Eröffnungstour hatte es in sich

2. Rhöner Hike-Challenge: Nichts für Couchpotatoes und Gelegenheitswanderer


Fotos: Privat

27.09.2017 / REGION - Die Rhön ist ein Mittelgebirge, hat ein jeder einmal in der Schule gelernt, und dass ein Gebirge mächtig steil sein kann, wurde den Wanderern nach dem Passieren des Weilers Huflar auf den Spuren der „Museumstour“ bewusst. Die Museumstour, eine Extratour des Hochrhöners, bildete den Auftakt der diesjährigen Hike-Challenge, der zweiten Auflage der Mehrtageswanderung, verteilt auf die drei Bundesländer Hessen, Bayern und Thüringen. Hierbei können dieses Jahr insgesamt 100 Kilometer mit 2.719 Höhenmetern erwandert werden, allesamt auf den Extratouren des Hochrhöners. Im Rahmen der Hausener RGC-Veranstaltung starteten insgesamt zehn Teilnehmer zur ersten Tour.

Zunächst führte der Weg von Hausen durch sanfte Wiesen- und Ackerlandschaft, vorbei an der Gangolfskapelle oberhalb Fladungens, immer wieder herrliche Ausblicke gewährend. In Fladungen dirigierte Organisator und Wanderführer Eberhard Helm die Wanderer durch die schmalen romantischen Gässchen der Altstadt, durch eine Pforte der fast komplett erhaltenen Stadtmauer hindurch und oberhalb des Freilandmuseums am Wurmberg vorbei Richtung Oberfladungen und Melpers. Dort teilte Helm die Gruppe auf, um den unterschiedlichen Leistungsgruppen gerecht zu werden, denn das ist ihm sehr wichtig. Alle Teilnehmer sollen sportlich auf ihre Kosten kommen und zwei Teilnehmer hatten die Gruppe bereits vor Fladungen verlassen, um die Tour im Lauftempo zu erobern.

Ob sie allerdings die gleichen Eindrücke mit nach Hause brachten, wie die Wanderer, ist eine andere Frage, denn auf der Museumstour gibt es vieles zu entdecken. Hinweise auf museale Sehenswürdigkeiten sind zwar nicht offensichtlich vorhanden, aber die Route führt sehr lange über die Strecke des Friedensweges, der von der ehemaligen Grenzstelle bei Henneberg an der Goldenen Brücke bis nach Birx führt und an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze erinnert. Gedenktafeln am Wegesrand weisen auf besondere Ereignisse und Orte entlang der damaligen DDR-Grenze hin. Als die Wanderer nach dem schmalen Bergauftrail durch den Wald den sogenannten Aussichtspunkt Heimatblick erreicht hatten, war jedenfalls der steilste – scheinbar nicht enden wollende - Anstieg bezwungen und die kurze Verschnaufpause mehr als verdient.



Für Carmen Orf aus Hausen sind die Strecken der Museumstour nichts neues, „jedoch ist es doch am schönsten, gemeinsam mit einer Gruppe zu wandern“, meinte sie und hat vor, bei möglichst vielen Schnellwanderungen der 2. Rhöner Hike Challenge dabei zu sein. Im letzten Jahr hatte sie bereits teilgenommen und sechs von acht Touren absolviert. Martina Heuring aus Hausen freute sich ebenfalls, die schöne Landschaft ihrer Heimat in der Gemeinschaft zu erwandern. Auch sie wird versuchen, noch öfters daran teilzunehmen, weist doch Eberhard Helm immer wieder auf Besonderheiten hin wie den mittelalterlichen Grenzwall nahe der Sennhütte oder die seit 600 Jahren bestehende Stadtmauer Fladungens.

Zwischendurch passt Helm die Wanderer auch einmal aus einem Hochsitz heraus mit dem Fotoapparat ab, macht ein Bild aus besonderer Perspektive oder lockt die Kühe, an deren Weide der Wiesenweg entlang führt. Begeistert ist auch Carmen Orfs Freundin Barbara Ramann aus Fladungen, die erst während des Wanderns erfahren hatte, dass es sich um eine Schnellwanderung handelte. „Ich habe für heute eine längere Tour gesucht und da kam die Museumstour mit gut 20 Kilometern gerade recht“, erzählte sie und schloss sich gerne der Gruppe um Eberhard Helm an.

Der hatte vor einiger Zeit einen Artikel über diese Art des Wanderns in der Zeitschrift des Rhönklubs gelesen und mit der Rhöner Hike Challenge im letzten Jahr eine Wanderserie ins Leben gerufen, die sportliche Menschen anspricht, die mit einer Geschwindigkeit von 5,5 bis 6,5 km/h und schneller unterwegs sein möchten. Er denkt, dass auch Rhönklubwanderer zur Zielgruppe gehören und sich so ein Bogen von der Leichtathletik zum sportlichen Wandern schlagen lässt. Im letzten Jahr geleiteten unter anderen auch Wanderführer des Rhönklubs die Teilnehmer über die Extratouren.

„Challenge heißt Herausforderung“, stellt Helm fest, „und das Schnellwandern ist nichts für jedermann, man sollte gut vorbereitet sein, um der Herausforderung dieser Art des Wanderns gewachsen zu sein“. Natürlich steht an erster Stelle das gemeinsame Erleben der Natur mit Freunden, aber auch ein bisschen Bewegung darf nicht fehlen, so der Arzt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen zur Bewegung zu animieren.

Nach der Rast bei Frankenheim auf der Rhön führte die Route direkt auf den alten Wachturm an der ehemaligen Grenze zu, am Schwarzen Moor vorbei und langsam wieder ins Tal hinab. In der einschlägigen Wanderliteratur wird die Museumstour als „schwer“ mit einer Dauer von 6,5 Stunden beschrieben. Über die Geschwindigkeit und den Ablauf der Wanderung zeigte sich Eberhard Helm sehr zufrieden, auch die Leistung der Wanderer von 5,4 km/h war absolut in Ordnung, zumal ein Kinderwagen mit über die Strecke geschoben worden war. Helm und seine Wanderer kamen bereits nach 4,5 Stunden wieder am Ausgangsort in Hausen an und wurden von den Vereinsmitgliedern des TSV Hausen mit frischem Kaffee und Kuchen, belegten Brötchen und Getränken empfangen. Die Teilnehmer des RGC waren schon längst wieder nach Hause gefahren, aber der Saal des Sportheimes war angenehm beheizt und bot den rechten Rahmen für einen gemütlichen Ausklang eines sportlichen Nachmittages. +++







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