O|N-Leser bei der EM (1)
Mit dem Camper durch Frankreich: "Die Stimmung war gigantisch"
Mittendrin im Geschehen und den 2:0-Sieg in der Tasche
Fotos: privat
14.06.2016 / LILLE -
Erst der Bebraner Shkodran Mustafi, dann Bastian Schweinsteiger mit seinem Traum-Comeback zum 2:0-Sieg gegen die Ukraine - die Deutsche Nationalmannschaft ist erfolgreich in die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich gestartet und vier Jungs aus Osthessen waren mit dabei in Lille. Sie sind vergangenen Donnerstag auf eine Fußball- und Kulturreise gestartet - ganz bodenständig mit einem Wohnmobil.
Stefan Kischporski (29), Sebastian Höhl (24), Björn Böhm (36) und Marco Bohl (35, alle aus Fulda und Umgebung) sind Mitglieder der DFB-Kantine Osthessen, einer Fangruppe des offiziellen Fanclubs der Fußballnationalmannschaft. Regelmäßig veranstaltet die 33-köpfige Gruppe Fahrten zu Spielen der DFB-Elf in Deutschland, auch Europareisen nacht Stockholm, Dublin, Brüssel oder Wales sind Standard. "Es ist zu einer echten Leidenschaft geworden. Björn hat extra die Abschlussfahrt des SV Engelhelms sausen lassen. Nach 17 Jahren am Stück - nur, um hier mitzufahren", erzählt Marco Bohl.
Am Donnerstag ging es mit dem Camper also in Richtung Frankreich. Das erste Ziel: Omaha Beach in der Normandie, wo während des zweiten Weltkriegs am 6. Juni 1944 die Alliierten landeten. "Wir haben den Militärfriedhof besucht und der vielen gefallenen Soldaten gedacht", erzählt Marco Bohl von der Reise. Die Reise solle mehr sein, als nur ein Wettjubeln im Fußballstadion. "Das war schon eine besondere Erfahrung, die unzähligen weißen Kreuze zu sehen - wir waren alle ergriffen."
Samstags ging's weiter Richtung Norden nach Deauville, einer kleinen Hafengemeinde in der Normandie, wo die kroatische Nationalmannschaft ihr Lager aufgeschlagen hat. Sonntagmorgen dann die Abfahrt ins gut 330 Kilometer entfernte Lille, wo das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft um 21 Uhr angepfiffen wurde. "Es waren bestimmt 25.000 bis 30.000 Deutsche in der Stadt. Die Gastronomen kamen mit dem Bierzapfen gar nicht hinterher", erzähl er, "und die Menschen waren sehr freundlich. Man hat sich willkommen gefühlt." Von den Krawallen deutscher Hooligens haben die Osthessen nichts mitbekommen. "Die Stimmung war ausgelassen und friedlich - das sind Einzelgruppen. Ein paar Idioten, die ein schlechtes Licht auf uns alle werfen."
Was im Stadion passiert ist, werden die meisten wissen: Deutschland hat im Stade Pierre-Mauroy mit 2:0 gegen die Ukraine gewonnen - Mustafi und Schweinsteiger haben die ganze Nation zum Jubeln gebracht. "Die Stimmung war gigantisch im Stadion. Mindestens die Hälfte der 47.000 waren Deutsche und als Schweinsteiger eingewechselt wurde, war Ausnahmezustand. Es war so laut, dass eigentlich die Fans das Tor geschossen haben", sind sich die vier Osthessen einig. Spielerisch seien vor allem in Halbzeit eins einige Lücken in der Abwehr gewesen. "Nach der Pause war die Leistung dann viel besser. Vor allem Mustafi war überragend. Uns ist alles zuzutrauen."
Am heutigen Montag ist der Camper in Richtung Paris gestartet, wo das große Fancamp der deutschen Nationalmannschaft ist. Bis zum zweiten Spiel der deutschen Mannschaft am Donnerstag stehen noch zwei weitere Gruppenspiele auf dem Plan. Freitag geht es weiter mit Teil zwei unserer osthessischen EM-Fahrer. (Julius Böhm) +++