Umschulung mit 39 Jahren

Nach Arbeitsunfall lernt Thomas Speiser seinen Traumberuf bei Harley Davidson

Thomas Speiser ist wieder glücklich...

25.11.2016 / FULDA - Thomas Speiser steht mit einem Schraubenzieher in der Werkstatt von Harley Davidson in Fulda und ist glücklich, endlich kann er in dem Beruf arbeiten, von dem er immer geträumt hat. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt der Werdegang des 39-jährigen. Eigentlich hat Speiser Schreiner gelernt. Als junger Geselle ging er im Jahr 2004 nach Österreich, dort wollte er mehr über sein Handwerk lernen. Bereits ein Jahr später dann der Schicksalsschlag: Bei einem Arbeitsunfall verlor der Mann in einer Kreissäge zwei Finger und konnte nicht mehr in seinem erlernten Beruf arbeiten.



„Die Zeit damals war schrecklich für mich“, sagt er am Donnerstag anlässlich eines Pressegesprächs bei Harley Davidson. Nach seinem Unfall arbeitete Speiser als Bus- und dann als Lkw-Fahrer, war streckenweise arbeitslos. „Wenn ich mich irgendwo beworben habe, hörte ich oft die Frage: Können Sie das mit ihrer Behinderung überhaupt? Das hat mich echt fertig gemacht.“ Im letzten November besuchte der gebürtige Thüringer die Herbstmesse in Alsfeld, Harley Davidson Fulda war auch mit einem Stand vertreten.

„Ich habe schon immer gern an Motorrädern geschraubt, und Harley ist sowieso klasse.“ Er kam mit der Geschäftsführerin der Fuldaer Filiale ins Gespräch, erfuhr, dass dort Zweiradmechatroniker ausgebildet werden. „Regina Krämer meinte plötzlich zu mir, ob das nicht vielleicht auch etwas für mich wäre.“ Da Speiser mittlerweile in Alsfeld lebte, informierte er sich beim zuständigen Arbeitsamt über Umschulungsmöglichkeiten, schnell waren die Formalitäten geklärt und der Arbeitsvertrag in Fulda unterschrieben. Seit einem Jahr ist Speiser nun offiziell Auszubildender bei Harley Davidson. „Ich finde es toll, auch mal erwachsene Leute ausbilden zu können“, erklärt Krämer. „Die haben viel mehr Motivation als die 16- oder 17-Jährigen.“

Ihr neuer Azubi, so sagt die Geschäftsführerin, soll auch nach der Ausbildung einen festen Arbeitsplatz in der Firma erhalten. „Selbst wenn er die Abschlussprüfung nicht packen sollte, werde ich ihm das normale Gehalt bezahlen, damit er die Prüfung nochmal machen kann. Mir ist wichtig, dass Thomas bei uns bleibt.“ Mit seiner Frau und den beiden Kindern möchte Speiser nun nach Fulda ziehen.

In den letzten fünf Jahren, so erklärt Luzia Kremser von der Arbeitsagentur in Fulda, seien 80 Umschulungen in der Region gefördert worden. Eine Umschulung sei eine Möglichkeit, sich für eine neue Arbeitstätigkeit zu qualifizieren, wenn der alte Beruf, beispielsweise wie im Fall von Thomas Speiser aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr ausgeübt werden könne. (Miriam Rommel) +++

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