IG begrüßt Diskussion

Ortsbeirat Löschenrod erarbeitet alternative Standorte für Schredderanlage



25.02.2017 / EICHENZELL - Nachdem der Ortsbeirat Löschenrod bereits eine detaillierte Stellungnahme zum Bebauungsplanes „Im Oberfeld III“ an den Gemeindevorstand eingereicht hatte, die eine Forderung nach einer kompletten Neubewertung und Überplanung des Bebauungsplan „Im Oberfeld III“ auf Grundlage unabhängiger Gutachten und unter Berücksichtigung der in der Stellungnahme ungeklärten Fragen zum Sachverhalt beinhaltete, beteiligt sich der Ortsbeirat nun aktiv an einer neuen Standortsuche.

„In der aktuell aufgeheizten Situation möchten wir unseren Teil dazu beitragen, einen Kompromiss zu finden“, so Holger Breithecker, Ortsvorsteher des mittlerweile drittgrößten Ortsteiles der Gemeinde. Von der Vorgehensweise her wurden zuerst die festgelegten Ziele definiert, auf die unsere Standortsuche aufgebaut hat: 1. Die Gemeinde möchte die Firma Weider umsiedeln, um die Flächen im Industriepark Welkers neu zu vergeben. 2. Gleichzeitig sollen die Flächen im Gewerbegebiet „Im Oberfeld“ zwischen Löschenrod und Kerzell weiter entwickelt und bestmöglich vermarktet werden. 3. Die Firma Weider möchte ihren Betrieb vergrößern und ohne dauerhaften Widerstand als Arbeitgeber in der Region agieren. 4. Die Bürger möchten keine Einschränkung in der Lebensqualität sondern wünschen sich eine bedenkenlose und gesunde Zukunft für sich und die nachfolgenden Generationen. 5. Die Gemeindevertreter und Ortsbeiräte möchten sinnvoll zwischen Bürgern und Gemeinde vermitteln, aber mit dem Fokus, den Bürgern als Bürgervertreter gerecht zu werden.

Der aktuelle Standort im Oberfeld begünstigt Breitheckers Einschätzung nach nur das erst genannte Ziel und sei daher ungeeignet. „Uns ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die im optimalen Fall allen gerecht wird (Gemeinde, Bürger und der Firma Weider)“, sagt Breithecker und ist optimistisch, dass dieser mit einem der sechs alternativen Standortoptionen gefunden werden kann. „Wir haben fünf Suchkorridore auf dem Ortsplan der Gemeinde gebildet, die unserer Einschätzung nach unterschiedliche Kriterien, wie z.B. die Entfernung zu den einzelnen Ortsteilen, die Verkehrsanbindung und die Vereinbarkeit mit dem vorhandenen Flächennutzungsplan, berücksichtigen“, erläutert Breithecker weiter. Innerhalb der Suchkorridore wurden dann insgesamt sechs Standorte erarbeitet, die eine zielorientierte Lösung darstellen könnten.

Im Gespräch mit dem Bürgermeister Dieter Kolb und dem Leiter der Bauabteilung Nico Schleicher wurden die Standortoptionen jeweils mit Bildmaterial zum bestehenden Gelände und den infrastrukturellen Gegebenheiten auf 43 PowerPoint-Seiten präsentiert. Auf alle sechs Standorte möchte Breithecker noch nicht eingehen, um der Gemeinde die notwendige Zeit zur Bewertung und Prüfung auf ihre Realisierbarkeit zu ermöglichen. Mitunter müssten Vertragsverhandlungen angestoßen werden, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gestört werden sollen.
Den favorisierten Standort des Ortsbeirates gibt Breithecker aber bekannt, da es sich sogar um ein Grundstück der Gemeinde Eichenzell handelt. Es handelt sich dabei um den alten Welkerser Sportplatz mit knapp 13.000 Quadratmetern, der sich oberhalb des Industrieparks in Welkers befindet.

„Verkehrsanbindung, Entfernung zu weiteren Ortsteilen oder selbst die vorhandenen Be- und Entwässerungsmöglichkeiten – alle Rahmenbedingungen sprechen für diesen Standort und ermöglichen zudem die Verwirklichung der genannten Zielvorgaben“, betont Breithecker. Hinzu käme, dass es bei dem neuen Standort auch bei zukünftigen Erweiterungen keine vergleichbaren Schwierigkeiten gebe, die beim jetzigen Standort in Löschenrod vorauszusehen sind. Denn in der Nachbarschaft grenzt zum einen ein weiteres unbebautes Grundstück und zum anderen das Firmengelände von BickhardtBau an, was ggf. auch Synergieeffekte mit sich bringt. „Der neue Standort könnte sich zu einer win,win,win – Situation entwickeln und die derzeitigen Auseinandersetzungen beenden. Ggf. kann bereits auf der geplanten Informationsveranstaltung der Gemeinde ein positives Ergebnis der Standortbewertung präsentiert werden“, wünscht sich Breithecker. Er appelliert gleichzeitig an Landrat Bernd Woide, die IHK und das regionale Standortmarketing (die sich ja auch bereits über die Presse zu Wort gemeldet haben), die Gemeinde Eichenzell bei der Umsetzung und Realisierbarkeit der Standortoptionen bestmöglich zu unterstützen.

Um der Vorgehensweise des Ortsbeirates noch mehr Gewicht zu verleihen, wurde vom Ortsbeirat ein Beschluss gefasst, in welchem sich der Ortsbeirat nochmals deutlich gegen die Umsiedlung an den aktuellen Standort ausspricht und den Gemeindevorstand zur Prüfung und Bewertung der eingereichten sechs Standorte auffordert. „Die Lebensqualität der Bürger darf nicht zusätzlich über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg beeinträchtigt werden. Das muss die höchste Priorität in der endgültigen Entscheidung haben“, resümiert Breithecker.

IG begrüßt Diskussion über alternativen Standort

„Nachdem sich nun in den letzten beiden Wochen die unterschiedlichsten Organisationen und Personen in die Debatte rund um die Brecheranlage in Eichenzell eingeschaltet hatten, begrüßt die Interessengemeinschaft (IG) „Kein Schredder“ diese erste echte Diskussion über alternative Standorte. In der Pressemitteilung der Gemeinde hieß es ja auch, dass primär nach einem anderen Grundstück gesucht werden soll. Jedoch war und ist die Angst der IG groß, dass nach einer Zeit der mehr oder minder intensiven Suche der Standort im Oberfeld als alternativlos präsentiert wird.“ sagt Harald Friedrich, Sprecher der IG.

Gegen den Standort im Oberfeld sprächen ganz viele Faktoren und dies würde nach und nach auch allen Projektbeteiligten klar. Die Schredder-Anlage im Oberfeld sei im interkommunalen Gewerbegebiet geplant gewesen. Somit würden mögliche zukünftige Erträge sowieso nur zu 25% an Eichenzell fallen. Eine Ansiedlung in anderen interkommunalen Gewerbegebieten in Fulda, Petersberg oder Künzell mache laut IG also gar keinen Unterschied für die Gemeinde, die 25% Anteil blieben. Gerne könnten sich auch Landrat Woide, die IHK und das Standortmarketing Fulda an der Suche im Landkreis beteiligen, so Friedrich weiter.

Im Oberfeld ließen sich mit dem Schredder dann kaum noch interessante Gewerbebetriebe ansiedeln, die Nachbargrundstücke wären fast wertlos für deren Eigentümer und für die Gemeinde Eichenzell. Ebenso könnte man oberhalb vom Riedrain niemals mehr ein Wohngebiet planen, vergleichbar etwa dem Wohngebiet an der B27 bei Edelzell. Das alles seien lauter unnötige Einschränkungen für die Gemeinde Eichenzell, meint Friedrich.

Und weiter: "Jetzt in Ruhe die Infoveranstaltung der Gemeinde abzuwarten, ist in unseren Augen kein gangbarer Weg. Das einzige Ziel im Moment muss das Finden einer geeigneten Betriebsstätte für den Anlagenbetreiber sein. Fernab von den Wohngebieten, wo ohne absehbare Probleme gearbeitet werden kann. Wir danken ausdrücklich dem Ortsbeirat Löschenrod mit seinem Ortsvorsteher Holger Breithecker für seine Initiative!" +++



X