"Wissen, Disziplin + viel Arbeit"

Die TIPPBRÜDER haben mit Sportwetten Erfolg - und 2.000 Fans

Leicht ist es nicht: es gehört viel Analyse dazu
Fotos: Julius Böhm

30.11.2015 / REGION - Torwartlegende Oliver Kahn und der FC Bayern stehen hinter "tipico", Real Madrid wird von "bwin" gesponsert, ebenso wie die Bayern und auf dem Trikot von Hertha BSC Berlin ist das Logo von "bet-at-home". Sportwetten sind salonfähig geworden und gehören bei vielen Fußball- / Sportfans zu einem gelungenen Wochenende. Dabei heißt oft das Ziel: mit fünf oder zehn Euro ein bisschen zocken, etwas Spaß haben und mit Glück 100, 500 oder noch mehr Euros absahnen. Zwei Jungs aus Fulda haben sich ein anderes Ziel gesetzt. Sie wollen den Buchmachern langfristig ein Schnippchen schlagen und hoffen nicht auf das schnelle Geld. Die "Tippbrüder" bieten ihre Sportwettenrecherchen im Internet an, tippen selbst und haben daraus eine Geschäftsidee gemacht.


Mittlerweile rund 50 Leute bezahlen für die Dienste von Mario (23) und Luigi (24/beide Namen geändert). Für den Kunden ist das recht einfach, für die Tippbrüder steckt aber viel Arbeit und Zeitaufwand dahinter: die beiden recherchieren, studieren Statistiken, schauen viele Spiele live, informieren sich über die Form der Teams, Schiedsrichter, Verletztenlisten und andere Umstände und suchen nach den "sichersten" Ereignissen. "Tippen ist immer noch ein Glücksspiel, darüber muss sich jeder im Klaren sein. Wir versuchen nur, den Faktor Glück mit viel Wissen, Erfahrung und Disziplin auf lange Sicht zu minimieren", sagt Mario. Bisher mit Erfolg: in den ersten beiden Monaten der bezahlten Recherchen in ihrer Facebook "VIP-Gruppe" wurden über 66 Einheiten (Stand: Sonntag) Gewinn erzielt.

"Eigentlich nur aus Spaß"

"Wir sind beide PC-Gamer gewesen und haben uns zufällig beim Spielen kennengelernt. Dabei hat sich herausgestellt, dass wir beide nur wenige Kilometer voneinander entfert wohnen. Und so entstand eine Freundschaft" berichtet Luigi. Mit 18 Jahren begannen sie hier und da zu tippen. "Ich habe aber nur Quatsch getippt, wollte den großen Gewinn", gibt Mario zu, der es heute besser weiß, "mit Erfahrung und vor allem mit Disziplin kam dann etwas Erfolg und so haben wir Freitagabends via Skype unsere Analysen verglichen. Die Tippbrüder-Seite haben wir dann im Sommer 2013 gegründet - eigentlich nur aus Spaß."

Vor zwei Jahren hatte die Seite 127 Likes - heute sind es mehr als 2.000 Facebook-Fans. "Es war nie unser Plan, damit Geld zu verdienen, aber im September haben wir eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts, d.Red.) gegründet und die ersten Kunden gewinnen können."


66 Einheiten Gewinn - was bedeutet das?

"Wir spielen mit einem Geldmanagement, um mit dem zur Verfügung stehenden Geld richtig umzugehen und einen Totalverlust zu vermeiden. Das Startkapital muss individuell festlegt werden, da jeder unterschiedlich viel Geld zur Verfügung stehen hat. Es ist egal, ob das 100, 500 Euro oder mehr sind. Der Maximaleinsatz, wenn man sich absolut sicher ist, beträgt bei uns 10 Prozent dieses Kapitals. In Einheiten bedeutet das 10 Einheiten. Solche 'sicheren' Spiele gibt es aber quasi nicht und deshalb kommt der Einsatz auch nur sehr sehr selten vor. In der Regel spielen wir mit Einsätzen zwischen 0,5 bis 5 Einheiten, sprich 0,5 bis 5 Prozent des Kapitals pro Tipp. Also bedeuten in unserem Fall die 66 Einheiten Gewinn, dass wir unser Gesamtkapital in den zwei Monaten um 66 Prozent erhöht haben. Wie viel Gewinn das ist, hängt bei jedem davon ab, wie groß seine 'Bankroll' ist", erklärt Mario das System, dass vor dem Zocken schützen soll.

Der Verantwortung bewusst: "Kein Sprint, sondern ein Marathon"

Dass Wetten süchtig machen können, wissen auch die Tippbrüder. "Manchmal denken die Leute, wir wären Hellseher, aber das ist definitiv nicht so. Für mich ist Sucht, wenn man die Kontrolle verliert und verspieltes Geld mit unüberlegten Wetten schnell wieder 'reinholen' möchte", erklärt Luigi, "genau das, wollen wir mit dem System verhindern und langfristig denken. Wie sagt Mario immer: Tippen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ob eine einzelne Wette gewinnt oder verliert ist irrelevant. Wichtig ist, dass am Ende des Monats ein Plus dasteht."


Das Ziel für die Zukunft lautet: die Community erweitern und größer werden. "Es gibt viele Seiten und Konkurrenten, die mit 'sicheren' Spielen werben, aber die gibt es einfach nicht", verdeutlicht Mario, "daran zu glauben ist leider naiv. Trotzdem fallen leider viele Leute darauf rein und werden abgezockt. Wir möchten transparent und seriös sein. Ich träume von einer Art Facebook für alle Tipp-Fans. Eine Community, in der sich jeder austauschen kann über seine Ideen und wir unsere Analysen anbieten." (Julius Böhm) +++


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