Aus für Fuldaer Institution nach 79 Jahren
Pferdeklops mit Bier für eine Mark und vier: "Bratwurstglöckle" schließt
Fotos: Marius Auth
31.05.2017 / FULDA -
Schock für Freunde der gutbürgerlichen Küche: Am 9. Juni macht die Traditionsgaststätte „Bratwurstglöckle“ unterm Buttermarkt in Fulda nach 79 Jahren zu. Inhaber Jens Kern hat für seine Karaokebar schon eine neue Location, für die Pferdefleisch-Gastronomie wird noch gesucht.
Bereits 1938 wurde das „Bratwurstglöckle“ in den Räumen der damaligen jüdischen Metzgerei Levi von Jakob Kern als Pferdemetzgerei gegründet. 1975 übernahm Sohn Kurt Kern, 2012 Enkel Jens Kern. Der zeigt in der Traditionsgaststätte auf das Foto von Vater und Onkel: „‘Bratwurstglöckle‘ sagt eigentlich niemand – die Stammgäste sind seit Jahrzehnten immer nur zum ‚Kerns Jakob‘ gegangen. Pferdeklops mit Bier für eine Mark und vier – das war der Preis in den Fünfzigerjahren, das war auch das Jubiläumsangebot zum 60-Jährigen in 1998. Seit den Ursprungstagen bei Opa Jakob wurde eigentlich nicht viel geändert: Freunde des Pferdefleischs kommen immer noch aus der ganzen Region zu uns – es gibt inzwischen kaum noch Alternativen. Aber wir müssen leider schließen, weil vor allem in der Küche zu viel Geld investiert werden müsste“, erklärt Kern, der schon als kleiner Junge im „Bratwurstglöckle“ Bier zapfen durfte und später eine Lehre zum Hotelfachmann beim Maritim Hotel Fulda abgeschlossen hat.
Das Haus Am Stockhaus 10-12 ist bereits verkauft, bald sollen Wohnungen in attraktiver Innenstadtlage im Gebäude entstehen. Für die Karaokebar ist auch eine neue Location gefunden: In der Eventhalle der Flipperhalle „Bulls & Balls“ im Industriegebiet Eisweiher werden Freunde der Musik bei Kern nun auf ihre Kosten kommen. Die Pferdefleisch-Gastronomie dagegen wird warten müssen: „Wir sind momentan auf der Suche nach einem Standort im Stadtgebiet, am besten mit Parkplätzen vor der Tür und einer Terrasse“, so Kern. (Marius Auth) +++