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Fliedens Trainer im Interview

Joachim Bug über Abschied, Spontanität und Konzerte

Joachim Bug wird künftig als Handball-Trainer pausieren
Fotos (3): Franziska Vogt

02.03.2017 / HANDBALL - Vergangene Woche bestätige Joachim Bug seinen Abschied als Trainer vom TV Flieden. Vier Jahre trainierte er die Männer, zuvor war er sechs Jahre im Nachwuchsbereich tätig. Im Interview mit ON|Sport spricht der 46-Jährige über seine schöpferische Pause, eine mögliche Rückkehr, seine Pläne und worauf er sich am meisten freut.




ON|Sport: Herr Bug, Sie stehen viermal pro Woche in der Handballhalle. Das macht etwa 45 Wochen im Jahr, die der Sport in Anspruch nimmt. Ab Sommer haben Sie mehr Zeit. Wie viele Vorschläge für die künftige freie Zeit hat Ihre Frau schon gemacht?

Joachim Bug: „Keine einzigen, weil sie es bislang gar nicht glauben konnte. Erst die letzten Tage und Wochen hat sie gemerkt, dass ich es ernst meine. Von daher hat sie sich bisher sehr zurückgehalten. Ganz im Gegenteil: ich bin eher derjenige, der sagt: ‚Mensch, am Wochenende können wir das und das mal machen.‘“

ON|Sport: Ihre Frau und Ihre Familie werden sich natürlich freuen, künftig wieder mehr Zeit füreinander zu haben.

Bug: „Auf jeden Fall. Die Spontanität ist in vielen Dingen zu kurz gekommen. Freitag ist Training, die Spiele sind Samstag oder Sonntag. Da ist es schwer, sich spontan mit Freunden zu treffen oder auf ein Konzert zu gehen. Man ist in einem Korsett drin, weil man ja auch Verpflichtungen hat. Für mich stand der Handball immer an erster Stelle und da muss ich viele unterordnen. Da kann ich nicht vom Training fernbleiben und auf ein Konzert gehen. Das ging die ganze Zeit nicht und das sind so Dinge, auf die man sich vielleicht noch mehr freut.“

ON|Sport: Ihren Abschied vom TV Flieden haben Sie ja auch damit begründet, Ihre Freizeit künftig losgelöst vom Handball gestalten zu können und um eine schöpferische Pause einzulegen. In Flieden steht mit dem Bezirks-Wechsel eine große Veränderung an. War das auch eine Überlegung, dass jetzt der passende Zeitpunkt ist, das Amt abzugeben?

Bug: „Das hat damit überhaupt nichts zu tun gehabt. Meine Entscheidung stand schon wesentlich früher fest, bevor ich erfahren hatte, dass der Bezirks-Wechsel durch ist. Es ist völlig unabhängig davon gewesen. Zum Stichwort, wann der richtige Zeitpunkt ist: Man kann das so und so sehen. Manche sagen, ich hätte noch ein Jahr machen können. Ich sage immer, dass ich hätte aufhören können, als wir aufgestiegen oder abgestiegen sind. Auch da gibt es immer ein Für und Wider. Ich bin der Meinung, dass es für mich jetzt der richtige Zeitpunkt ist.“

ON|Sport: Sie haben vier Jahre lang die erste Männermannschaft trainiert, waren insgesamt zehn Jahre in Flieden tätig. Rückblickend betrachtet: Was waren die Höhepunkte? Der Aufstieg in die Landesliga?

Bug: „Ich will das nicht auf ein Ereignis reduzieren. Sondern es war einfach diese Entwicklung mit der überragenden Saison und den Aufstiegsspielen. Vor 800 Zuschauern zu spielen war sicher ein emotionaler Höhepunkt. Aber ich hatte ja auch sechs Jahre lang die Jugend trainiert hatte, auch da waren so viele emotionale Höhepunkte dabei. Wenn ich überlege, wie viele Qualifikationsturniere wir als Außenseiter gewonnen haben, das war auch sehr emotional. Für mich war immer die Entwicklung der Spieler wichtiger und das war extrem spannend zu sehen.

ON|Sport: Und was die Tiefpunkte?

Bug: „Da muss ich überlegen. Der Abstieg in die Bezirksoberliga mit den Herren war nicht ganz so überraschend und ich behaupte nach wie vor, dass wir mit komplettem Kader niemals abgestiegen wären. Wir mussten aber damit rechnen und von daher ist es nicht so, dass ich das als Tiefpunkt einstufe.

ON|Sport: Sieben Spiele sind noch zu absolvieren. Was wünschen Sie sich für die letzten Begegnungen als Trainer des TV Flieden?

Bug: „Ich habe das auch meinen Jungs gesagt, dass ich mir einen schönen Abgang mit ihnen wünsche. Wir haben noch einige richtige harte Gegner in den Heimspielen vor der Brust und die Derbies gegen Neuhof und Fulda. Die würde ich natürlich auch noch gerne gewinnen. Ich wäre zufrieden, wenn wir unser Ziel, zwischen Platz vier und sechs zu kommen, erreichen. Das ist auch realistisch, auch wenn Wollrode als Vierter schon etwas enteilt ist.“

ON|Sport: Dann wird im Sommer ein neuer Mann übernehmen. Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf dem Weg oder gibt es sogar jemanden, den Sie sich als Nachfolger für Ihre Mannschaft wünschen?

Bug: „Nein. Jeder Trainer hat seine eigene Handschrift und das muss man akzeptieren. Das finde ich auch wichtig. Ich habe dem Verein gesagt, dass ich der Mannschaft wünsche, dass sie einen guten Trainer bekommt und auch zusammenbleibt. Weil sie es einfach verdient hat. Was ich ihm auf dem Weg gebe? Dass er in manchen Dingen Geduld haben muss, aber er kann die Mannschaft schon fordern und fördern. Das sind vor allem einwandfreie Charaktere, die man noch entsprechend formen kann. Aber jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Ich wünsche mir einfach, dass die Mannschaft Erfolg hat, gerade jetzt mit dem Wechsel in den Süden.

ON|Sport: Viele Trainer sagen ja, sie legen eine Pause ein und sind dann doch schneller wieder zurück als sie es vielleicht selbst vermutet hätten. Haben Sie einen Zeitraum für die Pause festgelegt oder gibt es eine Option für den Fall X?

Bug: „Das klingt ja fast wie meine Frau, so nach dem Motto: ‚Mal abwarten‘ (lacht). Ich habe den Entschluss ja nicht umsonst gefasst, weil ich auch beruflich stark eingebunden bin. Ich habe aber so viele Ideen, wie ich mich auch abseits vom Handball noch weiterentwickeln kann. Ich habe in mein Training immer Wert auf koordinative und kognitive Elemente gelegt und werde mich auch in diesem Bereich auch weiterbilden. Ich will eventuell noch einen Life-Kinetik-Trainer machen. Das sind aber Dinge mit einem gewissen Zeitaufwand. Von daher kann ich mir eine schnelle Rückkehr nicht vorstellen.“

ON|Sport: Wenn es bei einem Verein nicht läuft, wird aber viel spekuliert werden. Und dann dürfte auch Ihr Name fallen, es waren ja einige Anfragen vorhanden.

Bug: „Das ist mir schon klar, dass das Trainer-Karussell ein relativ kleines und überschaubares ist und das schnell wieder Gerüchte aufkommen. Ich habe mir aber kein Zeitfenster gelegt, weil ich einfach für mich wissen möchte, wie es ohne Handball läuft und wie ich diese Dinge unter bekomme. Ich liebe diesen Sport und bin in gewisser Weise auch Handball-fanatisch, sodass ich schon davon ausgehe, dass ich in irgendeiner Art und Weise wieder zurückkehre. Aber das wird alles die Zukunft zeigen.“

ON|Sport: Die nahe Zukunft zeigt erst einmal mehr Freizeit statt Handball an. Auf was freuen Sie sich denn am meisten?

Bug: „Das ist die Spontanität, die man einfach hat ohne sich die Wochenenden voll zu ballern. Oder wie gesagt ein Konzert zu besuchen. Aber ich freue mich auch, mal wieder andere Hallen zu sehen und ganz privat und neutral ein Handballspiel zu schauen.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bug! (Tobias Herrling) +++

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