Keine Infos durch Polizei

SEK stürmt Wohnhaus - Terrorverdächtiger, Waffen und Sprengstoff gesucht

Die aufgebrochene Haustür des Wohnhauses im Fuldaer Stadtteil Galerie.
Fotos: Hendrik Urbin / privat

05.06.2017 / FULDA - Dieser Großeinsatz der Polizei verlief ohne großes Aufsehen. Spezialkräfte des SEK Kassel und Beamte der Kriminalpolizei Fulda haben in der Nacht von Freitag auf Samstag einen Terrorverdächtigen, Waffen und Sprengstoff im Fuldaer Stadtteil Galerie gesucht. Das haben OSTHESSEN|NEWS-Recherchen ergeben. Das Polizeipräsidium Osthessen wollte sich am Samstagabend auf Nachfrage dazu nicht äußern und verwies an das Landeskriminalamt nach Wiesbaden. Aber auch von dort gab es bisher keine Informationen. Ähnlich bei der Polizei-Einsatzleitung 'Rock am Ring'. Sie verwies an die zuständige Staatsanwaltschaft Koblenz, die über die Feiertage allerdings nicht erreichbar ist.



Was war passiert? Im Zusammenhang mit dem Terroralarm beim Festival "Rock am Ring" sind drei Verdächtige aus Hessen kurzzeitig festgenommen, aber mittlerweile schon wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Einer von ihnen wurde offensichtlich in Fulda vermutet, da er dort bei seinem Freund gemeldet war. Das Einfamilienhaus einer türkischstämmigen Familie ist komplett auf den Kopf gestellt worden. Gegen 2:15 Uhr erfolgte der Zugriff. Die Haustür wurde gewaltsam aufgebrochen, das Haus gestürmt, so berichtet es die Familie, die schon 13 Jahre im Stadtteil Galerie lebt. Der 42-jährige Hauseigentümer hatte Nachtschicht, nur die Kinder (6 / 14 / 16 / 17) waren zuhause. "Meine Söhne mussten sich auf den Boden legen. Sie wurden mit Handschellen gefesselt und haben Schürfwunden an den Armen."

Ein Nachbar (Name der Red. bekannt) hat alles beobachtet. Er schildert gegenüber OSTHESSEN|NEWS die Nacht: "Überall war Polizei, teilweise in zivil und schwer bewaffnet mit Schutzwesten, Helmen und Maschinenpistolen. Sie lagen sogar auf den Dächern umliegender Häuser. Uns hat man nur gesagt, sie hätten eine Einsatzlage - mehr nicht." Über vier Stunden sei der Zugriff vorbereitet worden. Schon gegen kurz nach halb zehn am Freitagabend sind die ersten Polizisten angerückt.

Fazit des Einsatzes, der von der Staatsanwaltschaft Koblenz "wegen Gefahr im Verzug" eilig in Auftrag gegeben wurde: keine Beweismittel, keine Sicherstellung, keine Festnahmen. Das SEK packte schnell zusammen und fuhr wieder. Was dem Hauseigentümer bitter aufstößt: "Ich bin mit einem Scherbenhaufen komplett alleine gelassen worden. Meine Kinder sind total verängstigt, meine Haustür ist kaputt. Man hat uns gesagt, wir sollen uns am Dienstag - nach den Feiertagen - bei der Polizei melden. Warum gibt es für meine Kinder keine psychologische Betreuung? Was soll ich machen? Wir haben mit der ganzen Sache nichts zu tun." (Christian P. Stadtfeld) +++

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