Die Leiden des Jochen K.
Für Fliedens Abteilungsleiter ist das Sportjahr 2016 eine Katastrophe
Verstimmter Blick: für Fliedens Abteilungsleiter Jochen Koppel ist das Sportjahr 2016 eine Katastrophe
Archivfoto: Julius Böhm
16.05.2016 / FUSSBALL -
Die Hessenliga-Mannschaft? Abgestiegen. Die Gruppenliga-Reserve? Kurz davor. Für den SV Flieden ist die Fußball-Saison 2015/2016 eine gebrauchte Spielzeit. Für Jochen Koppel, Abteilungsleiter bei den Buchonen, sind aller schlechten Dinge drei. Denn sein zweiter Klub, der FSV Frankfurt, ist am Sonntag aus der 2. Bundesliga abgestiegen.
In gewisser Weise sind in diesem Jahr zwei Ären zu Ende gegangen. Zum einen gehörten die Buchonen in den letzten Jahren– bis auf eine Ausnahme - beinahe schon zum Inventar der Hessenliga, zum anderen muss der FSV nach acht Jahren in der Zweitklassigkeit den Gang in die 3.Liga antreten. „Ich bin tieftraurig“, sagt Jochen Koppel, der das Sportjahr 2016 als „katastrophal“ bezeichnet. Denn zum Klub vom Bornheimer Hang hat Koppel eine intensive Beziehung aufgebaut. Seit vier Jahren ist der ehemalige Schiedsrichter, der 3.976 Partien leitete, ehrenamtlich als Schiedsrichter-Betreuer beim FSV Frankfurt tätig und seitdem Teil des Zirkus Profi-Fußball. „Der damalige Manager Bernd Reisig hat mich angesprochen, ob ich mir das vorstellen könne“, erzählt Koppel, der beruflich in der Mainmetropole tätig ist und daher für die Aufgabe prädestiniert gewesen sei.
Denn Jochen Koppel übernimmt den Fahrtdienst vom Hotel, das vom DFB ausgesucht wird, zum Stadion und zurück, kümmert sich um die Unparteiischen und sorgt dafür, dass es den Schiedsrichtern und ihren Assistenten an nichts fehlt. Während des Spiels sitzt Koppel hinter der Trainerbank und bereitet die Spielerwechsel auf der Anzeigetafel vor. „Das Fußball-Geschäft ist knallhart“, sagt Koppel über seine Erfahrungen in den vier Jahren beim FSV, an dem ihm vor allem eines gefällt: „Es ist alles eine Nummer kleiner und persönlicher.“ Acht Jahre 2. Liga im Schatten der großen Frankfurter Eintracht – darauf ist Koppel schon ein wenig stolz. „Daher ist es natürlich umso bitter, dass wir jetzt absteigen.“
Jochen Koppel, selbst 23 Jahre lang an der Pfeife aktiv gewesen, hat schon viele Schiedsrichter an den Bornheimer Hang und wieder zurück ins Hotel gefahren. An eine erinnert er sich aber gerne – Bibiana Steinhaus. „Hut ab, wie sie das macht“, hat Koppel Respekt vor der einzigen pfeifenden Frau in der vermeintlichen Männer-Domäne Profi-Fußball. „Es gab aber auch Schiedsrichter, mit denen würde ich keinen persönlichen Kontakt aufbauen“, schmunzelt Koppel über den einen oder anderen doch sehr hochnäsigen Unparteiischen. In besonderer Erinnerung sei ihm aber ein schockierender Moment geblieben. „Als sich Babak Rafati damals umbringen wollte, war er wenige Tage vorher noch in Frankfurt“, erzählt Koppel, „das schockiert einen umso mehr, wenn man kurz zuvor noch persönlich miteinander zu tun hatte.“
Ob der Gewerkschaftssekretär auch im kommenden Jahr für den FSV Frankfurt tätig sein wird, das stehe noch nicht fest. Eine Vermutung für die sportliche Zukunft hat Jochen Koppel aber parat. „Ich glaube, dass eine direkte Rückkehr schwierig werden dürfte. Man sieht es an Beispielen wie Osnabrück, wie schwer es ist“, sagt Koppel, der sich für die kommende Saison wieder mehr Erfolg wünscht. Für den FSV Frankfurt und für den SV Flieden sowieso. (Tobias Herrling) +++