Ukraine? Singapur? Osthessen!
Borussias Verteidiger Vedran JERKOVIC: zurück in neuer, alter Heimat
Fotos (6): Tobias Herrling
14.04.2016 / FUSSBALL -
Als Vedran Jerkovic das erste Mal seine Heimat verließ, war er gerade ein paar Monate alt. In seinem Geburtsort Bugojno, eine Stadt im ehemaligen Jugoslawien und heutigem Bosnien-Herzegowina, herrschte Krieg. Mit seiner Familie flüchtete er nach Deutschland, nach Altenkirchen in der Nähe von Köln. Sechs Jahre blieb er im Rheinland, ehe der Kroate zurück in die Heimat, nach Zagreb, kehrte und später als Fußballer gegen jetzige Größen wie Luka Modric, Mario Mandzukic oder Mateo Kovacic spielte. Seit gut einem Jahr ist Vedran Jerkovic nun wieder in Deutschland, es zog ihn nach Fulda. Der sportlichen, aber vor allem der beruflichen Zukunft wegen.
Nach Stationen bei NK Zagreb und HNK Gorica, stand er vor einer schweren Entscheidung. Es lagen Angebote aus Kroatien, der Ukraine und gar aus Singapur auf dem Tisch. Letztlich wurde es Borussia Fulda, das sich gerade anschickte, aus der Verbandsliga in die höchste Liga Hessens aufzusteigen. „Ich hätte als Profi weiterspielen können. Aber was hätte ich davon gehabt? In Kroatien verdient man nicht so gut und nach Singapur wollte ich nicht. Ich bin dankbar, dass ich diese Chance hier bekommen habe“, sagt der 24-Jährige, der in Fulda eine Stelle als Logistiker bekam – die sportliche sowie die berufliche Zukunft passte.
„Jetzt kommt das einfachste Spiel des Jahres“, sagt Borussias Nummer 14 vor dem Heimspiel am Samstag (15 Uhr) gegen Tabellenführer Watzenborn/Steinberg. „Jeder erwartet eine Niederlage, aber das ist unsere Chance. Wir haben nichts zu verlieren und zuhause geht immer was“, so der 24-Jährige, der zur Johannisau eine ganz besondere Beziehung hat: „Ich fühle mich so wohl, wenn ich aus dem Tunnel komme und die Zuschauer sehe. Es ist faszinierend, dass die Tribüne immer voll ist. Man merkt, dass das hier ein Traditionsverein ist“, gerät Jerkovic, der in seiner Heimat auch schon vor 35.000 Zuschauern gespielt hat, ins Schwärmen.
Seine Freundin Anna lebt derzeit noch immer in Kroatien, steckt in den letzten Zügen ihres Studiums und kommt ihn ein paar Mal im Jahr besuchen. Doch das ändert sich bald: Denn im nächsten Jahr steht die Hochzeit an, dann wird auch Anna – genauso wie eine von Vedrans Schwestern - nach Osthessen kommen. Dann ist die Familie Jerkovic, die so viel erlebt hat, beinahe komplett vereint. In einem Land, das für sie zur zweiten Heimat wurde. (Tobias Herrling) +++