum beschränkt. Für ein gutes Stück Fleisch nehmen sie und ihr Mann auch weite Wege auf sich, denn beide legen Wert auf artgerechte Haltung aus ökologischer Erzeugung. Reinhold Schott betont: „Gutes Fleisch hat seinen Preis“. Ulrike Schott will Fleischessern ihr Schnitzel oder Steak nicht madig machen, aber sie möchte die Menschen anregen, über ihre Ess-Gewohnheiten nachzudenken, auch im eigenen Interesse. In der Veterinärmedizin werden etwa doppelt so viele Antibiotika eingesetzt wie in der Humanmedizin. Die Folge: Multiresistente Keime gefährden die Gesundheit der Menschen. Gegen sie sind oftmals sogar Reserveantibiotika machtlos.

„Es reicht, wenn wir Fleisch, Milchprodukte und Eier weniger und dafür bewusster genießen“, rät Ulrike Schott. Deshalb hat sie, gemeinsam mit ihrem Mann Reinhold und einigen anderen Mitstreitern die Aktion „Donnerstag isst Veggie-Tag“ in der Region Bad Hersfeld ins Leben gerufen, eine Aktion, die bereits in anderen Städten in Deutschland und international erfolgreich läuft. Sie verweist auf den Vegetarisch/veganer Stammtisch Bad Hersfeld, der immer am 1. Donnerstag im Monat ab 19.00 Uhr im Ristorante La Favola, Hanfsack 7, einen gemütlichen, genussreichen Abend mit guten Gesprächen verspricht.

Ann-Kathrin Bäcker ist seit dem 1. August 2017 im Rahmen des BUND-Projektes „Präsenz in der Fläche“ beim Kreisverband Hersfeld-Rotenburg angestellt. Sie hat sich bereits während ihres tiermedizinischen Studiums mit tierschutzrelevanten Themen befasst, in Ställen, Schlachthöfen, Tierkliniken und Mastbetrieben hospitiert. Die Tierärztin, die zunächst in einer Tierarztpraxis gearbeitet hat, kann sich im Rahmen ihrer neuen Aufgabe auch tierschutzrelevanten Themen widmen, was für sie ein Herzensanliegen ist.

In naher Zukunft will sie interessierten Bürgerinnen und Bürgern in regelmäßigen Sprechstunden das Engagement vom BUND vorstellen, der sich nicht nur für eine ökologische Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel, sondern auch für den Klimaschutz und den Ausbau regenerativer Energien, für den Schutz bedrohter Arten und den Schutz des Waldes und des Wassers einsetzt. Gern gesehen sind auch aktive Mitstreiter im Kreisverband Hersfeld-Rotenburg, der aktuell von über 180 passiven Mitgliedern finanziell unterstützt wird. Ann-Kathrin Bäcker ist über ihre dienstliche Handy-Nummer: 015901319424 erreichbar.

Die Forderungen vom BUND an die neue Bundesregierung, die Nutztierhaltung grundlegend umzubauen, kann schon jetzt der Verbraucher durch sein Kaufverhalten beeinflussen, wenn er sich bewusst macht: Grundsätzlich missbilligen alle die Zustände der Massentierhaltung, doch jeder denkt, es sei alles in Ordnung, da keiner etwas unternimmt. (BUND/gs)