✕

"Wir bauen auf unsere Jugend"

Niederaulas Vorstand Martin DIEBEL: "Unsere Herzen hängen am Sportverein"

Reaktiviert: Viktor Dercho (links) schnürt wieder die Schuhe für Niederaula/Hattenbach
Archivfoto: Julius Böhm

30.01.2016 / FUSSBALL - 16 Punkte nach 16 Spielen und Tabellenplatz 14 - die SG Niederaula/Hattenbach steckt in der Gruppenliga im Abstiegskampf. In der Winterpause gab es zudem einige Veränderungen im Kader von Thomas Willems und im Umfeld des Vereins. Im Interview mit ON|Sport spricht der Erste Vorsitzende Martin Diebel über den Kader für die Rückrunde, die Rückkehr zu Niederaulaer Tugenden und das klare Konzept, das bei der SGN verfolgt wird. Den eigenen Junioren gehört die Zukunft beim dienstältesten Gruppenligisten. 


ON|Sport: In der Winterpause hat sich in Niederaula/Hattenbach einiges getan. Vier Abgänge, drei Neuzugänge und der Abteilungsleiter Marco Busalt ist von seinem Amt zurück getreten. Wie bewerten Sie diese Veränderungen?



Martin Diebel: „Für mich geht der Verein immer weiter, egal, wer aufhört. Auch wenn ich einmal sagen sollte, dass ich aufhöre, dann geht es trotzdem irgendwie weiter. Und wenn ein Abteilungsleiter aus persönlichen Gründen nicht mehr weiter machen möchte, dann ist das sein Recht. Aber davon geht der Verein nicht kaputt.“

ON|Sport: Der Verein steht über Namen wie es so schön heißt …

Martin Diebel: „Genau. Ich übernehme das Amt von Marco Busalt jetzt zusätzlich. Aber ich möchte festhalten, dass ich ihm überhaupt nicht böse bin. Das ist seine freie Entscheidung und die akzeptiere ich. Wir haben nach wie vor ein ganz normales Verhältnis.“

ON|Sport: Zurück zum Personal: mit Adrian May, Roman Freisinger und den reaktivierten Viktor Dercho sind erfahrene Akteure zur Mannschaft gestoßen. Am Saisonziel, dem Klassenerhalt, dürfte sich aber nichts ändern, oder?

Martin Diebel: „Wir haben gut aufgerüstet, sag ich mal. Das sind alles erfahrene Spieler, die teilweise auch schon in der Verbandsliga aktiv waren. Aber am Saisonziel wird sich nichts ändern. Wir wollen den Klassenerhalt und dafür werden wir kämpfen. Was uns zuletzt gefehlt hat, waren die Kameradschaft und die Einstellung zum Spiel. Das wollen wir wieder ändern.“

ON|Sport: Wie soll das gelingen?

Martin Diebel: „Indem wir künftig wieder enger zusammen rücken. Ich habe schon mit einigen Spielern gesprochen und ihnen gesagt, wie der Hase läuft. Heißt: nach den Spielen und Sitzungen werden wir uns zusammensetzen und essen. Wir werden unter der Woche mal etwas gemeinsam machen, zum Beispiel in die Sauna gehen. Das macht Kameradschaft aus und das hat Niederaula immer ausgezeichnet. Als wir damals Meister in der Gruppenliga geworden sind, waren wir nicht die besten Fußballer, aber wir waren 18 Kameraden. Zuletzt war es so, dass die Nummer zwölf schon nicht mehr den richtigen Zug dahinter hatte und dachte „Jetzt sitze ich schon wieder auf der Bank.“ Das wollen wir ändern und dafür bin ich da. Die alten Tugenden, die Niederaula immer ausgezeichnet haben, wollen wir in die Mannschaft hinein knüppeln - auf gut Deutsch gesagt.“

ON|Sport: In den nächsten Jahren kommen zahlreiche Jugendspieler nach, Trainer Thomas Willems setzt jetzt schon auf den Nachwuchs und baut sechs, sieben A-Jugendliche in den Kader ein. Klares Konzept oder „Notlösung“ wie es in manchen Medien zu lesen war?

Martin Diebel: „Was da geschrieben wurde, verstehe ich nicht. Die Hersfelder Zeitung hat mit mir noch nicht einmal gesprochen. Mich hat es enttäuscht, dass es so hingestellt wurde, als gehen in Niederaula die Lichter aus. Wir bauen auf unsere Jugend, da kommt einiges nach oben. Selbst wenn wir absteigen sollten, dann werden wir mit unserem Nachwuchs etwas aufbauen, weil der Unterbau passt. Außerdem ist es im Hersfelder Raum schwer, Spieler zu holen. Es bleiben eigentlich nur Asbach und Hohe Luft und das gibt nur Kriege, die wir nicht führen wollen. Zumal wir mit ihnen ein gutes Verhältnis haben.“

ON|Sport: Grund für diese Einschätzung waren wohl die Abgänge von Marc Wenderoth, Steffen Kanngießer und Andreas Kurz, die es zu verzeichnen gibt …

Martin Diebel: „Das hat mich natürlich auch geärgert, denn ich hätte mit ihnen gerne weiter gearbeitet. Das sind nette Jungs und gute Fußballer gewesen. Dass sich Marc in der Verbandsliga versucht, Steffen zurück nach Rotenburg geht und Andreas Trainer wird, ist aber nachvollziehbar. Ich bin den Jungs nicht böse, das bin ich grundlegend nicht, wenn uns einer verlässt. Man macht sich viel zu viele Feinde mit dem Fußball. Entscheidungen muss man akzeptieren.“

ON|Sport: Trainer Thomas Willems hat den Spielern, die im Winter wechseln, Charakterlosigkeit unterstellt. Nun sind ja auch Spieler im Winter zur SG gekommen …

Martin Diebel: „Ja, das war nicht so glücklich, was er gesagt hat. Gut, mit Adrian May waren wir schon im Sommer im Kontakt, da war er in den USA. Aber es war abzusehen, dass er kommt.“

ON|Sport: Sie haben vorhin den ehemaligen Abteilungsleiter Marco Busalt angesprochen. Sie üben das derzeit in Personalunion aus. Wie soll es auf diesem Posten weiter gehen? Ist ein Nachfolger in Sicht?

Martin Diebel: „Nein, da ist noch keiner in Sicht. Wir haben ja im Vorstand auch momentan keinen Kassierer, das macht der Thomas Rohrbach. Das hängt alles an ein paar Personen. Wenn wir das nicht mehr machen würden, würde es vielleicht doch ganz schön eng werden. Aber wir sind Niederaulaer und hängen an unserem Sportverein.“ 

Vielen Dank für das Gespräch! (Tobias Herrling) +++

X