"Übernehme politische Verantwortung"
DFB-Präsident NIERSBACH (64) zurückgetreten - Persönliche Erklärung IM WORTLAUT
10.11.2015 / FRANKFURT/M. -
Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist nach übereinstimmenden Presseberichten zurückgetreten. Dies ist das Ergebnis einer Krisensitzung am heutigen Montag in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Hintergrund sind offensichtliche und unklare Millionen-Zahlungen im Zuge der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften im Jahre 2006 in Deutschland.
Es war exakt 17.21 Uhr: Wolfgang Niersbach ist als DFB-Präsident zurückgetreten. Er übernehme im Zuge der WM-Affäre die "politische Verantwortung", sagte Niersbach am Montag nach einer Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes. Das Sommermärchen 2006 ist zu einem Fall für die Justiz geworden.
Der 64-jährige Präsident des größten Sportverbandes der Welt zieht damit die Konsequenzen aus den Diskussionen um den DFB der vergangenen Wochen. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main und die Steuerfahndung hatten vor einigen Tagen die Büroräume des DFB und Privatwohnungen unter anderem von Niersbach durchsucht (hhb).
Persönliche Erklärung des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach:
"Ich war vom ersten Tag der Bewerbung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an bis hin zur Schlussdokumentation des Sommermärchens dabei und habe in all den Jahren zu jedem Zeitpunkt nicht nur mit großer Leidenschaft, sondern auch immer sauber, vertrauensvoll und korrekt gearbeitet. In den mir zugeteilten Bereichen Marketing, Medien, Akkreditierungen und Veranstaltungsorganisation kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich mir persönlich absolut nichts vorzuwerfen habe.
Umso deprimierender und schmerzhafter ist es für mich, neun Jahre später mit Vorgängen konfrontiert zu werden, in die ich damals nicht einbezogen war und die auch für mich viele Fragen offen lassen. Ich bleibe dabei und möchte noch einmal unmissverständlich klarstellen, dass ich von den Hintergründen der im Raum stehenden Zahlungsflüsse keinerlei Kenntnis hatte. Umso schwerer ist mir die Entscheidung gefallen, die politische Konsequenz daraus zu ziehen.
27 Jahre DFB waren für mich immer viel mehr als ein Beruf. Die Arbeit in den unterschiedlichen Funktionen war für mich eine Herzensangelegenheit. Ich liebe den Fußball und diesen Verband, in dem ich wunderbare Momente erleben und mit großartigen Menschen zusammenarbeiten durfte. Um diesen DFB und das Amt zu schützen, trete ich schweren Herzens als DFB-Präsident zurück. Gleichwohl werde ich auch danach alles für eine umfassende Aufklärung der Vorgänge beitragen.
Frankfurt, 9. November 2015" +++