O|N-Leser bei der EM (2)
Irland, Schweiz & Deutschlands 0:0: drei Spiele, drei friedliche Fußballfeste
18.06.2016 / FUSSBALL -
"Das war einfach zu wenig. Wir schießen ja gar nicht auf's Tor - das eine Schüsschen von Mesut Özil da, aber das war's auch schon wieder", waren die Jungs von der DFB-Kantine Osthessen über die Leistung der deutschen Elf enttäuscht. Nicht nur sie: Nachdem die deutschen Fans in den ersten Minuten mächtig Radau im Stade de France gemacht hatten, übernahmen mit zunehmender Spielzeit die Polen das Ruder auf der Tribüne. Aus osthessischer Sicht kein Beinbruch: "Es war trotzdem ein tolles und friedliches Fußballfest."
Rechts unter "Mehr zum Thema" finden Sie den ersten Teil der kleinen Serie - am vergangenen Donnerstag ging es für die Osthessen los nach Paris. Nun folgt Teil zwei.
Am Montag nach dem ersten Gruppenspiel der Nationalmannschaft sind Stefan Kischporski (29), Sebastian Höhl (24), Björn Böhm (36) und Marco Bohl (35, alle aus Fulda und Umgebung) mit ihrem Camper von Lille in Richtung Paris aufgebrochen - Ziel war der Indigo-Campingplatz, auf dem etwa 1.000 Deutsche während dem großen Fußballfest nächtigen. "Eigentlich wurde dort alles geboten, was das Herz begehrt: Bratwurst, Fassbier und ein kleines Public Viewing - nur das Wetter war die komplette Woche über nicht gerade berühmt."
Das berühmte Louvre-Museum, der angrenzende Park "Jardin des Tuileries" und am Mittag die traditionsreiche französische Warenhauskette "Lafayette": "Das war wirklich beeindruckend. Vom Dach des Luxukaufhauses hatten wir einen grandiosen Blick über die ganze Stadt", schwärmt Marco Bohl ein wenig. Natürlich durfte ein Besuch beim Glöckner von Notre Dame auf dem Tagesplan nicht fehlen, ehe sich die vierköpfige Gruppe so langsam auf den sportlichen Teil des Tages vorbereitete, am Abend stand das Spiel Rumänien gegen die Schweiz im Prinzenpark auf dem Programm. "An einer Kneipe ist ein Fanmarsch der Rumänen vorbeigezogen. Die Jungs waren ganz schön laut. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Rumänen zur EM kommen würden." Die Mannschaft trennten sich schiedlich, friedlich 1:1. Die Fans auf den Rängen feierten ihr eigenes Fest, auch wenn die Stimmung an das Irland-Spiel nicht herankam - so sehen es jedenfalls unsere osthessischen EM-Fahrer.
Nach eineinhalb Wochen, vier Spielen, knapp 2.500 Kilometern mit dem Wohnmobil und jeder Menge toller Erfahrungen heißt es für die Jungs der DFB Kantine Osthessen Abschied nehmen. "Wir fahren am Samstag wieder gen Heimat - wir haben super Leute getroffen, viel Spaß gehabt und das EM-Feeling miterlebt. Jeder hilft hier jedem, hier sind Verrückte unterwegs, die drei Tage im Auto pennen, nur um Spiele zu sehen - die Bilder von Gewalt und Randale aus dem Fernsehen und den Zeitungen können wir gar nicht nachvollziehen", sagt Bohl. (Julius Böhm)