Selbsthilfegruppe für Drogensüchtige

Vorurteilsfreier Austausch und konkrete Hilfe



15.07.2016 / FULDA - „Drogensüchtige sind …“: Die Leerstelle im vorangegangenen Satz dürften die meisten mit abschätzigen Worten füllen. Diejenigen, die illegale Drogen konsumieren, leben häufig ausgegrenzt von der Gesellschaft. In der Fuldaer Selbsthilfegruppe Connection treffen sie auf Menschen, die ihre Probleme und Ängste nur zu gut kennen – weil sie diese so oder ähnlich selbst erlebt haben.



„Uns ist es ganz wichtig, dass wir vorurteilsfrei miteinander umgehen – wir sind offen für alle Menschen, die von illegalen Drogen abhängig sind, unabhängig von Nationalität, Alter, Geschlecht“, erzählt Simone Schafnitzel und betont: „Im Alltag können viele auch aufgrund der Illegalität der Drogen nicht offen mit ihrer Sucht umgehen, weil sie Sanktionen oder negative Konsequenzen fürchten müssen – das ist hier grundlegend anders.“

Simone Schafnitzel lebt seit 15 Jahren ohne illegale Drogen und leitet die Selbsthilfegruppe, die sie 2012 mit einem Freund gegründet hat. Und damals aus einem ganz eigennützigen Grund: „Ich wollte meinen Führerschein zurück haben und eine der Auflagen war, dass ich ein Jahr lang eine Selbsthilfegruppe besuche“, erzählt die 49-jährige Fuldaerin. Allerdings: In Fulda und Umgebung gab es keine auf Drogensucht spezialisierte Gruppe und auch in der Selbsthilfegruppe für Alkoholsucht fühlte sie sich nicht richtig. „Mit Unterstützung von Christine Kircher aus dem Selbsthilfebüro Osthessen haben wir unsere eigene Gruppe gegründet.“ Mittlerweile werden die 14-tägigen Treffen in der Petersberger Straße gut angenommen. Die Gruppe ist vernetzt mit der Ärztlichen Suchthilfe, der Aids Hilfe aber auch anderen Drogenanlaufstellen und so finden immer wieder Hilfesuchende den Kontakt zu Connection.

Wer kommen möchte sollte sich bereits mit seiner Suchtproblematik befasst haben. Bei Connection treffen sich Menschen, die substituiert werden, Ex-Drogenabhängige und Süchtige, die bereits einen Rückfall hatten. Oft ist die Hilfe untereinander ganz konkret. Im Gespräch tauschen sie sich über Erfahrungen mit Therapieeinrichtungen aus, geben Tipps für mögliche Anlaufstellen, Hinweise zur Schuldenregulierung und für den Umgang mit der medizinisch-psychologischen Untersuchung, um den Führerschein wiederzubekommen.

Eines der zentralsten Themen ist aber auch immer wieder die Rückfallbewältigung oder einen Rückfall zu verhindern. „Unsere Erfahrung ist, dass es ganz viele unterschiedliche Wege aus der Sucht gibt“, erzählt die Gruppenleiterin. Sich gegenseitig zu unterstützen, „sich von schwierigen Phasen nicht runterziehen zu lassen und auch nach dem 14. Rückfall nicht den Mut zu verlieren“, sei wichtig. „Denn der 15. Versuch von der Droge wegzukommen, gelingt vielleicht.“ Deshalb sei es ein zentrales Anliegen der Gruppe, Süchtigen das Selbstvertrauen zu geben, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen und ihnen damit auch zu zeigen: „Du bist es wert, dass Du es versuchst.“

Neben diesen ganz individuellen Fragen, ist es Simone Schafnitzel auch ein Anliegen, mit der Selbsthilfegruppe Connection in die Öffentlichkeit zu gehen: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns mehr als bisher in der Präventionsarbeit engagieren oder auf die Probleme von Drogensüchtigen stärker aufmerksam machen.“ Und das könnte dann vielleicht auch dazu beitragen, dass mehr Menschen ihre Vorurteile überprüfen und den Satz „Drogensüchtige sind …“ zumindest neutral vervollständigen. Denn Drogensüchtige sind Menschen, die aus den unterschiedlichsten individuellen Gründen zu illegalen Drogen gegriffen haben und davon abhängig sind. +++

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