Reaktion auf Autokorso-Demo

"Über Löhne brauchen sich Kfz-Fachkräfte keine Sorgen machen"

Thorsten Krämer ist Oberinnungsmeister des Kfz-Handwerks in Fulda
Fotos: Julius Böhm

19.09.2017 / REGION - Hupend sind 75 Autos am gestrigen Montag durch Fulda gefahren, um ein Zeichen für Tarifverträge zu setzen. Einige Fuldaer Autohändler und auch Thorsten Krämer, selbst Inhaber des Autohauses Mazda-Krämer und zeitgleich Oberinnungsmeister der Fuldaer Kfz-Handwerksinnung, verstehen den IG Metall-Streik nicht. Krämer zu OSTHESSEN|NEWS: "Über Löhne brauchen sich die Fachkräfte im Kfz-Handwerk wirklich keine Sorgen machen."



Denn: Wie viele Branchen kämpft auch das Kfz-Handwerk mit dem Fachkräftemangel. Ausgebildete Mitarbeiter werden ebenso händeringend gesucht wie Nachwuchs. "Bei der Nachfrage nach Personal regelt der Markt von ganz alleine, dass man gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne bekommt", so Krämer, der nach eigener Aussage seit jeher nach Tarif bezahlt. "Wer gute Mitarbeiter haben will, muss gut entlohnen. Sonst suchen sich die Mitarbeiter ganz schnell einen anderen Betrieb."

Der Landesinnungsverband, der sich als oberstes hessisches Gremium für die Kündigung der Tarifverträge entschieden hat, ist in 22 regionale Innungen unterteilt. Neben den Tarifverhandlungen gehören auch Ausbildung, Nachwuchsförderung und Sicherheit zu den Aufgaben. "Derzeit ist jedes Innungsmitglied verpflichtet, nach Tarif zu zahlen. Wir wollen nur diesen Zwang lösen", erklärt Krämer. Denn auch die Innungsmitgliedschaft ist freiwillig: "Wer keine Lust auf Tarif hatte, konnte schon immer aus der Innung austreten."

Hessenweit sind mehr als 2.000 der rund 2.400 Betriebe in der Innung organisiert. In der Fuldaer Innung sind es 135 Betriebe. "Bleibt der Tarifzwang bestehen, mache ich mir Sorgen, dass wir bald nicht mehr so viele Betriebe vertreten können", befürchtet Krämer. 

Vor dem Autohaus Kunzmann begann am Montag die Demo. Centerleiter Lars Busse kann das nicht verstehen: "Wir zahlen nach Tarif und sogar übertarifliche Leistungen. Folglich sind wir der falsche Ansprechpartner. Wir sind sogar ganz klar für einen gemeinschaftlichen Tarifvertrag." Auch beim Autohaus Opel Fahr machte der Demo-Tross Halt. Geschäftsführer Jürgen Schneider sagte zu O|N: "Ich verstehe es nicht. Wir sind gar nicht Mitglieder in der Innung. Deshalb fühlen wir uns auch nicht betroffen." Weitere Autohändler, die wir angesprochen hatten, wollten sich nicht äußern.

Während der Landesinnungsverband die Tarifverträge gekündigt hat, hat sich eine Tarifgemeinschaft mit inzwischen rund 150 Mitgliedsbetrieben gegründet, die mit der IG Metall in Verhandlungen steht. Am kommenden Dienstag steht die nächste Verhandlungsrunde aus. (Julius Böhm) +++

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