"Ballett des Schießsports"
Frankenheimer Andreas KOLB erstmals Bayerischer Meister im Bogenschießen
Fotos: Marion Eckert
12.07.2016 / SCHIESSSPORT -
Andreas Kolb aus Frankenheim ist Bayerischer Meister im Bogenschießen. 653 Ringe von 720 möglichen erreichte er in der Klasse „Herren Compound“. Der Titelgewinn ist für Kolb ein wichtiger Meilenstein in seiner sportlichen Karriere als Bogenschütze, begann er mit diesem Sport erst im Jahr 2009. Vorher war er als Sportschütze tätig, unter anderem wurde er 2003 Deutscher Meister im Revolverschießen. Zum Schießsport kam Kolb über seinen früheren Beruf als Leiter eines Sicherheitsdienstes. Im Personen-schutz wurde der routinierte Umgang mit der Waffe vorausgesetzt, auch wenn es galt den Einsatz natürlich möglichst zu vermeiden. Doch Training war notwendig, um für den Fall eines Falles gerüstet zu sein. Heute betreibt Kolb sein eigenes Taxiunternehmen, Personenschutz und Waffengebrauch sind keine beruflichen Voraussetzungen mehr.
2009 reizt ihn der Gedanken sich als Bogenschütze zu versuchen. Sein Verein, die Schützengesellschaft Gersfeld hatte offene Ohren für seinen Wunsch und es wurde die Abteilung Bogenschießen ins Leben gerufen. Kolb selbst besuchte Fortbildungsveranstaltungen und Lehrgänge, um sich über den Bogensport zu informieren und die fachlichen Grundlagen zu holen. Seine ersten Gehversuche startete er mit dem Olympischen Recurvebogen, ging dann zum Blankbogen über. Vor gerade mal zweieinhalb Jahren stieg er schlussendlich auf den Compoundbogen um und begann Anfang 2015 das intensive, leistungsorientierte Training. Konzentration und Naturerlebnis – diese zwei Eckpunkte nannte Kolb als Wesensmerkmale des Bogenschießens. „Ich verbringe fast meine gesamte Freizeit im Freien. Das Bogenschießen entspannt und macht den Kopf frei“, erklärte er. Volle Konzentration auf die Tätigkeit sei notwendig, damit der Pfeil ins Schwarze, beziehungsweise in diesem Fall ins Gelbe trifft. Um die vollen zehn Punkte für einen Schuss zu bekommen, muss der zehn Zentimeter messende gelbe Kreis in der Mitte der Scheibe getroffen werden. Dieser Bereich ist das Ziel eines jeden Bogenschützen.
„Es ist ein Sport für Leib und Seele“, sagt Kolb. Denn seit er sich mit dem Bogenschießen befasse, habe er einen erstaunlichen Aufbau der Rückenmuskulatur feststellen können. „Kreuzschmerzen kenne ich nicht mehr. Man ist während des Bogenschießen in voller Körperspannung. Bogenschießen ist das Ballett des Schießsports.“ Doch nur zu 10 Prozent seien die körperlichen Fähigkeiten für Erfolg oder Niederlage verantwortlich. „Die restlichen 90 Prozent passieren im Kopf. Die mentale Verfassung ist ungeheuer wichtig, sie ist das Ausschlaggebende.“ Die gerade und aufrechte Haltung, die Körperspannung und mentale Konzentration und natürlich die technische Ausstattung mit dem Sportgerät müssen eine Harmonie bilden. Das alles war bei der Bayerischen Meisterschaft bei Andreas Kolb gegeben. „Ich wusste schon vorher, dass ich es packen kann. Ich musste mein Können nur abrufen. Selbstzweifel hatte ich keine.“