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50 Jahre Verbraucherberatung Fulda: Von der Kaffeefahrt bis zum Klingelton-Abo

Seit 50 Jahren gibt es die Zweigstelle der Verbraucherzentrale des Landes Hessen in Fulda, die mit Beratungsdienstleistungen von der Produkt- bis zur Rechtsberatung behilflich ist.
Fotos: Marius Auth

19.06.2017 / FULDA - Mit dem Wirtschaftswunder zu Beginn der 1960er-Jahre kommt auch die große elektrische Aufrüstung im Haushalt: Waschmaschine, Staubsauger und Elektroherd entlasten Hausfrauen bei der Arbeit, die teuren Gerätschaften müssen allerdings sachgemäß bedient werden. Vor 50 Jahren gründet Cilli Schmitt deswegen die erste Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Fulda, um den mündigen Konsumenten im neuen Angebotsdschungel Orientierung zu verschaffen.

Als Vorsitzende des Zweigvereins Fulda im Katholischen Deutschen Frauenbund hatte sich Schmitt schon früh für die Belange der Frauen als Haushaltsführerinnen eingesetzt. Die Verbraucherzentrale Hessen war bereits 1959 vom Landfrauenverband Hessen-Nassau, dem Landfrauenverband Kurhessen und dem Hausfrauenverband Hessen in Frankfurt gegründet worden. Auf Schmitts Initiative kamen 1967 im Fuldaer Haus Oranien zur Gründungsversammlung Vertreter 14 regionaler Verbände zusammen, mit deren Hilfe die ersten Beratungsangebote auf die Beine gestellt wurden: Neben den katholischen deutschen Frauenbünden aus Fulda, Hünfeld und Schlüchtern gehörte auch der deutsche Gewerkschaftsbund und der deutsche Hausfrauenverband zu den Trägerverbänden. Mittel der Wahl zur Aufklärungsarbeit in der damaligen Zeit: die Ausstellung.

Monatlich fanden von nun an vor allem Haushaltsthemen in den Räumen der Verbraucherberatung in der Fuldaer Pfandhausstraße 17 interessierte Besucher. Manche der Ausstellungen waren ihrer Zeit voraus: "Ernährung war auch in den Sechzigerjahren ein großes Thema. Plakative Titel wie 'Bei Übergewicht lauert der Tod' oder 'Die Vorteile der Tiefkühlkost' sind ihrer Zeit geschuldet, zeigen aber, dass die Konsumenten schon damals ihre Lebensgestaltung in die eigenen Hände nehmen wollten - und mussten. Der Staat hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr von der Rolle des beschützenden Vormunds verabschiedet - heute ist der Bürger in der Pflicht, sich zu emanzipieren. Denn Stolperfallen lauern an vielen Stellen", erklärt Monika Bracht, die seit 1999 leitende Beraterin der Zweigstelle in der Karlstraße 2 ist. Nach einer Zwischenstation in der Brauhausstraße 1 von 1971 bis 1990 ist das Büro jetzt mitten in der Innenstadt zu finden. Ausstellungen gibt es immer noch, Titel wie 'Kostenfalle Handyvertrag' spiegeln die neuen Herausforderungen für den Verbraucher wider: "Früher hat man nach dem Preis geschaut - und nach guter Qualität, wenn man sich das leisten konnte. Heute dagegen steckt der Teufel im Detail: Manche Handyverträge sind so kompliziert, dass selbst Experten ins Staunen kommen. Vieles hat sich zudem ins Internet verlagert: Hinter manchem Klick lauert ein Vertrag, aus dem man kaum noch ohne rechtlichen Beistand rauskommt. Auch hier versucht die Verbraucherzentrale, an rechtlichen Rahmenbedingungen mitzuwirken", erklärt Bracht.

Neben der Beratungstätigkeit für die Verbraucher steht die Lobbyarbeit in der Bundeshauptstadt: Konnte man Mitte der 1980er-Jahre Erfolge wie ein Widerrufsrecht für Haustürverträge verbuchen, wurde von der Verbraucherzentrale 2012 ein Gesetz gegen Kostenfallen im Internet mit auf den Weg gebracht. Kostenpflichtige Bestellungen sind seidem nur zulässig, wenn der Button mit einer eindeutigen Kennzeichnung wie „zahlungspflichtig bestellen“ gekennzeichnet ist. Unternehmen müssen ihre Internetkunden zudem über den Gesamtpreis der Bestellung eindeutig informieren - vor dem Absenden der Bestellung, nicht erst danach. Andere