Festakt in der Vonderau-Kapelle

10 Jahre VIA REGIA - Michael ROTH: "Europa muss eine Einheit bleiben"

Staatsminister Michael Roth hielt in Fulda eine engagierte Rede über die schwierige Situation in Europa
Fotos: Hans-Hubertus Braune

27.09.2016 / FULDA - Die Kapelle des Vonderau Museums in Fulda bot einen festlichen Rahmen für den Festakt zum zehnjährigen Jubiläum der Kulturroute des Europarates VIA REGIA. Fulda ist fast der Mittelpunkt des Weges zwischen Spanien und der Ukraine - mehr als 4.000 Kilometer durch acht Europäische Länder. Da war klar, nur hier konnte der Festakt stattfinden.



Auf diesen Wegen fand der gesamte Warentransport statt, Reisende nutzten die Wege, um an ihr Ziel zu kommen, leider auch Wege für kriegerische Truppen. Um die Ziele der Europäischen Union den Menschen näher zu bringen, hat man vor zehn Jahren Länder, Städte und vor allem Straßen und Menschen zertifiziert. So sollen diese durch Aktionen auf das Europäische Gemeinschaftsgefühl aufmerksam gemacht und alle Bürgerinnen und Bürger sensibilisiert werden.

So ist die Hessische Landesmusikakademie in Schlitz zertifiziert; durch Vermittlung von Direktor Lothar R. Behounek wurde dieser Festakt auch zu einem musikalischen Genuss mit Reinhold Feldmann am Piano und dem hervorragenden Tenor dem 15-jährigen Georg Rupprecht. Alexander Sust begrüßte die Festgäste, für den Magistrat der Stadt Fulda Stadtbaurat Daniel Schreiner, Dr. Marie Gaillard von VIA REGIA Europe, Paris, Caroline Fischer Leiterin der europäischen Kontaktstelle, Martina Brandt, Vorsitzende des Landesverbandes VIA REGIA Sachsen, Jürgen Löschke, Vorsitzender des Fördervereines VIA REGIA-Archtitekturmodellbau Königsbrück und Holger Volk, VIA REGIA Landesverband Sachsen Anhalt.

Festredner war Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Er spannte den Bogen von der VIA REGIA als historische länderübergreifende Straße, die Wohlstand gebracht und Völkerverständigung ermöglicht habe, hin zu einer kritischen Analyse der aktuellen Lage der EU und einem Plädoyer für einen offenen, friedvollen Kontinent. Roths Sorge sei, dass aktuell über neue Mauern in Europa gesprochen werde.

Ein Grund dafür sei, dass die EU eher als Wirtschaftsprojekt betont werde, was der Brexit gezeigt habe. Europa muss offen bleiben als Wertegemeinschaft für alle Kulturen, Ethnien und Religionen. Seine Hoffnung sei, dass es alle Länder hinbekommen, dass sich fremde Menschen willkommen, sicher und frei fühlen und bewegen können.

Da wird der Kulturroute des Europarates eine wichtige Aufgabe zugespielt, vor allem den jungen Menschen, den Sinn einer Union näher zu bringen, zu sensibilisieren. Menschen müssen sich jenseits von Stadtmauern, Haustüren und Staatsgrenzen vernetzen, empfahl Stadtbaurat Daniel Schreiner in seinem Grußwort. Die VIA REGIA sei ein hoffnungsvolles Zukunftsversprechen; sie erinnere daran dass sich Menschen begegnen, statt durch im Kopf entstehende Mauern abzugrenzen. Zudem nannte er die alte Handelsstraße eine „bedeutende historische Erscheinung“, die für Handel und Vernetzung von Ideen stehe und ein „Garant für Stabilität“ sei. Zudem stehe die VIA REGIA für eine Gruppe interessierter Bürger, VIA REGIA Arbeitskreis Fulda/Rhön/Vogelsberg, die den Dornröschenschlaf der Straße, die durch die Barockstadt Fulda führt, beendet habe.

Ein weiterer Höhepunkt war nach der Mittagspause die Podiumsdiskussion - Rückblick - Standortbestimmung - Ausblick; eine Expertenrunde mit Dr. Fischer, Erfurt, Caroline Fischer, Erfurt, Dr. Marie Gaillard, Paris und dem Moderator Alexander Sust. Für Gäste und Besucher der Barockstadt Fulda, gab es ab 16 Uhr einen VIA REGIA themenbezogenen Rundgang mit verschiedenen Punkten, wie Jacobs Weg, Bonifatius-Route, Kunst, Posthalter-Stationen der Stadt Fulda, Handel, Goethe war zu Besuch von Frankfurt kommend. Die Europa Union Fulda/Hünfeld präsentierte ihre Ziele, am Paulustor wurde eine Stadtwache mit Schilderhäusern der Fuldaer Brunnenzeche und Passkontrolle stilgerecht inszeniert.

In der VIA REGIA Löherstraße fand in und vor der Gaststätte „Posaune“ der Tagesausklang statt; Freundschaften entstanden, ein reger Austausch fand statt. Infos vom Büro Michael Roth zur Via Regia:
Das Programm der Kulturrouten des Europarates (EuR) wurde 1987 initiiert. Ende 2010 wurde es in ein erweitertes Teilabkommen des Europarats (EPA) umgewandelt und wird seitdem über Beiträge der Vertragsstaaten finanziert. Deutschland ist 2012 beigetreten, der Mitgliedsbeitrag beträgt 40.000 Euro. Das europäische Institut für Kulturrouten in Luxemburg koordiniert das Programm.

Eine Kulturroute ist ein Weg durch ein oder mehrere Länder oder Regionen des Europarates, der sich mit Themen befasst, die wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und sozialen Dimension von gesamteuropäischem Interesse sind. Deutschland ist an zahlreichen Kulturrouten beteiligt. Die Verwirklichung des Programms der Kulturrouten des Europarates in den Mitgliedstaaten verfolgt ein dreifaches Ziel: die gemeinsame kulturelle Identität der europäischen Bürger sichtbarer, wertvoller und im täglichen Leben lebendiger zu machen, das europäische Kultur-Erbe zu erhalten und aufzuwerten und im Interesse einer verbesserten Lebensqualität und im Interesse der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung den Bürgern Europas in ihrer Freizeit neue Möglichkeiten des Kulturtourismus anzubieten. ( pm ) +++

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