Neubaustrecke Fulda-Erfurt

"Niederaula-Kurve" vom Tisch - "Volle Breitseite" für das Geistal?



22.03.2016 / REGION - Das Bahn-Nadelöhr Frankfurt am Main - Fulda - Erfurt soll in mittelfristiger Zukunft ausgebaut werden. Dies zumindest sehen die Pläne des Bundesverkehrsministeriums vor. Während die Planungen für die Neubaustrecke Frankfurt - Fulda bereits in konkrete Planungen gehen und bis Ende des Jahres die konkrete Trassenführung ausgearbeitet werden soll, ist der weitere Ausbau nach Erfurt noch im Anfangsstadium. Unter der Rubrik "Neue Bauvorhaben, vordringlicher Bedarf" des neuen Bundesverkehrswegeplanes taucht nun eine ganz neue Variante auf. In den zurückliegenden Jahren wurde in Bahnforen die sogenannte "Niederaula-Kurve" diskutiert.



Von der Schnellbahnstrecke Fulda-Kassel sollte eine riesige Kurve in das Fuldatal führen. An Niederaula und Beiershausen vorbei, durch Asbach und den Kurpark in Bad Hersfeld und weiter Richtung Bebra. Eine Tunnellösung unter dem Besengrund nach Kirchheim zur Schnellbahnstrecke tauchte ebenfalls mal auf. Nun steht im Bundesverkehrswegeplan die Neubaustrecke Blankenheim - Kirchheim. Dieser Plan sieht ein Abzweig bei Bebra-Blankenheim vor, dann führt die Strecke zwischen den bereits jetzt schon stark belasteten Ludwigsauer Ortsteilen Reilos und Friedlos vorbei, durch einen Tunnel im Wehneberg rüber in das Geistal, bevor die Streck dann eine Kurve zwischen Untergeis und Obergeis in das Gemeindegebiet Kirchheim macht. Nahe des Beiersgrabens mündet die Trasse dann in die bestehende Schnellbahnstrecke Fulda-Kassel.

Dies ist allerdings nur ein Konzeptentwurf. Eine genaue Trassenführung werde in der weiteren Planung festgelegt. Diese neue Variante würde die Festspielstadt Bad Hersfeld förmlich abhängen, befürchten Kritiker der Pläne. Diese könnte vom Ausbau der ICE-Strecke zumindest nicht von einer weiteren ICE-Anbindung profitieren. Allerdings wird auf der anderen Seite der Kurparkbereich nicht zusätzlich belastet. Auch die aufwendige Kurvenführung im breiten Fuldatal bei Niederaula ist vom Tisch. Bis zum 2. Mai diesen Jahres sind Stellungnahmen zum neuen Bundesverkehswegeplan 2030 möglich. Im Geistal regt sich bereits erster Widerstand.

Der Ausbau der Strecke Fulda-Erfurt ist Teil des Gesamtkonzeptes der Deutschen Bahn, die Fahrzeit auf der Strecke Frankfurt-Erfurt-Berlin zu verkürzen und die stark überlastete Linie etwa durch das Haunetal (Fulda-Bad Hersfeld) zu entlasten. Erfurt soll offenbar das neue Drehkreuz werden. Schon jetzt ist der Ausbau der Fernstrecke München-Erfurt-Leipzig-Berlin weit voran geschritten. Als Begründung für den Neubau steht im Bundesverkehrswegeplan unter anderem: Der Korridor zwischen Hanau und Fulda beziehungsweise Würzburg stellt mit bis zu 440 Zügen pro Tag einen hoch belasteten Abschnitt im deutschen Schienennetz dar. Hier überlagern sich der schnelle Personenfernverkehr, der zwischen Frankfurt sowie dem süddeutschen Raum in Richtung Norddeutschland geführt wird, mit dem langsamen Personennahverkehr sowie dem intensiven Güterverkehr, der die norddeutschen Seehäfen und Skandinavien mit dem mittel- und süddeutschen Raum verbindet.

Statement vom Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich (CDU):

Am Montag wurde Helmut Heiderich MdB von Herrn Bundesminister Alexander Dobrindt MdB darauf hingewiesen, dass jetzt das Projektinformationssystem mit den Ergebnissen der Projektbewertungen online freigeschaltet ist und die Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt. Bürger und Institutionen können in den nächsten sechs Wochen zum Entwurf des BVWP 2030 und zum Umweltbericht Stellung nehmen. Das Projektinformationssystem ist direkt über den folgenden Link zu erreichen: www.bvwp-projekte.de.

Demnach wurde der bisher vorgesehene Aus-/Neubau Niederaula - Bad Hersfeld - Blankenheim wegen der hohen erforderlichen Investitionen zur Erreichung fernverkehrsäquivalenter Trassierungsgeschwindigkeiten im Bereich Bad Hersfeld verworfen und durch den Neubau Kirchheim - Blankenheim ersetzt. Diese Alternative ermöglicht laut dem Entwurf eine Entlastung der Ortslage Bad Hersfeld sowie eine deutliche Reisezeitverkürzung. Das Ministerium weist darauf hin, dass sich bei dem Kartenmaterial nur um einen Konzeptentwurf zur Bewertungsgrundlage handelt. Eine Trassierung würde erst in der weiteren Planung festgelegt.

Sobald etwaige Variantenuntersuchungen konkret werden sollten, werde sich Helmut Heiderich für eine frühzeitige und breite Bürgerbeteiligung stark machen. Die nun eingehenden Argumente aus der Region wird er bei den Entscheidern vorbringen.

Statement vom Bundestagsabgeordneten Michael Roth (SPD):

„Zunächst gilt es, das im neuen Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgeführte Vorhaben eines Trassenneubaus intensiv zu prüfen. Dort heißt es, dass der bisher geplante Streckenverlauf Niederaula - Bad Hersfeld - Blankenheim wegen der hohen erforderlichen Investitionen verworfen wurde und durch den Neubau Kirchheim - Blankenheim ersetzt werden soll.

Zugleich ist aber der genaue Trassenverlauf noch gar nicht festgelegt. Zum jetzigen Zeitpunkt aufgeführte Verlaufspläne dienen lediglich als Bewertungsgrundlage. Deshalb sollten alle beteiligten Entscheidungsträger in Bund, Land und hier vor Ort im intensiven Austausch mit der Bahn die erste Planungsstufe erörtern und kritisch begleiten. Mit der Aufnahme eines Projekts in den neuen Bundesverkehrswegeplan ist keineswegs eine detaillierte Planung und ein umgehender Baubeginn verbunden.

Überdies hat am 21. März die Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung zum neuen Bundesverkehrswegeplan begonnen: Unter www.bvwp2030.de haben alle interessierten Bürgerinnen und Bürger noch bis zum 2. Mai die Möglichkeit, sich in die Pläne des Bundesverkehrsministeriums einzubringen und Stellung zu nehmen, wofür ich ausdrücklich werbe. Das Bundesverkehrsministerium wird alle Stellungnahmen fachlich prüfen und den Entwurf des Bundesverkehrswegeplans auf dieser Grundlage bis Juli 2016 überarbeiten.“ (Hans-Hubertus Braune) +++

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