Herz unter Stress

Herzwochen 2016 des Klinikums mit Seminar für Patienten, Angehörige und Interessierte


Alle Fotos: Gudrun Schmidl

20.11.2016 / BAD HERSFELD - Das Wort „Stress“ ist heutzutage in aller Munde. Gleichzeitig spielt Stress bei vielen organischen Erkrankungen, insbesondere bei Herzerkrankungen, eine besondere Rolle. Nicht zuletzt aus diesem Grunde hat die Deutsche Herzstiftung die diesjährigen Herzwochen unter das Thema „Herz unter Stress“ gestellt. Das Klinikum Bad Hersfeld unter Federführung von Dr. med. Reinhard C. Funck, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Intensivmedizin, hat das Thema und viele weitere Fragen rund um Herz-Kreislauferkrankungen zum Gegenstand des diesjährigen Patientenseminars gemacht. Es wurde in Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Bad Hersfelder Verein für Sport und Gesundheit (BVSG), einigen Selbsthilfegruppen sowie dem Brandschutz und Katastrophenschutz des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ausgerichtet. „Information und Dialog sind die Kernelemente unserer Gesundheitsveranstaltung“ so Funck „ Nur wenn viele Menschen mit uns reden und uns mit ihren Fragen konfrontieren, können wir verstehen, was Stress auslöst. Krankheitserleben und Leidensdruck sind völlig individuell“ erläuterte der Chefarzt.



Das Hotel am Kurpark bot am Samstag den passenden Rahmen für das von Patienten, ihren Angehörigen und vielen Interessierten - darunter auch Bürgermeister Thomas Fehling - sehr gut besuchte Seminar. In ihren Begrüßungen lenkten Klinikum-Geschäftsführer Martin Ködding und der ärztliche Direktor Prof. Markus Horn den Blick auf die sich rasant entwickelnde Medizinstruktur mit hockkarätig besetzten Zentren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. So wird zum Jahreswechsel das Cardio-Pulmonale Zentrum und ein Lungenkrebszentrum über die Standorte in Hersfeld und Rotenburg seine Arbeit aufnehmen und Universitätsmedizin zu den Bürgern des Kreises bringen. Eine klare Absage an Diejenigen, die mit dem Aufbau dieser Strukturen einen Substanzverlust am Standort Bad Hersfeld verbinden, hatte Geschäftsführer Martin Ködding im Gepäck: „Zusätzlich zu den Investitionsmitteln des Landes in Höhe von 26 Mio. im Herz- Kreislaufzentrum Rotenburg werden die notwendigen Mittel zur Sanierung des mittleren Bettenhauses im Klinikum erwartet. Dies zeigt das Vertrauen der Politik in den eingeschlagenen Weg der kommunalen Kreiskliniken“, so Ködding. 

Kompetente Referenten wie Dr. Jürgen Döring, Leitender Psychologe der Abt. für Ver-haltenstherapie in der Klinik am Hainberg und Dr. Stefan Steiner, Chefarzt Rhythmologie im HKZ Rotenburg, widmeten sich dem Kernthema mit ihren Vorträgen „Macht Stress krank?“ beziehungsweise „Herzrhythmusstörungen – alles stressbedingt?“. Weitere Schwerpunktthemen waren Diabetes, Übergewicht, hohes Cholesterin, Hochdruck, Rauchen und Schnarchen mit Atempausen als Risikofaktoren, Notfallmaßnahmen beim plötzlichen Herztod und die plötzliche Herzschwäche unter Stress: die „Tintenfisch-Erkrankung“.

Johannes Maykemper, Allgemeinmediziner in Bad Hersfeld, verzichtete auf eine Power-Point-Präsentation, sondern brachte seinen Patienten (Name der Redaktion bekannt) als zum Glück lebenden Beweis mit, dass ein verschleppter Schnupfen durchaus gefährlich werden kann. Der Patient schilderte seinen Krankheitsverlauf, der mit Schnupfen und zunächst leichter Atemnot begann, es kamen starker Husten und Schweißausbrüche hinzu. Die Diagnose seines Arztes lautete Lungenentzündung, bevor dieser bemerkte, dass sein Patient beim Verlassen des Behandlungszimmers unter extremer Atemnot litt. Die Laborwerte und weiteren Untersuchungen erforderten eine zeitnahe Einweisung in das Klinikum Bad Hersfeld, wo nach weiteren klinischen Untersuchen eine akute Herzschwäche festgestellt wurde. „Ihm ging im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus“, bekräftigt Johannes Maykemper. Es muss nicht, aber es kann passieren, dass ein verschleppter Schnupfen zu einer Herzmuskelentzündung – auch bei sehr jungen Patienten - führt, die lebensbedrohlich sein kann. Maykemper rät, auch eine simple Viruserkrankung auszukurieren und warnt: „Ein großes Risiko ist Sport in einer Erkältungssituation“.

Macht Stress wirklich das Herz krank? Ein gesundes Herz nicht.

Bei vorliegenden Herzerkrankungen müssen schon bestimmte Verhaltensregeln beachtet werden. Die anwesenden Patienten kennen sich damit gut aus, mussten sie doch alle ihr Leben mehr oder weniger neu einrichten, nachdem ihr Herz aus dem Takt gekommen ist. Trotzdem werden sie von den vielfältigen Informationen beim Patientenseminar zusätzlich profitieren und sich durch die angebotenen Messun-gen des Blutzuckerspiegels, des Blutdrucks und des Cholesterinwertes in ihrer neuen, gesünderen Lebensweise bestätigt fühlen. In der Pause konnten alle Gäste einen Brunch – angelehnt an die mediterrane Gesundheitsküche – genießen. Auch waren die Stände des DRK, der Herzstiftung und der Selbsthilfegruppe Koronarsport beliebte Anlaufstellen zur Information. Weitere Informationen unter www.herzstiftung.de   (Gudrun Schmidl)   +++

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