Es war einmal ... (3)
Theo DIEGELMANN ... ein Künzeller als Kultfigur in Bochum
Fotos (12): privat
24.12.2015 / FUSSBALL -
Wer erinnert sich nicht an Gerd Müllers goldenes Tor 1974? Oder an Boris Beckers historischen Sieg in Wimbledon? Sportliche Höhepunkte, die in die Geschichte eingingen. Doch nicht nur auf der großen Bühne des Sports, sondern auch im Kleinen gibt es Momente, die mehr oder weniger präsent im Bewusstsein sind. "Es war einmal ..." ist eine Rubrik, die verblasste Erinnerungen an besondere Ereignisse oder Veranstaltungen wecken soll. Im dritten Teil unserer Serie geht es um den Künzeller Theo Diegelmann, der in den 1960er und 1970er Jahren einer der besten deutschen Torhüter war.
„Das war im März 1965. Das war ein Lehrgang für den A-Kader für die Weltmeisterschaft 1966 in England“, erzählt der heute 76-Jährige. Unter anderem bei diesem Lehrgang dabei: Franz Beckenbauer und Sepp Maier, die beide ein Jahr später im DFB-Kader standen. Für einen Platz hat es bei Theo Diegelmann nicht ganz gereicht. Seine Karriere kann sich dennoch sehen lassen. Aus der Jugend des TSV Künzell stammend begann er seine Laufbahn, in der er an der Schwelle zur Bundesliga und Nationalmannschaft stand. Die Leidenschaft für den Fußball bekam er durch seinen Vater Franz. Ins Tor kam er dennoch eher aus Zufall. „Eigentlich wollte ich immer im Feld spielen, aber mein damaliger Lehrer, Franz Köhler, stellte mich ins Tor“, erzählt Diegelmann aus seiner Anfangszeit.
1958, als 19-Jähriger, folgte der Schritt zu Borussia Fulda, bei der jedoch zunächst ein Jahr in der dritten Mannschaft spielen musste. „Ich durfte kein Vertragsamateur sein, weil ich zu jung war und noch nicht ein Jahr im Verein war“, sagt Diegelmann. Ein Jahr später war es soweit: Diegelmann wurde Stammtorwart beim Klub aus der Johannisau und stieg mit der Borussia direkt wieder in die damalige 2. Liga Süd auf. „Ich war fünf Jahre im Tor und wir hatten immer Erfolg“, sagt Diegelmann, der mit der Borussia auch Hessenmeister und Süddeutscher Amateurmeister wurde, stolz. Besonders in Erinnerung blieb ihm ein Heimspiel gegen Hessen Kassel im alten Stadion vor 18.000 Zuschauern: „Das war verrückt.“
Kultfigur in Bochum
Nach vier Jahren zog es Diegelmann weiter ins Ruhrgebiet. Beim VfL Bochum - in der Regionalliga West beheimatet - wurde der Schlussmann in seinen drei Jahren zur Kultfigur. „Die Fans haben eine Fahne für mich gemacht, die so groß war, dass man sie zu dritt tragen musste“, lacht Diegelmann. Woher der Kult um seine Person kam? „Weil ich immer meine Leistung gebracht habe“, antwortet Diegelmann, der es mit Einsatz, Wille und Leidenschaft zu einem der besten deutschen Torhüter brachte. „Wir hatten ja damals keine Ausbildung, kein Torwarttraining. Wir mussten gesund bleiben und Leistung bringen“, beschreibt Diegelmann seinen Weg nach oben. In Bochum verdrängte er den langjährigen Torwart Horst Christopeit, was ihm anfangs nicht zugetraut wurde. „Ich wurde gefragt, ob ich ihn ablösen wolle. ‚Was meinen Sie denn, warum ich hier bin?‘ habe ich ihnen gesagt“, erzählt der Künzeller, der in Petersberg-Steinau wohnt.
Lieber Feldspieler in der Gruppenliga
Eine Rückkehr zum Hessenligisten Borussia Fulda stand im Raum. „Aber ich wollte keinem jungen Spieler den Platz wegnehmen“, begründet Diegelmann seine Absage. Er kehrte als Trainer – für eine Saison gar als Spielertrainer im Feld – zurück zum Gruppenligisten Künzell. 24 Jahre war er fortan an der Seitenlinie tätig, ehe er 1996 nach Stationen unter anderem in Neuhof, Schrecksbach und Flieden seine Laufbahn in Bad Salzschlirf beendete. Wo es ihm während seiner aktiven Karriere am besten gefallen hat? „Bochum hat mir gut gefallen, aber in Reutlingen war alles sehr familiär, das war sehr schön“, antwortet Diegelmann, der erzählt, dass alte Verbindungen auch nach Jahren noch bestehen. „Zu Dieter Nüssing (Nachwuchstrainer beim 1.FC Nürnberg, Anm. d. Red.) habe ich noch Kontakt und als Reutlingen unter Armin Veh vor Jahren wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist, hat man die damalige Mannschaft eingeladen.“